„SCHÖPFUNGSVERANTWORTUNG“ – was wir damit meinen

Warum halten wir als Kirche Themen der Nachhaltigkeit und Ökologie für wichtig? Und was bedeutet es, wenn wir als ChristInnen in diesem Zusammenhang von „Schöpfung“ sprechen?

Der Begriff „Schöpfung“ bindet uns an die biblischen Erzählungen von der Erschaffung der Welt zurück. Auch wenn wir diese Erzählungen nicht als historischen Vorgang deuten, sagen sie uns doch Wesentliches über unsere Beziehung zur Welt, in der wir leben: Gott ist demnach der Ursprung unserer Welt mit allen belebten und unbelebten Teilen. Zu dieser Schöpfung gehören auch wir Menschen als ein Teil davon. Wir stehen in einem geschwisterlichen und gemeinschaftlichen Verhältnis zur ganzen Schöpfung, wie Papst Franziskus betont. Es steht uns daher nicht zu, unsere Mitgeschöpfe oder unbelebte Elemente, die wir als Ressourcen nutzen, beliebig auszubeuten.

Wie wir anfangen können: sehen - urteilen - handeln

Der Dreischritt „Sehen – Urteilen – Handeln“ wurde in der Christlichen Arbeiterjugend (CAJ) entwickelt und findet auch in der Pastoraltheologie breite Anwendung. Auch für Fragen der Schöpfungsverantwortung erscheint er als geeigneter Zugang, um vom Sehen zum Tun zu kommen. 

SEHEN - Urteilen - Handeln

Sehen meint, eine Situation kritisch und offen in möglichst vielen Facetten wahrzunehmen. Austausch und Reflexion können eine Vertiefung des Sehens bewirken.

In diesem Schritt können wir uns fragen:

  • Woher kommt unsere Nahrung und wie wird sie hergestellt?
  • Worauf achten wir beim Einkaufen?
  • Woher kommt unsere Kleidung?
  • Wie wichtig ist das Auto?
  • Wie viel Strom verbrauchen wir in Haushalt und Büro?
  • Wie viel Müll entsteht in unserem Alltag zu Hause und bei der Arbeit?
  • Welche Informationen brauchen wir noch, damit wir besser einschätzen können, was unser Lebensstil für unsere Welt bedeutet?

Sehen - URTEILEN - Handeln

Urteilen bedeutet, darüber nachzudenken, wie das Gesehene zu den Visionen passt, die wir von einer lebenswerten Welt und einem gelingenden Zusammenleben haben. Gibt es große Differenzen? Wo liegen sie genau? Vielleicht ist es im Rahmen dieses Schrittes auch notwendig, Ideen zu entwickeln, die der Vision ein ganz konkretes Gesicht geben.

Wenn wir eine Vision entwickeln, gibt es dazu Orientierung in der Bibel und der Tradition:

  • Das biblische Bild des Menschen zeichnet ihn als ein Wesen, das Gott dazu bestimmt, die Erde zu „bebauen“ und zu „hüten“ (Gen 2). Der Mensch ist in die Schöpfung gestellt als Gottes „Verwalter“. Er ist ein Geschöpf unter vielen anderen. In diesem Sinn soll er verantwortlich handeln.
  • Auch Papst Franziskus betont im Rundschreiben „Laudato Si`“, dass alle Geschöpfe, die von ein und demselben Vater erschaffen worden sind, eine „Art universale Familie“ bilden. Dieser Zugang ist ein wichtiger Grundpfeiler für den Respekt, den wir unseren Mitgeschöpfen schulden (LS 89).
  • Die Pastoralkonstitution Gaudium et Spes des 2. Vatikanischen Konzils hält fest, dass die Kirche die Pflicht hat „nach den Zeichen der Zeit zu forschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten“ (GS 4). Diese Aufgabe bedeutet für uns, auf Themen zu achten, die in der Gesellschaft, der Politik oder allgemein der Welt von Bedeutung sind. So ist es aus dieser Grundhaltung des „Forschens“ nach den „Zeichen der Zeit“ zum Beispiel nötig, auch extreme Wetterphänomene, die Menschen ihre Lebensgrundlage rauben, als „unser“ kirchliches Thema wahrzunehmen.

Sehen - Urteilen - HANDELN

Das Handeln ergibt sich aus den ersten beiden Schritten. Es ist zum Beispiel wichtig, im Sehen festgestellt zu haben, wer für mich ein Partner oder eine Partnerin auf dem Weg sein kann. Wenn auch geklärt ist, wohin dieser Weg führen soll, wird eine Handlung möglich, die auf ein klares Ziel ausgerichtet ist, selbst wenn sie das „große Ziel“, das in der Vision steckt, vielleicht noch nicht (ganz) erreicht.

Dieses Handeln kann unglaublich vielfältig sein und auf verschiedenen Ebenen stattfinden:

  • Im eigenen Haushalt/in der Familie, wo z.B. Müll vermieden und regionale Lebensmittel eingekauft werden.
  • Bei der Arbeit, wo darauf geachtet wird, dass nicht unnötig Strom, Papier und andere Ressourcen eingesetzt werden.
  • Am Arbeitsweg, der vielleicht nicht mit dem Auto zurückgelegt wird. – Die Aktion „Autofasten“ wäre ein Anlass, Alternativen auszuprobieren.
  • In der Pfarrgemeinde, die beim Pfarrfest ein Geschirrservice nutzt und beim Einkauf auf Regionalität und Nachhaltigkeit achtet.
  • In regionalen und überregionalen Initiativen, die auch politisch etwas in Richtung eines nachhaltigen Lebensstils in Bewegung setzen.
  • Auf staatlicher Ebene, indem z.B. dem realen Verbrauch von Ressourcen (wie  sauberer Luft und Wasser) auch reale Kosten in Form von Steuern entgegengesetzt werden.
  • Auf zwischenstaatlicher und internationaler Ebene bei der Behandlung aller Themen, die letztendlich gemeinsam bearbeitet und gelöst werden müssen (z.B. Klimakonferenzen).