Rattenberg bringt Volksheilige Notburga auf die Bühne
Die Tiroler Volksheilige Notburga hat bei den Schlossbergspielen Rattenberg wieder ihre Heimat gefunden. Die Uraufführung von Barbara Aschenwald unter der Regie von Markus Völlenklee erzählt die Geschichte der einfachen Frau aus dem Tiroler Unterland, die als Patronin der Dienstmägde und des Feierabends verehrt wird. Gezeigt werde ein "ergreifendes Theater, keine verstaubte Heiligen-Legende, keine frömmelnde Unterhaltung", erklärte Bischof Hermann Glettler nach der Premiere am Mittwoch auf seinem Instagram-Kanal.
Glettler fand begeisterte Worte für das neue Freilichtstück über die einzige weibliche Volksheilige des Landes. Die Autorin Barbara Aschenwald gebe der auf historischen Fakten und überlieferten Wundersagen basierenden Notburga-Erzählung "dramaturgisch einen doppelten Boden" und bilde die "Brücke in die Gegenwart, in Verwundungen unserer Welt". Glettler regte an, vom Leben der Notburga zu lernen.
Vorbild für Zivilcourage und Sonntagsruhe
"Notburga zeigt Zivilcourage, als der Bauer anschafft, auch noch nach dem Angelus-Läuten weiterzuarbeiten", schrieb Glettler in seinem Posting über die Heilige, die der Legende nach die Arbeit nach dem abendlichen Gebetsläuten verweigerte. "Sie widersetzt sich, betet und hängt dabei die Sichel an den letzten Sonnenstrahl, an dem sie hängen bleibt - als Zeichen, dass der Feierabend heilig ist", so Glettler.
Der Bischof, der sich als zentraler Fürsprecher der Allianz für den freien Sonntag vehement für den Erhalt des arbeitsfreien Sonntags einsetzt, hat in der Vergangenheit immer wieder vor einer Liberalisierung der Sonntagsöffnungszeiten gewarnt. Die Sorge um den Sonntag sei ein Thema, "an dem sich die Zukunft unserer hochnervösen Gesellschaft mitentscheidet", sagte Glettler etwa bei der Festveranstaltung zum Jubiläum "25 Jahre Allianz für den freien Sonntag" im Mai. Ohne den Sonntag "als verlässliche Auszeit innerhalb eines immer mehr auf Optimierung getrimmten Lebens werden wir den Sinn unseres Menschseins verfehlen", mahnte der Bischof.
Historischer Hintergrund
Der historische Hintergrund der Heiligen reicht weit zurück: Notburga wurde um das Jahr 1265 als Tochter einfacher Hutmacherleute in Rattenberg am Inn geboren. Im Alter von etwa 18 Jahren trat sie als Küchenmagd in den Dienst auf Schloss Rottenburg bei Rotholz. Dort versorgte sie eigenmächtig die Armen und Kranken mit den Speiseresten der herrschaftlichen Tafel. Als das Nachfolger-Grafenpaar ihr diese gelebte Nächstenliebe streng verbot und sie der Burg verwies, fastete Notburga selbst, um ihre eigenen Rationen noch mit den Bedürftigen teilen zu können.
Später wechselte sie als Bauernmagd zum Spießenbauern nach Eben am Achensee. Hier ereignete sich laut Überlieferung das berühmte "Sichelwunder": Als ihr Dienstherr verlangte, auch nach dem abendlichen Gebetsläuten am Samstag auf dem Feld weiterzuarbeiten, warf sie ihre Sichel in den Himmel, wo diese an einem Sonnenstrahl schwebend hängen blieb. Bis heute gilt die im Jahr 1862 von Papst Pius IX. offiziell bestätigte Heilige wegen dieses unerschrockenen Einsatzes für die Sonntagsruhe als Patronin des Feierabends, der Landwirtschaft und der Dienstboten.
Die Produktion "Notburga" der Schlossbergspiele Rattenberg wird noch bis zum 7. August 2026 auf der Freilichtbühne über der historischen Altstadt gezeigt. (Info: https://www.schlossbergspiele-rattenberg.at/programm)
Eine MEldung von www.kathpress.at