Kirche und Politik erneuerten Herz-Jesu-Gelöbnis
Am Freitagabend wurde in der Jesuitenkirche in Innsbruck bereits zum 230. Mal das Herz-Jesu-Gelöbnis erneuert. Mit dabei waren Bischof Hermann Glettler, Landeshauptmann Anton Mattle und Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann. Das Gelöbis geht auf das Jahr 1796 zurück, als die Tiroler Landstände das Land dem "Heiligsten Herzen Jesu" weihten und in Kriegsgefahr das Versprechen gaben, künftig den Herz-Jesu-Freitag feierlich zu begehen, Jesus und seiner Botschaft treu zu bleiben und Herz zu zeigen, besonders für die, die es im Leben schwer haben. So ist das Gelöbnis auch der Auftakt für viele Aktionen und Veranstaltungen am Herz-Jesu-Wochenende. Seit 2016 steht der Freitag zudem im Zeichen des "Tages der Herzlichkeit".
Freundschaftsbänder als Zeichen
Ein solches Zeichen der Herzlichkeit setzte Bischof Glettler u.a. damit, dass er an diesem Herz-Jesu-Freitag ein Sommercamp für ukrainische Kinder im Jungscharhaus Mutters besuchte. Das Camp bietet Kindern und Jugendlichen aus der Ukraine eine Zeit der Erholung, Begegnung und Gemeinschaft.
Der Bischof überreichte den Kindern Freundschaftsbänder. Kleine, farbige Zeichen der Verbundenheit, die im Rahmen einer Schulaktion des Schulamts der Diözese Innsbruck entstanden sind. Schülerinnen und Schüler knüpfen dabei Freundschaftsbänder als Symbol der Verbundenheit mit Kindern und Jugendlichen in der Ukraine. Mehr als 7.000 Bänder wurden geknüpft, um symbolisch eine Brücke zwischen Innsbruck und Kiew zu schlagen.
230 Jahre altes Gelöbnis
Das Herz-Jesu-Gelöbnis geht auf das Jahr 1796 zurück, als die Tiroler Landstände das Land dem „Heiligsten Herzen Jesu“ weihten. Seit 2016 steht der Herz-Jesu-Freitag zudem im Zeichen des „Tages der Herzlichkeit“. Die Initiative wurde vom Bischof-Stecher-Gedächtnisverein unter dem Motto „Offene Herzen“ ins Leben gerufen, um die Kultur der Herzlichkeit, Hilfsbereitschaft und Solidarität in Tirol noch stärker sichtbar und erlebbar zu machen. Unter dem heurigen Leitgedanken „Herz haben. Herz zeigen!“ laden zahlreiche Aktionen und Veranstaltungen rund um den Herz-Jesu-Freitag dazu ein, das Miteinander in Tirol zu stärken und das Verbindende vor das Trennende zu stellen. Alle Informationen zu den heurigen Aktionstagen finden sich unter www.bischof-stecher-verein.at.
Eine Meldung von www.kathpress.at
Menschlichkeit geloben!
Einleitung: Ein Gelöbnis ist eine Verpflichtung, ein historischer Auftrag, für einige sogar ein traditionsreiches Herzensanliegen – man könnte auch sagen, eine wohltuende Kontinuität in einer Zeit extremer Verunsicherungen. Seit 1796 gelobt das Land Tirol, das Fest des Heiligsten Herzen Jesu alljährlich feierlich zu begehen. Das tun wir jetzt von Neuem – am Abend eines Tages mit vielen Momenten von Herzlichkeit und Dankbarkeit in unserem Land. Aber auch in einer Zeit bedrohter Herzlichkeit – durch eine „neue Härte“, die sich in unsere Gesellschaft einschleicht, durch ein Zuviel an Daten, die wir in unseren Herzen downloaden – und durch das Vernachlässigen von Beziehungen. Ist es nicht Zeit, Menschlichkeit zu geloben? Ja, Menschlichkeit – im Wissen, dass uns Gott in Jesus mit einem menschlichen Herzen geliebt hat?
1. Wir sind menschlich, weil wir verletzbar sind
„Als ich in Österreich ankam, war mein Herz wie eine unempfindliche Festplatte“, erzählt eine Caritas-Mitarbeiterin aus der unmittelbaren Kriegsregion in der Ukraine. Mit einer Gruppe ähnlich Betroffener war sie für eine Auszeit in Österreich. „Mein Herz war hart, voll negativer Erfahrungen, Traumata, Schicksalsschläge und Hass“, so die Frau, „jetzt aber konnte ich wieder durchschlafen und fühle mich wieder wie ein Mensch.“ Heute schauen wir auf das verwundete Herz Gottes. Es zeigt, was Menschen einander antun können – und zugleich ist es Sinnbild dafür, dass Gottes Liebe stärker ist als jede Bosheit. Mit der Vergebung, die Jesus jedem Menschen anbietet, ist Menschlichkeit wieder möglich. Auch nach dem größten Versagen.
Wenn wir das Herz Jesu verehren, dann geloben wir Menschlichkeit. Wir tun dies angesichts der „neuen Härte“, die sich in unserer Gesellschaft ausbreitet. Menschlich macht uns ein weiches, lebendiges, einfühlsames Herz – und nicht der Kult um Überlegenheit und die Gier nach Macht. Ein menschliches Herz haben, meint die Fähigkeit zum geduldigen Hinhören – dass wir verletzlich bleiben, dass uns etwas zu Herzen geht. Das Herz-Jesu-Fest ist ein Korrektiv, eine starke Mahnung in einer Welt, die mehr denn je auf autoritäre Macht und militärische Stärke setzt. Wenn Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika davon spricht, dass wir die KI entwaffnen müssen, dann meint er, dass „die Gleichsetzung von technischer Macht und dem daraus abgeleiteten Recht, zu herrschen“ aufgebrochen werden muss. Wahre Menschlichkeit ist möglich.
2. Wir sind menschlich, weil uns etwas fehlt
Müssen wir alles besitzen, alles noch effizienter gestalten und machen können? Gehört nicht zu unserem Menschsein, dass uns etwas fehlt? Dass wir „Mangelwesen“ sind? Und ist nicht das Herz genau jenes Organ, in dem es einen Freiraum braucht, eine Leerstelle, um gut zu leben? Beeindruckend war das „Dok 1“-Handyexperiment, an dem heuer im März 70.000 Schülerinnen und Schüler aus ganz Österreich freiwillig für 21 Tage auf ihr Smartphone oder zumindest auf Social Media verzichteten. Was haben die jungen Leute erlebt? Zuerst relativ starke Entzugs-erscheinungen und dann eine wohltuende Abnahme psychischer Belastungen – weniger Stress, besseren Schlaf, neue Freude an gemeinsamen Aktivitäten. Das Herz war wieder frei!
Alles besitzen, performen und kontrollieren wollen – das ist der gefährliche Wahn, der uns in die Unmenschlichkeit treibt. Auf die Spitze getrieben mit „Enhanced Games“, einer perversen neuen Sportart, wo unter maximalem Drogeneinfluss Spitzenleistungen erbracht werden sollen. Vermutlich ist es die Spitze eines Eisbergs, zu dem auch der Wunsch gehört, mit KI-Einsätzen und Robotik menschliche Grenzen final zu überwinden. Dagegen halten wir das Wort Jesu: „Kommt alle zu mir, die ihr schwach und beladen seid. Ich werde euch Ruhe verschaffen!“ Eine befreiende Ansage Jesu hinein in unsere Zeit, die an einer krankhaften Nervosität leidet. Wann endlich begreifen wir, dass gerade das Unperfekte und Fehlerhafte unser Menschsein ausmacht? Und dass wir versöhnt mit unseren Grenzen menschlicher leben können?
3. Wir sind menschlich, weil wir einander brauchen
In vielen Tiroler Schulen wurden in diesen Tagen unzählige Freundschaftsbänder geknüpft – ein Versuch, ins Guiness Buch der Rekorde zu kommen. Einer Gruppe von ukrainischen Kindern, die auf Einladung des Landes Tirol im Jungscharhaus Mutters zwei Wochen Erholung erleben, durfte ich einige dieser Bänder heute überreichen. Es sind junge Menschen, die traumatisiert aus den Kriegsgebieten der Ukraine kommen, einige haben bereits im Krieg ihre Väter verloren oder mussten ihre Heimat verlassen. Bräuchten wir nicht viele derartige Freundschaftsbänder, also ehrliche Zeichen der Verbundenheit – weil sich viele in ihre Kommunikationsblasen und ideologischen Blasen zurückziehen, bzw. die Vereinsamung von alten und jungen Menschen bedrohlich zunimmt? Menschlichkeit bedeutet in Beziehung leben – vor allem und trotz allem!
Das Herz schlägt nie für sich allein. Es ist das das Beziehungsorgan Nr. 1. Es gibt Raum frei, um das verunreinigte Blut aufzunehmen. Und es pumpt beständig frisches, mit Sauerstoff angereichertes Blut in den Körper. Das Herz dient dem ganzen Organismus. Gottes Herzschlag pumpt seine Lebens- und Versöhnungskraft in unsere Herzen und in unser Miteinander. Wir brauchen diese Herzensenergie Gottes und (!) wir brauchen einander – im Einsatz für ein Plus an sozialer und ökologischer Gerechtigkeit. Für den Einsatz zugunsten der Vulnerablen in unserer Gesellschaft, besonders am Lebensanfang und Lebensende. Gottes Herzensenergie, um Asylsuchende, die ihre Heimat verlassen mussten, menschlich zu behandeln. Vor kurzem trat das neue Europäische Asylgesetz in Kraft. Geloben wir Menschlichkeit? Wahren wir die Würde der Hilfesuchenden – oder sind sie für uns pauschal nur Nummern oder potentielle Kriminelle?
Abschluss: Mit dem Herz-Jesu-Gelöbnis geloben wir heute Menschlichkeit. Sie fällt nicht vom Himmel, sondern braucht unseren Willen und unsere Tatkraft. Laden wir unsere Energie am göttlichen Herzen auf, damit wir allen lebensfeindlichen Tendenzen widerstehen können und Herzensenergie frei bekommen, die es in unserer Zeit braucht. Das Herz-Jesu-Fest ist das Fest der größten, umfassenden Liebe, ein Fest der Menschlichkeit! Geloben wir sie!