Bischof Glettler zum Umgang mit Demenz

Für einen Bericht in der Tiroler Tageszeitung vom Mittwoch, 16. Oktober, erhielt Bischof Hermann Glettler eine schriftliche Anfrage zum Thema Demenz. Lesen Sie hier den gesamten Wortlaut. Besonders engagiert arbeitet die Caritas Tirol im Demenz-Servicezentrum.

Die Bevölkerung wird immer älter. Was tut die Diözese Innsbruck um sich "fit" für den Umgang mit Demenzkranken zu machen? 

Mit ihrer Frage treffen sie einen Lebensnerv unserer Gesellschaft. Wir versuchen auch als Kirche darauf zu reagieren. Die Caritas hat in der Sillgasse ein Demenz-Servicezentrum eingerichtet, das sich seit vielen Jahren um die Anliegen von pflegenden Angehörigen und Demenzbetroffenen bemüht. Es bietet Information, Schulung und Begleitung an, sowie die Beratung von Gemeinden auf dem Weg zu einem demenzfreundlichen Lebensraum. Seit März 2018 gibt es dort auch eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Gedächtnisproblemen. Die Caritas organisiert darüber hinaus Erholungswochen für pflegende Angehörige und vermittelt Freiwillige, die pflegende Angehörige vor Ort entlasten.
Ehrenamtliche Seelsorger/innen in Alten- und Pflegeheimen werden von der Diözese auf die seelsorgliche Begleitung von Demenzkranken vorbereitet und geschult. 

 

Wie wird versucht diese Menschen in den Gottesdienst einzubinden? 

In den Alten- und Pflegeheimen, wo wir geschulte ehrenamtliche Seelsorger/innen haben, gibt es teilweise schon jetzt eigene Gottesdienstformen für Menschen mit Demenz. Es werden bewusst Lieder, Texte, Bilder und Symbole eingesetzt, die vertraut sind und damit Sicherheit geben. Die Atmosphäre eines schönen Gottesdienstes tut allen gut, vor allem Lebendigkeit und Herzlichkeit. Außerdem kommuniziert Gott mit uns in vielfältiger Weise. Er kann die Seele eines Menschen berühren, auch wenn der Kopf nicht mehr mitkommt. Wichtig ist die Atmosphäre der Verbundenheit, die von Demenzkranken rasch gefühlt wird.

 

Was kann eine Pfarrgemeinde tun, um diese Menschen einzubinden? 

Menschen mit Demenz sollten weiterhin an den Gottesdiensten teilnehmen können. Es ist wichtig, diesen speziell verunsicherten Menschen und ihren Angehörigen das Gefühl des Willkommens zu geben. Zusätzlich zur Mühe um „demenzfreundliche Gottesdienste“ sollten Pfarrgemeinden bewusst überlegen, wer im Alltag für Angehörige von Demenzkranken Stütze und Hilfe sein kann. Auch die von mir propagierten Weggemeinschaften, die schon in einigen Pfarren gestartet sind, haben den Auftrag, je nach Bedarf in der Nachbarschaft Hilfe anzubieten. Gut wäre es, wenn es im Pfarrgemeinderat eine Ansprechperson gäbe, die bzgl. Demenz geschult ist.

 

Sind in Zukunft von Seiten der Diözese weitere Initiativen geplant? 

Das Schulungsangebot für ehrenamtliche Begleiter/innen von Demenzerkrankten und deren Familien wird weiter ausgebaut. Und es gibt auch Einzelinitiativen. Derzeit steht in Imst das Projekt „Angehörigencafé PLUS trifft Ehrenamt“ kurz vor der Umsetzung. In entspannter Atmosphäre sollen Menschen mit Einschränkungen, Demenz oder Pflegebedarf, sowie deren betreuende Angehörige Wertschätzung und das Gefühl der Zugehörigkeit erfahren. Insgesamt ist noch viel Bewusstseinsbildung notwendig.

 

Angebote rund um die Thematik „Demenz“ in der Diözese Innsbruck 

Das Demenz-Servicezentrum der Caritas Tirol in der Sillgasse in Innsbruck ist seit vielen Jahren um die Anliegen von pflegenden Angehörigen und Demenzbetroffenen bemüht und bietet wichtige Angebote:

-          kostenlose und unverbindliche Beratung von Angehörigen und Demenzbetroffenen

-          einmal im Monat können sich Angehörige von Menschen mit Demenz beim Angehörigencafé austauschen

-          seit März 2018 gibt es erstmals auch eine Selbsthilfegruppe für Menschen mit Gedächtnisproblemen

-          die Begleitung von Gemeinden und Regionen auf dem Weg zu einem demenzfreundlichen Lebensraum

-          Beratung , Begleitung von Gemeinden und Regionen auf dem Weg zu einem demenzfreundlichen Lebensraum, Begleitung/Austausch/Schulung von Angehörigen von Demenzkranken

-          Erholungswochen für pflegende Angehörige

-          freiwillige MitarbeiterInnen der Caritas entlasten pflegende Angehörige vor Ort

-          Bildungsmaßnahmen zum Schwerpunkt Demenz

-          Im Ausbildungslehrgang für ehrenamtliche SeelsorgerInnen in Alten- und Pflegeheimen werden die Teilnehmenden auf die seelsorgliche Begegnung und Begleitung von Menschen mit Demenz geschult und erhalten dazu immer wieder Weiterbildung.

 Weitere Informationen: https://www.caritas-tirol.at/hilfe-angebote/demenz-servicezentrum/