Fronleichnam: Jesus real, "kein Avatar"

Bischof Hermann Glettler: Jesus "kein künstlicher Avatar, der KI-generiert Echtheit vorgibt"

Jesus ist Sinnstifter im Zeitalter von KI: So lautete die zentrale Botschaft von Österreichs Bischöfen zu Fronleichnam, kurz nach Erscheinen der Papst-Enzyklika "Magnifica humanitas. Über den Schutz des Menschen im Zeitalter der künstlichen Intelligenz" von Papst Leo XIV. 

 

 

"Jesus ist leibhaftig und real gegenwärtig, keine Täuschung, kein künstlicher Avatar, der KI-generiert Echtheit vorgibt", betonte Bischof Hermann Glettler in seiner Predigt im Innsbrucker Dom. Der gegenwärtige Jesus helfe dabei, "menschlich zu werden und zu bleiben, weil er ein inneres Ankommen ermöglicht". Ein solches könne "aus der gefährlichen Zerstreuung, in der wir uns in einer hoch digitalisierten Welt befinden, ins Jetzt führen". Auf Jesus zu schauen, mit ihm zu kommunizieren und ihn aufzunehmen - all das helfe dabei, sich innerlich zu sammeln und "aus dem Strudel des Zuviels und der Social-Media-Verführung auszusteigen, zur Mitte zu kommen".

 

"Menschlicher werden wir nicht durch eine permanente Selbstoptimierung", fuhr Glettler fort. Entscheidend und befreiend sei un "Ja zum Leben mit seiner Schönheit und Zerbrechlichkeit". In einer "Zeit der globalen Vergötzung von Geld und der Aufblähung von Macht und politischem Einfluss" sei die Eucharistie ein "heilsames Gegen-Zeichen, ein Symbol des Gewaltverzichts - im Großen und im Kleinen ein Signal gegen die Verrohung und Verhärtung von Herz und Verstand." Jesus habe mit der Gabe der Eucharistie seinen Frieden hinterlassen. Er verbinde, gebe Zuversicht, und stärke bei den vielen Aufgaben, "denen wir uns in einer hochnervösen Zeit zu stellen haben", erklärte Glettler die Fronleichnamsprozession auch zur "echten Jesus-Demo, Friedens-Demo, Demo der sozialen Zusammengehörigkeit und Demo der Menschlichkeit."

 

Eine Meldung von www.kathpress.at 

Fronleichnam: Jesus real, "kein Avatar"
Foto: Cincelli/dibk

Das Jesus-Brot macht uns menschlicher

Predigt von Bischof Hermann Glettler zu Fronleichnam 2026, Innsbruck, Landesprozession

Einleitung: Die Osttirolerin Rosemarie Lukasser hat eine Monstranz geschnitzt und vergoldet, die in der Mitte nicht ein rundes Glas für die Hostie hat, sondern eine Ausnehmung, die genau der Form eines Smartphones entspricht. Mit dieser „Monstranz“ hat sie eine Prozession in Hallstatt und hier bei uns vor dem Goldenen Dachl durchgeführt. Man kann sich die peinliche Berührung vorstellen, weil wir ja tatsächlich mit der Handy-Monstranz unsere Welt wahrnehmen – das kleine Gerät, Kommunikationstool und Stressfaktor Nummer Eins. Heute haben wir die richtige Monstranz in Verwendung – in deren Mitte sichtbar das „lebendige Brot“, von dem im Evangelium die Rede war. Was passiert, wenn wir diese Mitte bewusst als Orientierung wählen? 

 

1. Die überraschende, beruhigende Mitte  

Jesus war an vielen Orten gegenwärtig, überraschend auch dort, wo man ihn niemals erwartet hätte – in den Grenzregionen von Tyrus und Sidon, inmitten der einfachen Bevölkerung und bei den Zöllnern und Sündern – auch in den Momenten von Ohnmacht wie beim Sturm auf dem See oder in der abgründigen Traurigkeit seiner Jünger. Aber vor allem fasziniert seine Art des verlässlichen Daseins – wir erleben es auch heute: tröstend, beruhigend, entlastend – wenn auch anspruchsvoll und herausfordernd. Genau so wirkt das Eucharistische Brot. 

 

2. Jesus leibhaftig anwesend, kein Avatar  

Jesus ist leibhaftig und real gegenwärtig, keine Täuschung, kein künstlicher Avatar, der KI generiert Echtheit vorgibt. Der gegenwärtige Jesus hilft uns, menschlich zu werden und zu bleiben, weil er ein inneres Ankommen ermöglicht. Es führt aus der gefährlichen Zerstreuung, in der wir uns in einer hoch digitalisierten Welt befinden, ins Jetzt. Auf Jesus zu schauen, mit ihm zu kommunizieren und ihn aufzunehmen – all das hilft, sich innerlich zu sammeln, aus dem Strudel des Zuviel und der Social-Media-Verführung auszusteigen, zur Mitte zu kommen.  

 

3. Das Jesus-Brot klein und verletzlich  

Menschlicher werden wir nicht durch eine permanente Selbstoptimierung. Entscheidend ist das Ja zum Leben mit seiner Schönheit und (!) Zerbrechlichkeit– das ist befreiend. Beides sehen wir im Jesus-Brot. In einer Zeit der globalen Vergötzung von Geld und der Aufblähung von Macht und politischem Einfluss ist die Eucharistie ein heilsames Gegen-Zeichen, ein Symbol des Gewaltverzichts – im Großen und im Kleinen ein Signal gegen die Verrohung und Verhärtung von Herz und Verstand. Jesus hat uns mit der Gabe der Eucharistie seinen Frieden hinterlassen. 

 

4. Das Brot vom Himmel macht uns menschlicher  

Jesus ähnlicher werden – so wie er auf weltliche Macht verzichtet hat – das macht uns menschlicher. Nicht der Wunsch nach Überlegenheit und Perfektion. Schon als Kind war ich fasziniert, dass das Wichtigste in der Heiligen Messe dieses kleine, bescheidene Brot ist. Aber gerade darin überrascht uns die Person des Jesus von Nazareth, wie damals vor 2000 Jahren – sein starkes und zugleich zärtliches Dasein, sein Zuspruch von Frieden und Vergebung. Dieser Jesus ist im Himmelsbrot bleibend unter uns – nährt uns, macht uns menschlicher.  

 

5. Das lebendige Brot stiftet Einheit  

Was wir heute vor Augen haben – und demonstrativ im Öffentlichen Raum zeigen, ist das eine Brot, die himmlische „Kommunion“. Es ist das gewandelte, „lebendige Brot“, das Gemeinschaft stiftet, Symbol von Einheit und Zusammengehörigkeit. Wie sehr brauchen wir dieses Brot in einer Zeit der unzähligen Polarisierungen, wo viele den Bau von Festungen propagieren, um Identität zu sichern. Ja, wir brauchen dieses kostbare Stück vom Himmel, Jesus, den Lebendigen, um uns nicht ängstlich voneinander abzuschotten. Hass trennt, Liebe eint.  

 

6. Das Sakrament macht uns beziehungsfähig  

Jesus hat durch sein Leben, durch seine Botschaft – vor allem aber durch seinen Tod und seine Auferstehung uns von Neuem beziehungsfähig gemacht. Er hat die ursprünglichste Beziehung zu Gott, die uns ins Herz geschrieben ist, erneuert. Und er hat Beziehung unter uns gestiftet, uns weltweit zu Geschwistern gemacht – durch die Gabe seines eigenen Lebens. All das ist gegenwärtig im hochheiligen Sakrament des Altares. Es hat die Kraft uns zu wandeln, uns aufmerksamer, geduldiger und mutiger zu machen. Beziehungsfähig und damit menschlich! 

 

Abschluss: Liebe Schwestern und Brüder, was wir heute empfangen und demonstrativ durch die Straßen tragen – ist Jesus selbst. Er verbindet uns, gibt uns Zuversicht, stärkt uns für die vielen Aufgaben, denen wir uns in einer hochnervösen Zeit zu stellen haben. Das Fest Fronleichnam – unterwegs mit dem Leib des Herrn – ist in diesem Sinn eine echte Jesus-Demo, ein Friedens-Demo, eine Demo der sozialen Zusammengehörigkeit und eine Demo der Menschlichkeit. Wir schauen auf – nicht zu einem Smartphone – sondern zu dem, in dem das wahre Leben zu finden ist.