Bischof Glettler zu Solidaritätsbesuch bei Christen in der Türkei

Besuch des Bischofs in der Erdbebenregion Hatay, wo noch mehr als 10.000 orthodoxe Christen leben, deren Kirchen beim Beben 2023 zerstört wurden - Bemühungen um Wiederaufbau und Konsolidierung der christlichen Gemeinden

Der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler hat diese Woche den orthodoxen Christen in der Region Hatay im Süden der Türkei einen Solidaritätsbesuch abgestattet. In der Region leben noch bis zu 15.000 Christinnen und Christen, die dem Rum-orthodoxen Patriarchat von Antiochien angehören. Bei dem verheerenden Erdbeben, das im Februar 2023 die Türkei (und Syrien) traf, wurde auch die christliche Gemeinschaft vor Ort hart getroffen. Rund 60 Christinnen und Christen kamen ums Leben, fast alle Kirchen wurden komplett zerstört. Unzählige Menschen verloren ihre Lebensgrundlage.

 

Gemeinsam mit dem örtlichen orthodoxen Bischof Pavlos bereiste der Innsbrucker Bischof die Region, in der die Gläubigen ihre Gottesdienste teils im Freien unter Plastikplanen, teils in notdürftig errichteten Containerkirchen oder in angemieteten Räumlichkeiten feiern. Bei gemeinsamen Gesprächen, Begegnungen und Gottesdiensten sprach der Bischof den Menschen vor Ort Mut zu und zeigte sich zudem von ihrem Glaubenszeugnis beeindruckt. Auf einem Friedhof in Antakya, auf dem Angehörige verschiedener Religionen begraben sind, standen die beiden Bischöfe einem Gebet für die Erdbebenopfer vor.

 

Beim verheerenden Erdbeben 2023 kamen laut offiziellen Angaben mindestens 50.000 Menschen ums Leben. Es gibt aber auch Beobachter, die von 200.000 Todesopfern sprechen. Auch mehr als drei Jahre nach dem Beben sind die Schäden noch allerorts zu sehen. Zugleich wurde auch bereits sehr viel wieder aufgebaut. Die kleine christliche Minderheit hinkt hier aufgrund ihrer beschränkten Möglichkeiten aber weit hinterher, da auch die staatliche Hilfe gering ausfällt.

 

Bischof Glettler besuchte u. a. die völlig zerstörte orthodoxe Kathedrale von Antakya, ebenso die Kirchen in Salindar-Altinözü, Samandag, Arsuz und Iskenderun. Neben den orthodoxen Gemeinden stand auch ein kurzer Besuch in der katholischen Kirche in Iskenderun und im armenischen Dorf Vakifli am Fuße des Musa Dagh auf dem Programm.

 

Der Wiederaufbau der zerstörten Kirchen in der Region wird noch viele Jahre dauern. Deshalb wird von den orthodoxen Christinnen und Christen das ehemalige Georgskloster in Altinözü-Sarilar in der Nähe von Antakya zu einem Gemeindezentrum mit einer Kirche umgebaut. Bei einem Lokalaugenschein vor Ort überzeugten sich Bischof Glettler und Bischof Pavlos vom großen Baufortschritt. Bis zum Jahresende wollen die Verantwortlichen die Kirche so weit fertig haben, dass man erste Gottesdienste feiern kann. Noch fehlen für die Fertigstellung aber die finanziellen Mittel.

 

Bei den anderen zerstörten Kirchen schaut es noch viel düsterer aus. Hier fehlen viele Millionen Euro, die Verantwortlichen stehen vor scheinbar unüberwindbaren Hürden, wie an vielen Orten berichtet wurde.

 

Wo die ersten "Christen" lebten
Die Provinz Hatay ist erst seit 1939 Teil der Türkei. Die Region war lange Zeit Spielball der Großmächte und ragt entlang der Mittelmeerküste als Zipfel nach Syrien hinein. Für das Christentum ist die Region von herausragender Bedeutung: Im Zentrum der Region liegt Antakya, das antike Antiochien, eines der ersten Zentren des frühen Christentums. In Antiochien wurden die Menschen, die sich zu Jesus Christus bekannten, erstmals als "Christen" bezeichnet. Die historisch bzw. kirchlich bedeutendste Stätte ist die in den Fels gehauene Petruskirche bei Antakya, die bei dem Erdbeben nur leicht beschädigt wurde. Diese Schäden sind inzwischen behoben. 

 

Pavlus Ordologlou wurde von Patriarch Johannes X. im April zum Bischof geweiht. Seine Aufgabe ist es, die Gemeinden zu festigen und den Wiederaufbau der Kirchen voranzutreiben. Die sakralen Gebäude haben als identitätsstiftende Orte für die Christinnen und Christen inmitten einer überwältigenden muslimischen Mehrheitsgesellschaft eine herausragende Bedeutung.

 

Viele Christinnen und Christen, die aus der Region Hatay schon vor Jahrzehnten ausgewandert sind, haben in Tirol eine neue Heimat gefunden. Zur Rum-orthodoxen Kirchengemeinde St. Georgios von Antiochien in Innsbruck gehören rund 40 Familien. Zur katholischen Kirche vor Ort und zu Bischof Glettler pflegen sie gute Kontakte. Ihre Beziehungen zur alten Heimat halten sie zudem bis heute hoch. Hilfsprojekte für Antakya werden über den "Zentralrat zur Förderung und Schutz der Kultur der Rum-Orthodoxen Christen von Antiochien" abgewickelt (Infos: https://zerocha.org/).

 

Eine Meldung von www.kathpress.at 

Bischof Glettler zu Solidaritätsbesuch bei Christen in der Türkei
Die vom Erdbeben zerstörte Kirche Aya Yorgi im Ort Altinözü Sarilar, aus dem auch einige in Tirol lebende orthodoxe Familien stammen. Foto: Pulling/kathpress