Das bringt 2022 in der Katholischen Kirche

Pfarrgemeinderatswahlen am 20. März und Weiterarbeit an katholischer Weltsynode in Österreich - Vatikanischer Kalender mit Weltfamilientreffen in Rom und vielen (Corona-)Fragezeichen

Im Zeichen der Pfarrgemeinderatswahlen und des vom Papst weltweit initiierten Prozesses für eine synodalere Kirche steht 2022 für die Katholische Kirche in Österreich. Am 20. März haben mehr als 4,5 Millionen wahlberechtigte Katholikinnen und Katholiken die Möglichkeit, eine Funktion in ihrer Pfarrgemeinde zu übernehmen oder mit ihrer Stimme den neuen Pfarrgemeinderats-Mitgliedern das Vertrauen auszusprechen. Alle fünf Jahre finden die Wahlen landesweit statt - dieses Mal unter dem Motto "mittendrin".

Parallel dazu läuft bis Jahresmitte die Intensivphase zum ersten Teil der katholischen Weltsynode auf Ebene der Ortskirchen. Die Kirchenleitung hat die Gläubigen eingeladen, untereinander und mit den Bischöfen über Synodalität und die Zukunft der Kirche ins Gespräch zu kommen. In mehreren österreichischen Diözesen laufen Fragebogenaktionen und Gesprächsinitiativen, teils sind auch vorsynodale Versammlungen geplant. Aus den Ergebnissen entsteht ein gemeinsames Papier, über das Bischöfe und Vertreter österreichweiter Initiativen Mitte Juni in Mariazell eine "Vorsynodale Beratung" abhalten. Bis Mariä Himmelfahrt (15. August) muss die österreichweite Synthese nach Rom geleitet werden. Zusammen mit ähnlichen Dokumenten aus aller Welt bildet sie die Grundlage für den weiteren Weltsynoden-Prozess, der im Oktober 2023 in eine Bischofssynode in Rom mündet.

Die heimischen Bischöfe kommen neben ihrem Sommertreffen in Mariazell (20. bis 22. Juni) im Frühjahr in Matrei am Brenner (14. bis 17. März) und im Herbst in der Abtei Michaelbeuern (7. bis 10. November) zu ihren Vollversammlungen zusammen - ob mit dem demnächst 77-jährigen Kardinal Christoph Schönborn oder einem Nachfolger im Amt des Wiener Erzbischofs liegt in den Händen des Papstes. Noch keine Nachricht aus dem Vatikan gibt es bis dato auch über einen neuen Termin für den pandemiebedingt zuletzt verschobenen Ad-limina-Besuch der Bischöfe in Rom.

Gewiss ist, dass das Coronavirus und seine Folgen die Kirche auch 2022 beschäftigen werden. Große Flexibilität in Seelsorge- und Bildungsangeboten, aber auch bei Initiativen wie der Sternsingeraktion wird weiterhin gefordert sein. Jedenfalls als Online-Veranstaltung durchgeführt wird ab 13. Jänner die Österreichische Pastoraltagung zum Thema Jugendseelsorge. Für 10. Juni ist die ökumenisch getragene "Lange Nacht der Kirchen" geplant, und von 10. bis 16. Juli soll in Steyr die Kindergroßveranstaltung "Kaleidio" der Katholischen Jungschar stattfinden. Am 17. September feiert der Ökumenische Weltgebetstag der Frauen in Wien sein 70-Jahr-Jubiläum. Schon zuvor ist im Römersteinbruch von St. Margarethen zwischen 26. Mai und 10. Juli die Leidensgeschichte Jesu Christi aus dem Blickwinkel der Emmaus-Jünger zu sehen. Die bekannten Passionsspiele dürften - ebenso wie jene im Tiroler Thiersee und im deutschen Oberammergau - endlich durchgeführt werden können. Die Diözese Gurk-Klagenfurt erinnert von 12. bis 19. November mit einer Jubiläumswoche an die Kärntner Diözesansynode vor 50 Jahren.

Am 20. Juli vor 200 Jahren wurde der mährisch-österreichische Ordensmann und Genetik-Pionier Gregor Mendel geboren. Ein Jubiläumsjahr steht auch für die vor 100 Jahren international begründeten Päpstlichen Missionswerke Missio an. Auch in Österreich sind dazu zahlreiche Festveranstaltungen und Initiativen geplant. Ende August lädt Missio Österreich auch zu einer Frankreichwallfahrt u.a. nach Lyon, wo am 22. Mai die französische Laienmissionarin und Missio-Begründerin Pauline Marie Jaricot (1799-1862) seliggesprochen wird. Bereits am 29. Jänner jährt sich auch die Seligsprechung der Sozialpolitikerin und Gründerin der Schwesterngemeinschaft Caritas Socialis (CS), Hildegard Burjan (1883-1933) zum zehnten Mal. Vor 15 Jahren, am 26. Oktober 2007, wurde Nazi-Gegner Franz Jägerstätter (1907-1943) seliggesprochen. Am 1. April vor 100 Jahren starb der seit 2004 selige letzte österreichische Kaiser Karl I. (1887-1922).

Mehrere prominente heimische Kirchenleute feiern 2022 einen runden bzw. halbrunden Geburtstag. So werden der St. Pöltner Bischöfe Alois Schwarz (14. Juni) und die Äbte Ambros Ebhart (Kremsmünster; 21. Juli) und Raimund Schreier (Stift Wilten; 29. Dezember) 70. Unter den emeritierten Bischöfen vollendet Maximilian Aichern sein 90. Lebensjahr (26. Dezember), Alois Kothgasser wird 85 (29. Mai) und Andreas Laun 80 (13. Oktober). Der Wiener Dompfarrer Toni Faber feiert am 18. März seinen 60er, Ex-Caritas-Präsident Helmut Schüller am 24. Dezember seinen 70. Geburtstag. Der frühere Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen in Österreich und evangelische Altbischof Herwig Sturm wird am 15. August 80 Jahre alt.

Weltfamilientreffen und Papst auf Reisen
Der internationale "Kirchenkalender" für 2022 sieht neben dem Fortgang der Weltsynode zur Synodalität unter anderem das katholische Weltfamilientreffen in Rom zum Abschluss des "Amoris laetitia"-Jahres (22. bis 26. Juni), die 3. Europäischen Katholischen Sozialtage zum Thema "Europa nach der Pandemie: ein Neuanfang" in Bratislava (17. bis 20. März) und die Vollversammlung des Weltkirchenrats in Karlsruhe (31. August bis 8. September) vor.

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. vollendet am 16. April sein 95. Lebensjahr. Am 5. September jährt sich der Todestag der heiligen Mutter Teresa (1910-1997) zum 25. Mal. Auch in Österreich Beachtung finden wird der weitere Verlauf des "Synodalen Wegs" der Katholischen Kirche in Deutschland sowie die Zukunft des deutschen Kardinals Rainer Maria Woelki und der Erzdiözese Köln.

Noch viele Fragezeichen gibt es zum Programm von Papst Franziskus im kommenden Jahr. Auch hier erschwert das dritte Pandemie-Jahr die Planungen. Der Papst selbst hat zwar schon weit fliegende Reisepläne und sprach jüngst vom Kongo, von Papua-Neuguina, Osttimor und Ozeanien sowie einem weiteren Ungarn-Besuch. Auch ein Kanada-Besuch steht auf dem Programm. Offiziell bestätigt ist davon aber noch nichts. Irgendwann zu Beginn des Jahres wird Franziskus neue Kardinäle ernennen. Die Zahl der vorgesehenen Papstwähler ist inzwischen auf die Sollzahl von 120 gesunken.

Sollte der Pontifex noch vor Ende dieses Jahres die lang erwartete Konstitution veröffentlichen, mit der er seine Kurienreform zusammenfasst, müsste das Kirchenvolk nicht auch 2022 darauf warten. Aber wie er selbst schon sagte: Die meisten Reformen sind bereits durchgeführt. "Praedicate evangelium", so der Titel der Konstitution, wird sie nur noch zusammenfassend schriftlich fixieren. Neu wird wahrscheinlich nur ein ausführliches Vorwort zur Synodalität in der Zentrale der Weltkirche sein. Außerdem die Zusammenlegung der Bildungskongregation mit dem Kulturrat sowie der Missionskongregation "Propaganda Fide" mit dem Rat zur Neuevangelisierung - also Glaubensverkündigung in säkularen Gesellschaften.

Eine Meldung von www.kathpress.at