Wenn Himmel und Erde sich berühren ...

Form und Gestaltung des Gottesdienstes sollen ermöglichen, dass sich die Wirklichkeit Gottes und die Wirklichkeit der Menschen begegnen. In Worten, Zeichen und Handlungen wird zum Ausdruck gebracht, was das Leben der Menschen ausmacht und wie Gott zu den Menschen ist.

 

Was heißt "Gottesdienst feiern"?

Gottesdienst - wer dient wem?
Grundlage des christlichen Glaubens ist die Erfahrung und das daraus resultierende Wissen, dass Gott sich selbst zuerst den Menschen zuwendet. Gottesdienst bringt diese Zuwendung Gottes zur Welt und zu den Menschen zum Ausdruck – im Danken, Loben und im vertrauenden Bitten. Außerhalb des Gottesdienstes besteht die lebendige Antwort auf das von Gott geschenkte Heil in der Nachfolge Jesu. Sie soll sich im Dienst der Menschen aneinander und in der Solidarität untereinander zeigen.  

Begegnungsraum
derer, die sich begegnen. Zeichen, Symbole, besondere Zeiten und die Hl. Schrift können zur Realisierung dieser Begegnung beitragen.  

Versammlung von Leben
Im Gottesdienst „versammelt“ sich das ganze Leben: die Lebensbezüge und Lebensgeschichten der Gläubigen, ihre Freuden, Hoffnungen, Sorgen und Ängste, die Lebenden und auch Toten, die sie in ihren Gedanken „mitbringen“. Vielfältige und weit reichende Dimensionen von Leben „kommen zusammen“, um Orientierung, Stärkung und Begegnung zu erfahren.  

Rastplätze, die Neuorientierung ermöglichen
Im Gottesdienst wird das christliche Leben betrachtet und reflektiert, es kann zur Ruhe kommen und sich neu orientieren. Aus der gottesdienstlichen Begegnung mit Christus, mit der Gemeinde und mit der Kirche folgen Impulse und Wegweisungen für das Leben „nach dem Gottesdienst“, z. B. für Versöhnung, Teilen, Trost und Solidarität.  

Himmel spielen
Gottesdienst feiern ist auch eine Vorauserfahrung dessen, was uns vom Reich Gottes verheißen ist, was wir von Gott erwarten und erhoffen dürfen: Im Himmel gibt es keine Unterschiede mehr zwischen Menschen verschiedener Hautfarben, zwischen arm und reich, zwischen Mann und Frau ... In dem wir uns darin üben, wie Gott zu handeln, kann Friede, Versöhnung und Wohlergehen (hebr. shalom) bereits jetzt stattfinden.  

Wer feiert Gottesdienst?
Christus feiert mit den Menschen, die an ihn glauben, selbst den Gottesdienst, so sagt es die Liturgiekonstitution des Zweiten Vatikanischen Konzils (vgl. SC 7). Zugleich betont das Konzil, dass alle Christ/innen voll, bewusst und tätig an den liturgischen Feiern teilnehmen (vgl. SC 14). Das Volk, die Gemeinde ist Subjekt der Gottesdienste. Den Gottesdienst feiern die Gläubigen. Sie sollen sich je nach ihren Fähigkeiten, Möglichkeiten und Bedürfnissen einbringen können. Sei es im Mittragen der Feier in stiller Besinnung, Gebet und im Staunen über das Geheimnis, sei es in der Übernahme bestimmter Dienste, oder sei es im Einbringen der Lebensfreude und Unbekümmertheit, wie dies vor allem Kindern möglich ist. Gemeinsam übernehmen wir Verantwortung für das gottesdienstliche Feiern und dafür, dass Gemeinde lebt und sich auch weiterentwickelt. Es geht um unser Leben, das in Zeichen, Symbolen und auch konkreten Personen in unseren Gottesdiensten sichtbar werden soll.  

(Entnommen aus: Paul Mascher / Christian Nuener / Thomas H. Böhm, In Gottes Namen versammelt. Werkbuch für Liturgiekreise, München 2003, 11-16.)