Großeltern: Die unterschätzten Helden der Familie

Sie entlasten Familien, schenken Zeit, schaffen unvergessliche Erinnerungen – und profitieren selbst davon. Zum Weltgroßelterntag am 26. Juli macht der Katholische Familienverband auf die bedeutende Rolle von Großeltern aufmerksam.

Großmutter zu sein ist eine völlig neue und sehr bereichernde Erfahrung“, sagt Barbara Fruhwürth. Die dreifache Mutter ist Vizepräsidentin des Katholischen Familienverbandes und seit kurzem Omama, eine Erfahrung die sie nicht mehr missen möchte: „Es ist wunderschön für sein Enkelkind da zu sein und auch die eigenen Kinder in ihrer Rolle als Eltern zu sehen“, so Fruhwürth.

 

Dabei wandelt sich gerade das Image und die Lebensrealität von Großeltern massiv: Vom passiven Ruhestand hin zu einem selbstbestimmten Lebensabschnitt, in dem viele noch ihrer Erwerbsarbeit nachgehen, ein Ehrenamt bekleiden, sich selbst verwirklichen oder sehr aktiv mit ihren Enkelkindern sind.

Dass Großeltern längst nicht zum alten Eisen gehören, zeigen auch viele Promis: Michelle Hunziker, Nena oder Meryl Streep sind prominente Beispiele; selbst Rapper Snoop Dog ist mittlerweile stolzer Opa.

In Österreich ist die Kinderbetreuung durch die Großeltern immer noch eine der wichtigsten Säulen, von der alle Beteiligten profitieren. Gerade die langen Sommerferien wären oft nicht ohne die Hilfe von Angehörigen zu schaffen. Aktuelle Daten, wie viel Ferienbetreuung von den Großeltern übernommen wird, gibt es nicht. Aber die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sollte nicht von der Familiensituation abhängen.

 

Es lohnt sich aber, auf das Potenzial dieser wertvollen Beziehung zu blicken: Denn von einer intensiven Beziehung profitieren nicht nur Kinder und Eltern, sondern vor allem auch die Großeltern.

Studien zeigen, dass Enkelkinder ihre Großeltern fit halten: Eine Langzeitstudie der Universität Tilburg (Niederlande) mit 2.887 Großeltern zeigt, dass die regelmäßige Betreuung von Enkelkindern mit einer besseren Gedächtnisleistung und stärkeren sprachlichen Fähigkeiten verbunden ist. Besonders Großmütter, die sich um ihre Enkel kümmerten, zeigten über den sechsjährigen Beobachtungszeitraum einen geringeren kognitiven Abbau als Gleichaltrige ohne Betreuungsaufgaben. Überraschend: Nicht die Häufigkeit der Treffen oder Art der Betreuung war entscheidend; es scheint schon die aktive Rolle als Großeltern mit positiven Effekten auf die geistige Fitness zusammenzuhängen.

 

„Wir sehen diesen Effekt auch bei unserem Omadienst. Viele unserer Leihomas sagen, dass die Zeit mit ihren Leihenkerln wie ein Jungbrunnen wirkt“, so Vizepräsidentin Fruhwürth. Sie möchte den Weltgroßelterntag nutzen, um allen Großeltern und Leihgroßeltern ein großes Dankeschön auszurichten: „Ich denke, die meisten Familien profitieren enorm von deren Einsatz – als Entlastung aber auch als zusätzliche Bezugsperson. Danke dafür“, so die Vizepräsidentin, die sich von der Politik mehr Augenmerk auf die Großeltern wünscht: „Auf der einen Seite beklagen wir die Einsamkeit im Alter, auf der anderen Seite verzichten wir als Gesellschaft aber bewusst auf diese Ressource, um die Kinderbetreuung komplett auf die institutionelle Ebene auszulagern“, sieht sie einen Widerspruch und wünscht sich mehr Wahlfreiheit für Familien. „Die Großelternkarenz wäre ein erster großartiger Schritt“, ist sie überzeugt.

Großeltern: Die unterschätzten Helden der Familie
Foto: RonPorter/Pixabay