Burkina Faso zwischen Hoffnung und Herausforderungen

Caritas-Interview mit Abbé Constantin 

Burkina Faso – ein westafrikanisches Binnenland und Partnerland der Caritas Tirol – ist seit dem letzten Regierungswechsel geprägt von vorsichtigem Optimismus, aber auch von anhaltenden Krisen. Im Gespräch zeichnet Abbé Constantin Safanitié Sere, Generalsekretär von OCADES Caritas Burkina, ein vielschichtiges Bild der aktuellen Lage im westafrikanischen Sahelstaat.

 

Aufbruchsstimmung und wachsender Optimismus
Seit dem Regierungswechsel im September 2022 wächst im Land die Zuversicht. Besonders die Beteiligung junger Menschen in der Regierung stärkt das Vertrauen vieler Burkinabé. „Viele Menschen sind voller Hoffnung“, beschreibt Abbé Constantin die aktuelle Stimmung. 

 

Ein wichtiger Grund für diese Zuversicht ist die Entwicklung im Agrarsektor: Nach einer guten Regenzeit im vergangenen Jahr konnten die Ernten deutlich verbessert werden. In einem Sahel-Land wie Burkina Faso, wo ausreichender Regen keineswegs selbstverständlich ist, wird dies als großer Segen angesehen. Rund 70 Prozent der Bevölkerung leben von Landwirtschaft, Forstwirtschaft oder Viehzucht.

 

Die Regierung unterstützt diesen Sektor gezielt – etwa durch Subventionen für Dünger sowie durch logistische Hilfe und die Bereitstellung notwendiger Materialien. Dadurch konnten die Produktion von Reis, Mais und anderen Getreidesorten gesteigert und die Ernährungssicherheit verbessert werden.

 

Auch gesellschaftlich zeigen sich positive Entwicklungen. Es ist der Regierung gelungen, insbesondere junge Menschen für gemeinschaftliche Arbeit zu mobilisieren – etwa für die Reinigung von Abwasserkanälen zur Vermeidung von Überschwemmungen oder die Instandsetzung und Befestigung von Straßen. Gleichzeitig hat sich die wirtschaftliche Situation stabilisiert: Burkina Faso exportiert derzeit mehr, als es importiert, die Inflation wurde gestoppt, und die Lebenshaltungskosten sind teilweise gesunken.

 

Sicherheitslage bleibt angespannt
Trotz dieser Fortschritte bleibt die Sicherheitslage die größte Herausforderung. Rund ein Viertel des Landes steht weiterhin unter der Kontrolle von Rebellen und terroristischen Gruppen. Dies erschwert die Arbeit von Hilfsorganisationen wie der Caritas erheblich. 

 

In einigen Regionen sind Städte von bewaffneten Gruppen eingeschlossen und nur über humanitäre UN-Flüge oder Militärkonvois erreichbar. Zwar konnten im Laufe des Jahres 2025 bereits Gebiete zurückgewonnen werden, doch die Lage bleibt fragil.

 

Die Zahl der Binnenvertriebenen ist weiterhin hoch: Laut Angaben der UN leben in Burkina Faso derzeit rund zwei Millionen Menschen nicht mehr in ihren Heimatdörfern. Besonders in den Grenzregionen zu Mali und Benin kommt es jedoch weiterhin zu Angriffen und neuen Fluchtbewegungen.

 

Klimawandel verschärft Unsicherheiten
Neben der Sicherheitslage stellt der Klimawandel eine zunehmende Belastung dar. Wetterextreme nehmen zu, und die Jahreszeiten werden immer schwerer vorhersehbar. „Früher gab es etwa alle fünf Jahre Sandstürme, die die Sicht für mehrere Tage einschränkten – heute kommen sie fast jährlich vor“, berichtet Abbé Constantin. 

 

Auch die Hitzeperioden dauern länger an als früher. In diesem Jahr herrschten selbst im Mai noch außergewöhnlich hohe Temperaturen. Diese Unsicherheiten erschweren die landwirtschaftliche Planung erheblich, z.B. hinsichtlich des günstigen Moments für die Aussaat.

 

Als Reaktion wurden neue Pflanzensorten mit kürzeren Vegetationszyklen entwickelt, etwa bei Mais und Hirse. Dadurch sollen Ernten auch unter schwierigeren klimatischen Bedingungen gesichert werden.

 

Wasser als Schlüsselressource
Die Wasserversorgung hat sich insgesamt verbessert, bleibt jedoch regional sehr unterschiedlich. Während der Süden des Landes vergleichsweise gut versorgt ist, sind die nördlichen Regionen zunehmend von Trockenheit betroffen. 

 

Technologische Fortschritte haben das Bohren von Brunnen erleichtert und günstiger gemacht, sodass immer mehr Dörfer Zugang zu Trinkwasser erhalten. Dennoch reicht die Infrastruktur vielerorts nicht aus: Häufig müssen bis zu 500 Menschen einen einzigen Brunnen nutzen, obwohl dieser ursprünglich für etwa 300 Personen ausgelegt ist.

 

Die Folge sind lange Wartezeiten – oft bis spät in die Nacht. Besonders Frauen und Mädchen sind davon betroffen, da sie meist für die Wasserversorgung der Familien verantwortlich sind.

 

Ganzheitliche Hilfeansätze gefragt
Angesichts dieser Herausforderungen setzt die Hilfe von OCADES Caritas Burkina und deren Partnerorganisationen auf multisektorale Ansätze. Im Mittelpunkt stehen die Ernährungssicherheit und die ausreichende Versorgung der Bevölkerung sowie der Binnenvertriebenen mit Nahrungsmitteln. Gleichzeitig geht es darum, Landwirt:innen dabei zu unterstützen, ihre Produktion nachhaltig zu verbessern – etwa durch Schulungen, Materialien und finanzielle Hilfen. 

 

Ebenso wichtig ist der Ausbau der Wasser-, Hygiene- und Sanitärversorgung. Dazu zählen neue Brunnen, Latrinen sowie Maßnahmen zur Verbesserung der Hygiene.

Darüber hinaus liegt ein besonderer Fokus auf Frauen und jungen Erwachsenen. Durch Ausbildungsprogramme, Starthilfen für kleine Unternehmen und den Zugang zu Kleinkrediten sollen neue Einkommensmöglichkeiten geschaffen werden.

 

Zwischen Hoffnung und Realität
Burkina Faso befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Fortschritte in Landwirtschaft, Wirtschaft und gesellschaftlichem Engagement stehen einer angespannten Sicherheitslage und den Folgen des Klimawandels gegenüber. 

 

Der vorsichtige Optimismus in der Bevölkerung zeigt jedoch: Der vorsichtige Optimismus in der Bevölkerung zeigt jedoch: Der Wille zur Veränderung ist vorhanden. Mit internationaler und langfristiger Unterstützung kann dieser Weg weiter gestärkt werden. Dabei leisten insbesondere die Spender:innen der Caritas Tirol einen wertvollen Beitrag. Jahr für Jahr zeigen sie im Rahmen der Caritas-Sommersammlung große Solidarität mit Menschen in Not und machen deutlich, dass Mitmenschlichkeit keine Grenzen kennt. Dieses starke Engagement aus Tirol ermöglicht konkrete Hilfe in den westafrikanischen Partnerländern.

Burkina Faso zwischen Hoffnung und Herausforderungen
Abbé Constantin spricht über die Situation in Burkina Faso. Foto: Caritas Tirol/D. Giesinger