Der Teufel als Diener und die Bedeutung des Gebets
Lange war die Originalhandschrift des „Virger Rosenkranzspiels“ verschwunden. Nun wurde sie in den Beständen des Museums Schloss Bruck in Lienz wiederentdeckt –inklusive ihrer spannenden Historie. Die Theatergruppe „Rabensteiner“ aus Virgen will das Stück aus dem 17. Jahrhundert mit Regisseur Norbert Mladek modernisieren und neu zur Aufführung bringen.
In der Geschichte der Osttiroler Gemeinde Virgen und des östlichen Tirols spielt das „Virger Rosenkranzspiel“ von 1675 eine wichtige Rolle. Aufführungen gab es zuletzt in den 1930er- und 1960er-Jahren in Virgen und Lienz. Mit dem Manuskript setzten sich die Lienzer Schriftstellerin Fanny Wibmer-Pedit (Neufassung im Jahr 1936) sowie Buchautor und ORF-Referatsleiter Norbert Hölzl auseinander. Letzterer trieb, basierend auf seiner wissenschaftlichen Forschungsarbeit, Neuinszenierungen und Fernsehaufzeichnungen voran.
Langjährige Suche
Die originale Spielhandschrift galt lange Zeit als verschollen. Zugänglich bzw. gesichert war sie lediglich durch eine handschriftliche Abschrift aus dem frühen 20. Jahrhundert und durch die wissenschaftliche Edition von Norbert Hölzl. Dies sollte sich erst durch die unermüdliche Suche von Fritz Joast ändern. Der Bäckermeister aus Virgen, Zeit seines Lebens ein engagierter Mentor im Kultur- und Theaterbereich, folgte über Jahre hinweg den Spuren des Originals. Mit Hilfe von Stefan Weis, dem Leiter des Museums Schloss Bruck in Lienz, gelang es ihm schließlich, die Originalquelle wiederzuentdecken. Diese hatte sich, unbeschadet, aber falsch einsortiert, in den Beständen von Schloss Bruck befunden. Die Freude darüber war nicht nur bei Fritz Joast, sondern auch bei Stefan Weis groß. „Ich bin Jahrgang 1938 und habe noch einige der Mitwirkenden an der letzten Aufführung des Rosenkranzspieles in Lienz 1935 gekannt. Vermutlich rührte auch daher mein großes Interesse am Originaltext. Ich bin sehr froh, dass sich die hartnäckige Suche gelohnt hat“, berichtete Fritz Joast, während Stefan Weis die Bedeutung des Fundes unterstrich: „Das Manuskript steht nun wieder der Öffentlichkeit, allen Kulturinteressierten sowie der wissenschaftlichen Forschung zur Verfügung. Ich bin sicher, dass die Quelle in der Regionalgeschichte und im Theaterbereich auf reges Interesse stoßen wird.“
Historisch-kulturgeschichtlicher Hintergrund
Der Text, der im Original den Titel „Dimas, durch den Heiligen Rosen-Krantz der Hoell entrissener Raub“ trägt, entstand vermutlich im Innsbrucker Raum und lässt sich im Kontext der lebendigen Tradition der Rosenkranzbruderschaften im bayrischen und österreichischen Kulturraum des 17. und 18. Jahrhunderts einordnen. Die Rosenkranzbruderschaften waren Vereinigungen, die sich der Pflege des Rosenkranz-gebets verschrieben hatten. Sie verknüpften die Geschichte des Dimas mit der Wirkung des Rosenkranzbetens und begründeten so auch die Tradition des Rosenkranzspiels, das an verschiedenen Orten, darunter in Lienz und Virgen, als publikumswirksames Spektakel aufgeführt wurde. Der Innsbrucker „Dimas“ wurde in diesem Zuge zum „Virger Rosenkranzspiel“.
Zentrale Themen des Inhalts
Die Geschichte des Dimas knüpft an die Stofftradition der Figur des Theophilus aus dem späten Mittelalter an. Dimas ist ein reicher Erbe, der, volljährig geworden, von seinem Vormund den Besitz übertragen erhält. Dimas Vater hatte auf dem Sterbebett verfügt, dass sein Sohn täglich den Rosenkranz beten solle und niemals einen persönlichen Diener einstellen dürfe. Dimas hält am Rosenkranzgebet fest, setzt sich jedoch über das Versprechen, keinen Diener zu beschäftigen, hinweg – und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Denn der findige Kerl, der Dimas Diener wird und für alles eine Lösung weiß, ist der Teufel selbst. Er bringt den jungen Mann dazu, seine Ideale aufzugeben und stiftet, wo er nur kann, Zwietracht. Durch die Zauberkraft, die der Teufel Dimas verleiht, ermordet dieser aus der Ferne seinen besten Freund. Er wird gefasst, doch in die Hölle muss er nicht. Seine Rettung ist, dass er täglich den Rosenkranz gebetet hat. Das Stück, teilweise sehr drastisch formuliert, wirkt streckenweise auch komisch. Zentrale Themen sind die Gier, die Manipulierbarkeit des Menschen und die Frage, welche Rolle Gott und Glaube im Leben der Menschen spielen können.
Neuinterpretation und Neuaufführung
Der jahrhundertealte Text hat Menschen zu unterschiedlichen Zeiten zu unterschiedlichen Überlegungen veranlasst. Die Virger Theatergruppe „Rabensteiner“ will das Rosenkranzspiel an die heutige Zeit anpassen und 2029 auf einer Freilichtbühne an der Isel erstmals wieder zeigen. Josef Dichtl und Harald Mair, die Sprecher der Projektgruppe „Dimas/Freiluftaufführung Virgen“, blicken der Theaterarbeit mit großer Freude entgegen. „Für unseren Verein und das Publikum aus Virgen sowie weit darüber hinaus wird das ein ganz besonderes Erlebnis werden“, so die beiden. Für die Inszenierung konnten die Iseltaler Regisseur Norbert Mladek gewinnen, der mit den „Rabensteinern“ 2018 bereits die „Piefke-Saga“ auf die Bühne brachte. Für ihn ist das urige Stück eine zutiefst menschliche, psychologische und dramaturgische Fundgrube mit klaren Bezügen zur Gegenwart. Für die Textbearbeitung wird Literaturwissenschaftler und Theaterautor Toni Bernhart verantwortlich zeichnen.
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