Festtag im Zeichen von Ursprung, Auftrag und Zukunft
Am 23. April 1826 erfolgte in Zams ein zukunftsweisender Schritt: Mit der feierlichen Übernahme des ehemaligen Krankenhauses, das zugleich Mutterhaus war, sowie der symbolischen Schlüsselübergabe an die erste Ordensschwester und Generaloberin Sr. Josefa Nikolina Lins wurde die Gemeinschaft der Barmherzigen Schwestern von Zams offiziell begründet. Seitdem steht der Orden für gelebte Barmherzigkeit, gesellschaftliche Verantwortung und professionelles Engagement für Menschen. Was einst als mutige Antwort auf konkrete Not begann, hat sich zu einem weit verzweigten Werk entwickelt, das im Gesundheits-, Sozial- und Bildungswesen bis heute maßgeblich verankert ist. Mit einem Gottesdienst, einem Festakt, der Präsentation einer Festschrift sowie einer Ausstellung wurde die ereignisreiche Ordensgeschichte und ihre prägenden Persönlichkeiten hervorgehoben – als würdiger Rückblick auf eine beeindruckende Entwicklung und zugleich als klares Bekenntnis zum Auftrag der Zukunft.
Gottesdienst zum Auftakt
Den Auftakt bildete ein Gottesdienst für geladene Gäste, zelebriert von Diözesanbischof Hermann Glettler. Bischof Glettler verwies in seinen Worten auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen: „Die neuen Gesichter von Armut, sozialer Ausgrenzung und Orientierungslosigkeit sind ein deutlicher Auftrag, auch heute den besonders Vulnerablen beizustehen und den jungen Menschen ein Grundmaß an Zuversicht für ihre Zukunft mitzugeben. Im bewährten Netzwerk von sozialen, pädagogischen und spirituellen Einrichtungen der Barmherzigen Schwestern von Zams, das bis nach Südtirol und Peru reicht, möge dies auch weiterhin geschehen.“
Ein Blick zurück
Beim anschließenden Festakt begrüßte Generaloberin Sr. MMag.a Dr.in Barbara Flad die zahlreichen Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft. Darunter Landeshauptmann Anton Mattle und Ivo Muser, Bischof von Bozen-Brixen, sowie Vertreter*innen aus den vielfältigen Einrichtungen des breit aufgestellten Unternehmens der Kongregation. Sowohl die musikalische Gestaltung durch das Kaufmann Quartett wie auch die inhaltliche Tiefe betonten die große Bedeutung des Jubiläums. In ihrer Ansprache richtete die Generaloberin den Blick auf die Anfänge des Ordens. Ausgehend von den ersten Schritten im fürsorglichen Dienst an Kranken und Bedürftigen entwickelte sich über zwei Jahrhunderte hinweg ein tragfähiges Netzwerk in den Bereichen Gesundheit, Soziales und Bildung. „Wenn wir zurückblicken und die Werke sehen, die über die Jahre entstanden sind, wirkt manches davon vielleicht sehr groß und mächtig. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass all dies nur durch den beherzten Einsatz einzelner Menschen möglich war – durch ihre Bereitschaft, mit anderen für andere da zu sein. Diese Feier steht im Zeichen unserer Freude und Dankbarkeit für alles, was daraus gewachsen ist“, so Sr. Barbara Flad. Heute tragen rund 1.900 Mitarbeiter*innen das von den Schwestern geschaffene Werk. Sie führen mit dem Orden den Gründungsauftrag zeitgemäß weiter und tragen dazu bei, dass die ursprüngliche Idee gelebter Barmherzigkeit auch unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen wirksam bleibt.
Bedeutendes Wirken gewürdigt
Die Festrede hielt der ehemalige Caritas-Direktor Georg Schärmer. Er würdigte den nachhaltigen Beitrag des Ordens im Sozial- und Gesundheitsbereich. „Barmherzigkeit ist keine Gefühlsanwandlung, sondern mutiges, beharrliches und radikales Handeln auf der Höhe der Zeit und auf der Höhe des Evangeliums. Die Barmherzigen Schwestern in Zams tun dies unermüdlich und widerstandsfähig. Wann immer das Gesundheitswesen in Tirol ‚krankte‘, hatten die Barmherzigen Schwestern eine kompetente und realisierte Antwort darauf“, betonte Georg Schärmer.
Grußworte mit erfreulicher Botschaft
Besonders wertschätzende und persönliche Grußworte kamen von Landeshauptmann Anton Mattle. Neben Glückwünschen krönte er den feierlichen Anlass mit einer ebenso wichtigen wie positiven Nachricht. Der Landeshauptmann überbrachte zur großen Freude der Verantwortlichen die Finanzierungszusage für die dringend notwendige Generalsanierung des denkmalgeschützten Rundbaus (Haus I) des Krankenhauses.
Die Festschrift – bleibendes Nachschlagwerk
Ein besonderer Höhepunkt war die Präsentation der eigens zum Jubiläum erschienenen Festschrift. Das rund 220 Seiten umfassende Buch ist mehr als eine historische Dokumentation: Es versteht sich als fundierte Gesamtschau von Herkunft, Spiritualität und Entwicklung der Gemeinschaft. Besonders eindrucksvoll sind dabei die Verflechtungen von Ordens- und Krankenhausgeschichte, die auf einen Ursprung zurückgehen. Die Festschrift führt diese parallelen Linien zusammen und veranschaulicht, wie sich das Wirken der Barmherzigen Schwestern und die Entstehung sowie der Ausbau des Krankenhauses über zwei Jahrhunderte hinweg wechselseitig geprägt und vorangetrieben haben.
Die Publikation verbindet historische Ereignisse, biografische Zugänge und markante Meilensteine zu einem vielschichtigen Gesamtbild. Sie macht die geistlichen Wurzeln ebenso sichtbar wie den institutionellen Aufbau und zeigt, wie sich der ursprüngliche Auftrag – von Zams ausgehend – über Generationen hinweg entfaltet und tief in der Gesellschaft verankert hat.Damit liegt ein Werk vor, das über das Jubiläumsjahr hinaus Bestand haben wird – als Ausdruck gelebter Geschichte, als Dokument gewachsener Identität und als wertvoller Impuls für die Zukunft.
Rückblick auf Charisma und Prägung der Gemeinschaft
Im Anschluss eröffnete Generaloberin Sr. Barbara Flad die Jubiläumsausstellung im Foyer der Katharina Lins Schulen. Exemplarisch wurden zwölf Schwestern „vor den Vorhang“ geholt. In persönlich gestalteten Koffern sind biografische Dokumente, Fotografien und Erinnerungsstücke präsentiert, die auf das Charisma und die Stärke einer Auswahl prägender Ordensfrauen verweisen. Die Ausstellung, mit viel Kreativität und Detailwissen von Sr. Maria Gerlinde Kätzler gestaltet, macht sichtbar, dass sich die Geschichte der Kongregation in den Lebenswegen einzelner Schwestern verdichtet – und dass jede von ihnen auf ihre Weise zum Miteinander, zum Fortbestehen und zur Weiterentwicklung des Auftrags beigetragen hat. Ein gemeinsamer Gang mit den Festgästen zum Friedhof des Mutterhauses bildete einen stillen und berührenden Moment. In einem Gebet wurde das Vermächtnis der mehr als 3.000 verstorbenen Schwestern in Worte gefasst: „Wir sind Gemeinschaft – wir, die Lebenden und die uns Vorangegangenen. Ihr Leben sei uns Vorbild.“ Dieses Innehalten unterstrich die tiefe Verbundenheit und machte die gewachsene Kraft aus der gemeinsamen Geschichte spürbar.
Den Abschluss bildete ein gemeinsames Festessen im Mutterhaus. Mit dem eigens von Koch Lois Menghin kreierten Jubiläumsmenü boten die Barmherzigen Schwestern als Gastgeberinnen und Jubilarinnen den Gästen einen schönen Rahmen für Begegnung, Austausch und persönliche Gespräche.
Geschichte weiterschreiben
Das Jubiläum steht nicht nur für die Historie, sondern für die bleibende Kraft, die von den Barmherzigen Schwestern von Zams ausgeht und die heute von vielen Menschen weitergetragen wird. In der Umsetzung der Werte, des Leitbildes, gewachsen aus ihrem Wirken, das den Menschen ins Zentrum stellt – als Orientierung im Handeln und als Auftrag für die Zukunft.
Wie es in der Festschrift abschließend und zugleich vorausschauend heißt:
„Solange Menschen einander brauchen und einander Halt geben, bleibt der Auftrag der Barmherzigkeit lebendig. Die Spuren und Werte zweier Jahrhunderte mögen weiterleuchten und Generationen auf Wege führen, auf denen Glaube, Mut, Hoffnung und Nächstenliebe Zukunft haben.“
Mehr Informationen: www.mutterhaus-zams.at