Neue Tafel in Mariä Heimsuchung in Judenstein klärt auf
Mit einer neuen Informationstafel in der Kirche Mariä Heimsuchung in Judenstein setzen die Diözese Innsbruck und das Stift Wilten einen weiteren Schritt zur historischen Aufarbeitung der Legende um das „Anderl von Rinn“. Vorgestellt wurde die Tafel beim Patrozinium Mariä Heimsuchung von Bischof Hermann Glettler und Abt Leopold Baumberger.
Die Schautafel im Eingangsbereich der Kirche informiert über die Entstehung und Verbreitung der sogenannten Ritualmordlegende sowie deren historische und theologische Einordnung aus heutiger Sicht. Sie macht deutlich, dass die Erzählung von einer rituellen Ermordung eines Kindes durch jüdische Kaufleute historisch unbegründet ist und zu jenen antisemitischen Vorurteilen zählt, die über Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Christen und Juden belastet haben.
Zugleich dokumentiert die Tafel den langen Prozess der kirchlichen Aufarbeitung – von frühen kritischen Stimmen über Entscheidungen von Bischof Paulus Rusch, Papst Johannes XXIII. und Bischof Reinhold Stecher bis zur endgültigen Beendigung des Kultes im Jahr 1994. Die Kirche weist Ritualmordlegenden heute ausdrücklich zurück und erkennt sie als Teil eines belastenden antisemitischen Erbes an.
Bischof Hermann Glettler betonte bei der Vorstellung, dass die Wahrnehmung einer langen Schuldgeschichte und deren Aufarbeitung ein fortdauernder Prozess seien. Mit der neuen Schautafel sei ein weiterer wichtiger Schritt der Aufklärung gelungen. Vom historisch belasteten Ort könne künftig ein Impuls für mehr Toleranz und Menschlichkeit ausgehen.
Die Informationstafel wurde gemeinsam von Stift Wilten, Diözese Innsbruck und Pfarre Rinn unter Einbindung von Historikern und weiteren Fachleuten erarbeitet. Sie ist modular aufgebaut und kann bei neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen ergänzt oder angepasst werden. Die bisher in der Kirche angebrachten Tafeln bleiben erhalten und dokumentieren die Entwicklung der kirchlichen Auseinandersetzung mit diesem Kapitel der Orts- und Kirchengeschichte.