Woche für das Leben: Der Mensch ist mehr als Leistung

Zwischen digitalem Wandel, psychischer Belastung und bioethischen Fragen rückt die Woche für das Leben die unverlierbare Würde jedes Menschen in den Mittelpunkt.

In einer Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche, digitaler Beschleunigung und wachsender psychischer Belastungen lädt die Diözese Innsbruck zur „Woche für das Leben“ ein. Rund um den Tag des Lebens am 1. Juni rücken Veranstaltungen, Gottesdienste und Diskussionen jene Fragen in den Mittelpunkt, die das Menschsein grundlegend prägen: Beziehung, Würde, Lebensfreude und gegenseitige Verantwortung.

 

Ob Menschen mit Behinderung, Jugendliche im digitalen Alltag, psychisch belastete Menschen oder Personen in existenziellen Lebenssituationen – sie alle machen deutlich, worauf es letztlich ankommt: Wir dürfen das Leben nicht nach seiner Nützlichkeit bewerten, sondern es gemeinsam gestalten – und feiern!

 

Bischof Hermann Glettler verweist dabei auch auf die Enzyklika Magnifica Humanitas von Papst Leo XIV. Darin werde die unverlierbare Würde jedes Menschen als Grundlage der Menschenrechte und des gesellschaftlichen Zusammenhalts hervorgehoben. „Der Mensch ist mehr als Leistung, Funktion oder Selbstbestimmung. Seine Würde ist unverfügbar – vom Anfang bis zum Ende des Lebens“, so Papst Leo XIV. in seinem ersten großen Lehrschreiben.

 

Auftakt mit „Fest der Lebensfreude“ am 31. Mai 

Ein bewusstes und sichtbares Zeichen setzt auch heuer wieder der Eröffnungsgottesdienst, zu dem besonders Menschen mit Behinderung und deren Angehörige eingeladen werden: Sonntag, 31. Mai 2026, um 10 Uhr im Dom zu St. Jakob. Bischof Hermann Glettler wird diesem Gottesdienst, der mit seiner ehrlichen, explosiven Lebensfreude schon Tradition hat, wieder vorstehen wird. Das „Fest der Lebensfreude“ steht allen Menschen offen, wird in Gebärdensprache übersetzt und musikalisch von der inklusiven „Powerband Tirol“ gestaltet.

 

„Gerade Menschen mit Behinderung machen sichtbar, worauf unser Menschsein gründet: auf Beziehung, auf gegenseitige Sorge und darauf, angenommen zu sein“, betont Glettler.

 

Orientierung und seelische Balance im digitalen Raum: Ethikforum 

Ein weiterer Schwerpunkt der Woche widmet sich den Auswirkungen von Social Media und Künstlicher Intelligenz auf junge Menschen. Beim Ethikforum „Wie geht’s der Seele in Social Media?“ diskutieren am 2. Juni 2026 im Haus der Begegnung Expertinnen und Experten über Chancen, Risiken und die Frage, wie echte Begegnung und innerer Halt in digitalen Lebenswelten gelingen können.

 

„Wenn digitale Räume unser Denken, unsere Beziehungen und unser Selbstbild prägen, dann geht es nicht nur um Technik – sondern um die Seele des Menschen“, erklärt Glettler mit Bezug auf die Enzyklika von Papst Leo XIV., in der es um eine Grundentscheidung gehen wird, wie wir mit dem allgegenwärtigen Phänomen der Künstlichen Intelligenz umgehen wollen: „Das päpstliche Schreiben erinnert daran, dass Beziehung, Verletzlichkeit und gegenseitige Unterstützung zum Kern menschlichen Lebens gehören.“ Die KI müsse entwaffnet werden, um das Menschliche zu stärken.

 

Leben stärken – in allen Phasen 

Die „Woche für das Leben“ greift bewusst auch aktuelle gesellschaftliche und bioethische Fragen auf – vom Umgang mit Schwangerschaftskonflikten bis hin zur Sterbebegleitung. Vor dem Hintergrund der jüngsten Diskussion um Schwangerschaftsabbrüche an den „tirol kliniken“ verweist Bischof Glettler auf die Verantwortung einer Gesellschaft, Leben besonders dort zu schützen, wo es verletzlich ist.

 

„Frauen in Konfliktsituationen brauchen unsere volle Unterstützung, Beratung und konkrete Perspektiven. Gleichzeitig darf das Recht auf Selbstbestimmung nicht gegen das grundlegende Recht auf Leben ausgespielt werden“, betont der Innsbrucker Bischof. Schwangerschaft sei keine Krankheit und ein Abbruch keine Therapie. Eine humane Gesellschaft zeige sich daran, ob Menschen auch in belastenden Situationen getragen werden und ob echte Hilfe ermöglicht werde.

 

„Menschenwürde beginnt nicht dort, wo Leben stark, gesund oder erwünscht ist“, so Glettler abschließend. „Sie ist jedem Menschen zugesprochen. Darum braucht es Räume der Solidarität, der Begleitung und der Hoffnung – besonders für Menschen in schwierigen Lebenssituationen.“

  

Weitere Informationen unter: https://www.dibk.at/Themen/Lebensschutz/Woche-fuer-das-Leben 

Woche für das Leben: Der Mensch ist mehr als Leistung
Fest der Lebensfreude - Foto: Sigl/dibk