Mut zum Glauben in dunklen Zeiten

Innsbrucker Priestergemeinschaft erinnert an Josef Steinkelderer

Die Priestergemeinschaft Foedus Sacerdotale Oenipontanum hat bei ihrem Jahrestreffen in Innsbruck an das beeindruckende Lebenszeugnis von Josef Steinkelderer erinnert. Sein Einsatz für Glaube und Gewissen in der NS-Zeit wirkt bis heute nach.

 

Mitglieder des Foedus Sacerdotale Oenipontanum, das auf das Jahr 1533 zurückgeht und in Brixen gegründet wurde, trafen sich am 28. Mai 2026 im Priesterseminar Innsbruck zu ihrem Jahrestreffen. Die Gemeinschaft pflegt bis heute die priesterliche Brüderlichkeit, das gemeinsame Gebet und die geistliche Verbundenheit ihrer Mitglieder. Den Auftakt bildete eine Heilige Messe mit Diözesanbischof Hermann Glettler, bei der besonders der verstorbenen Mitglieder gedacht wurde. Anschließend kamen die Teilnehmer zu einem mitbrüderlichen Austausch zusammen.

 

Unterschiedliche Wege in der NS-Zeit 

Einen inhaltlichen Schwerpunkt setzte ein Vortrag von Pfarrer Johannes Laichner, Direktor des Foedus. Anhand der Lebenswege von Franz Prem (1900–1973) und Josef Steinkelderer (1904–1972) zeigte er unterschiedliche Reaktionen von Priestern auf die Herausforderungen der NS-Zeit auf. Während Prem den Ausgleich mit dem Regime suchte und daran scheiterte, blieb Steinkelderer seinem Glauben und seinem Gewissen treu – und bezahlte dafür mit jahrelanger Haft in Konzentrationslagern.

 

Im Zentrum stand das Lebenszeugnis Steinkelderers, der seit 1939 Mitglied des Foedus war. Nach dem „Anschluss“ Österreichs verlor er aufgrund seiner kirchlichen Haltung seine Stelle als Religionslehrer und wurde als Pfarrprovisor nach Karres versetzt. Sein öffentliches Eintreten für die Kirche, etwa beim Herz-Jesu-Fest 1938, brachte ihn zunehmend ins Visier des NS-Regimes. Im Zusammenhang mit den Ereignissen um die gefällte „Hitler-Eiche“ wurde er mehrfach verhaftet, misshandelt und schließlich in die Konzentrationslager Sachsenhausen und Dachau deportiert. Trotz dieser schweren Prüfungen blieb er seinem Glauben treu.

 

Zeugnis für Versöhnung und Nächstenliebe 

Auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs prägte sein christliches Zeugnis sein Handeln. Steinkelderer stellte sein Leben in den Dienst der Menschen und engagierte sich als Direktor der Caritas in Tirol für den Wiederaufbau und die Linderung der Not. Sein Leben steht damit für eine Haltung, die über den Widerstand hinausweist: für Versöhnung, Nächstenliebe und Vertrauen auf Gott.

 

Das Treffen des Foedus wurde so nicht nur zu einer Erinnerung an ein bedeutendes Kapitel der Tiroler Kirchengeschichte. Das Beispiel Josef Steinkelderers macht deutlich, wie aktuell die Fragen nach Gewissen, Glauben und Verantwortung bleiben. Sein Zeugnis ermutigt, auch heute aus dem Glauben heraus Haltung zu zeigen und Verantwortung für Mitmenschen zu übernehmen.

Mut zum Glauben in dunklen Zeiten
Josef Steinkelderer als Student im Priesterseminar - Foto: Diözesanarchiv