Anlässlich 800 Jahre Franz von Assisi

Franziskuswoche bildet Höhepunkt des Jubiläumsjahres in der Diözese Innsbruck

Pilgern, feiern, begegnen und gedenken: Mit einer Franziskuswoche rund um den 800. Todestag des heiligen Franz von Assisi setzt die Diözese Innsbruck Anfang Oktober einen besonderen Höhepunkt im weltweiten Franziskusjahr 2026. Gottesdienste, Pilgerangebote, interreligiöse Begegnungen, Vorträge und zahlreiche Veranstaltungen franziskanischer Gemeinschaften laden dazu ein, Leben und Botschaft eines Heiligen neu zu entdecken, der bis heute Menschen weit über kirchliche Grenzen hinaus berührt. 

 

Franz von Assisi zählt zu den bekanntesten und beliebtesten Heiligen der Christenheit. Acht Jahrhunderte nach seinem Tod fasziniert seine Lebensgeschichte noch immer Menschen auf der ganzen Welt. Der Sohn eines wohlhabenden Tuchhändlers wuchs in Assisi in gesicherten Verhältnissen auf und führte zunächst ein unbeschwertes Leben. Nach einer tiefen inneren Wandlung entschied er sich jedoch für einen radikal anderen Weg. Er verzichtete auf Besitz und gesellschaftliches Ansehen, stellte sich auf die Seite der Armen und Ausgegrenzten und wollte die Botschaft Jesu möglichst konsequent leben.

Aus seiner Lebensweise entstand eine Bewegung, die bis heute Millionen Menschen inspiriert. Franziskus gründete den Orden der Minderbrüder, die späteren Franziskaner, sowie gemeinsam mit der heiligen Klara die Gemeinschaft der Klarissen. Sein Einsatz für Frieden, Versöhnung und Geschwisterlichkeit machte ihn weit über die Kirche hinaus bekannt. Nicht zuletzt seine Liebe zur Natur und sein berühmter Sonnengesang begründeten seinen Ruf als Patron der Schöpfung. Papst Johannes Paul II. erklärte ihn 1980 offiziell zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie.

Besonders bemerkenswert war auch seine Begegnung mit Sultan al-Kamil während der Kreuzzüge. Statt Feindschaft suchte Franziskus das Gespräch und wurde damit zu einem frühen Vorbild für interreligiösen Dialog und friedliche Verständigung.

 

Weltweites Franziskusjahr – Gedenken auch in Tirol 

Aus Anlass des 800. Todestages hat Papst Leo XIV. das Jahr 2026 als weltweites Franziskusjahr ausgerufen. Es dauert vom 10. Jänner 2026 bis zum 10. Jänner 2027. Höhepunkt ist das Gedenken an den Heimgang des Heiligen am 3. Oktober 2026. Mit dem Jubiläumsjahr ist zudem ein besonderer Franziskusablass verbunden, der unter den üblichen Voraussetzungen auch in Franziskuskirchen und anderen Orten der Franziskusverehrung erlangt werden kann.

Auch in Tirol wird das Jubiläum mit zahlreichen Initiativen begangen. Bereits im Juni fand mit „Pasta per Tutti“ im Innsbrucker Dom eine große Solidaritätsaktion statt. Rund 800 Menschen nahmen an dem Franziskus-Mahl teil und setzten ein sichtbares Zeichen für Zusammenhalt und Nächstenliebe. Der Benefizabend erbrachte einen Reinerlös von 27.000 Euro für die Unterstützung wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen in Tirol.

Weitere Akzente des Jubiläumsjahres waren Pilgerreisen nach Assisi, spirituelle Angebote, Bildungsveranstaltungen und die Eröffnung der neuen Via Laudato si', eines Pilger- und Bildungsweges zwischen Innsbruck und dem Wipptal. All diese Initiativen greifen zentrale Anliegen des heiligen Franziskus auf: die Sorge um die Schöpfung, die Aufmerksamkeit für benachteiligte Menschen sowie die Suche nach Frieden und Geschwisterlichkeit.

 

Den eigentlichen Höhepunkt des Tiroler Franziskusjahres bildet in der Diözese Innsbruck die Franziskustage von 3. bis 5. Oktober:

Franziskuswoche: Pilgern, feiern, begegnen und gedenken 

Unter dem Leitwort „Pilgern. Feiern. Begegnen. Gedenken.“ lädt die Diözese Innsbruck gemeinsam mit Ordensgemeinschaften und zahlreichen Kooperationspartnern zu einem vielfältigen Programm ein. Die Franziskuswoche soll Menschen die Möglichkeit geben, die Botschaft des Heiligen neu zu entdecken und ins eigene Leben zu übersetzen.

In seinem Geleitwort beschreibt Bischof Hermann Glettler Franziskus als einen Menschen, dessen tiefe Sehnsucht nach Frieden und dessen Verbundenheit mit der Schöpfung gerade heute inspirieren können. Seine Einladung richtet sich an alle Menschen, unabhängig von Alter oder religiöser Nähe: Gemeinsam sollen die Spuren des Heiligen neu entdeckt und seine Botschaft für die Gegenwart fruchtbar gemacht werden.

 

Auf den Spuren des Franziskus pilgern 

Den Auftakt bildet am Samstag, 3. Oktober, eine gemeinsame Pilgerwanderung auf der neuen Via Laudato si'. Der Pilger- und Bildungsweg verbindet Innsbruck mit St. Michael im Wipptal und greift zentrale Anliegen des heiligen Franziskus auf: die Verantwortung für die Schöpfung, die Spiritualität des Unterwegsseins und die Wahrnehmung der Natur als Geschenk Gottes. Die Wanderung beginnt beim Haus der Begegnung und wird von Impulsen aus dem Leben des Heiligen begleitet. Den Abschluss bildet ein Gottesdienst mit Bischof Hermann Glettler in St. Michael.

Pilgerwanderung auf der Via Laudato si'
Samstag, 3. Oktober 2026, Beginn 8.45 Uhr, Haus der Begegnung Innsbruck; Abschlussgottesdienst um 17.30 Uhr in St. Michael im Wipptal. 

 

Festgottesdienst im Innsbrucker Dom 

Am Sonntag, 4. Oktober, dem liturgischen Gedenktag des heiligen Franziskus, feiert Bischof Hermann Glettler um 11.30 Uhr ein festliches Pontifikalamt im Dom zu St. Jakob in Innsbruck. Unter dem Leitwort „Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens“ erinnert die Feier an das bleibende Vermächtnis des Heiligen und seine Botschaft für die Gegenwart.

Pontifikalamt zum Franziskustag
Sonntag, 4. Oktober 2026, 11.30 Uhr, Dom zu St. Jakob Innsbruck. 

 

Zeichen für Frieden und Dialog 

Ein besonderes Anliegen des Franziskusjahres ist die Friedensbotschaft des Heiligen. Franziskus suchte bereits vor 800 Jahren den Dialog mit Menschen anderer Kulturen und Religionen. Daran knüpft eine interreligiöse Begegnung bei der Friedensglocke in Telfs an. Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Religionsgemeinschaften setzen gemeinsam ein Zeichen für Verständigung, Frieden und gegenseitigen Respekt.

Interreligiöse Friedensbegegnung
Sonntag, 4. Oktober 2026, 16.00 Uhr, Friedensglocke Telfs. 

 

Franziskus und die Liebe zur Schöpfung 

Weil Franziskus alle Geschöpfe als Teil einer großen Gemeinschaft verstand, wird sein Gedenktag weltweit auch als Tierschutztag begangen. Daher lädt die Citykirche Innsbruck am 4. Oktober zu einer Tiersegnung ein. Menschen und Tiere sind willkommen, um gemeinsam für die Vielfalt der Schöpfung zu danken und den Segen Gottes zu erbitten.

Tiersegnung zum Franziskustag
Sonntag, 4. Oktober 2026, 16.00 Uhr, Citykirche Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 2. 

 

Franziskus, der Sultan und wir 

Den Abschluss der Franziskuswoche bildet ein Vortrags- und Gesprächsabend im Haus der Begegnung. Unter dem Titel „Franziskus, der Sultan und wir – Auf dem Weg zu einem europäischen Islam?“ wird die berühmte Begegnung des Heiligen mit Sultan al-Kamil während der Kreuzzüge in den Blick genommen und nach ihrer Bedeutung für das interreligiöse Zusammenleben heute gefragt.

Vortrag und Podiumsgespräch
Montag, 5. Oktober 2026, 18.00 Uhr, Haus der Begegnung Innsbruck. 

Anlässlich 800 Jahre Franz von Assisi
Foto: Erst vor wenigen Tagen pilgerte die Leitung der Diözese Innsbruck gemeinsam auf der im Sommer eröffneten Via Laudato si'. Bildnachweis: Glettler/dibk
Franziskanische Gemeinschaften gestalten das Jubiläum

Neben den zentralen Veranstaltungen der Franziskuswoche setzen auch die franziskanischen Ordensgemeinschaften in Tirol besondere Akzente. Sie erinnern auf ihre Weise an den Gründer ihrer Gemeinschaften und laden dazu ein, Spiritualität, Friedensbotschaft und Lebensweg des heiligen Franziskus kennenzulernen.

Eine besondere Bedeutung kommt dabei den sogenannten Transitusfeiern zu. Als Transitus bezeichnen Franziskaner das Gedenken an den Heimgang des heiligen Franziskus in der Nacht vom 3. auf den 4. Oktober 1226. In feierlichen Gottesdiensten werden seine letzten Worte, sein Sterben und sein Übergang ins ewige Leben in Erinnerung gerufen. Die Transitusfeier gilt in der franziskanischen Tradition als einer der wichtigsten Gedenkmomente des Jahres.

 

Freitag, 2. Oktober: Vorverlegte Transitusfeier  

Wegen ihrer seelsorgerlichen Arbeit haben die Innsbrucker Kapuziner ihre Feier vorverlegt:

  • Um 18 Uhr beginnt in der Kapuzinerkirche Innsbruck die feierliche Transitusfeier zum Gedenken an den Heimgang des heiligen Franziskus. Musikalische Gestaltung und eine anschließende Agape laden dazu ein, den Gedenktag in Gemeinschaft ausklingen zu lassen.

 

Samstag, 3. Oktober: Transitus und Franziskus für Kinder und Jugendliche 

Bereits am Nachmittag und Abend des 3. Oktober laden mehrere franziskanische Gemeinschaften zu besonderen Veranstaltungen ein:

  • Im Franziskanerkloster Lienz findet von 10 bis 17 Uhr der Osttiroler Minitag unter dem Motto „Stadt der Minis – Auf den Spuren des heiligen Franziskus“ statt. Kinder und Jugendliche sind eingeladen, den Heiligen und seine Botschaft auf kreative und spielerische Weise zu entdecken.
  • Um 18 Uhr beginnt in der Kapuzinerkirche Innsbruck die feierliche Transitusfeier zum Gedenken an den Heimgang des heiligen Franziskus. Musikalische Gestaltung und eine anschließende Agape laden dazu ein, den Gedenktag in Gemeinschaft ausklingen zu lassen.
  • Um 19 Uhr folgt in der Franziskanerkirche Schwaz eine weitere Transitusfeier, bei der die Gläubigen gemeinsam auf das Lebenszeugnis des heiligen Franziskus blicken.

 

Sonntag, 4. Oktober: Hochfest des heiligen Franziskus 

Am eigentlichen Franziskustag wird das Patrozinium der Franziskuskirchen gefeiert.

  • In der Franziskanerkirche Schwaz wird um 9 Uhr das Hochfest des heiligen Franziskus begangen.
  • Weitere Feiern und Gottesdienste finden in franziskanischen Einrichtungen und Gemeinschaften statt. Aus Hall wurden Veranstaltungen im schulischen Umfeld angekündigt. Auch in Telfs und anderen Niederlassungen wird des Heiligen in besonderer Weise gedacht.

 

Einladung, Franziskus neu zu entdecken 

Das Franziskuswochenende möchte nicht nur an eine bedeutende Gestalt der Kirchengeschichte erinnern. Sie versteht sich vielmehr als Einladung, die bleibende Aktualität seiner Botschaft zu entdecken. Franz von Assisi steht für Frieden statt Gewalt, für Geschwisterlichkeit statt Ausgrenzung, für Einfachheit statt Besitzdenken und für einen respektvollen Umgang mit der Schöpfung. Seine Botschaft berührt auch 800 Jahre nach seinem Tod Menschen unterschiedlichster Herkunft und Weltanschauung.

Die Diözese Innsbruck lädt daher alle Interessierten herzlich ein, die vielfältigen Veranstaltungen der Franziskustage mitzufeiern und einem Heiligen zu begegnen, dessen Botschaft aktueller denn je erscheint.

Franziskanische Gemeinschaften gestalten das Jubiläum

Foto: dassel/Pixabay