Immer wieder hören wir im Alltag die Frage: Wie kann ein guter und allmächtiger Gott das Böse zulassen? Steht nicht schon auf der ersten Seite der Bibel, dass Gott alles erschaffen hat und sah, dass es gut war?
Warum geschehen dann durch Menschen Völkermord, Krieg und Grausamkeiten? Und was ist mit Erdbeben, Tsunamis oder schweren Unfällen?
Zunächst dürfen wir festhalten: Wir glauben nicht an zwei Götter – einen guten und einen bösen –, die miteinander kämpfen und einander abwechselnd besiegen. Gott ist der eine und einzige Gott. Und weil er gut ist, ist alles, was er erschaffen hat, in seinem Ursprung gut.
Das Böse ist daher nicht etwas, das Gott geschaffen hätte. Der heilige Augustinus sagt vielmehr, dass das Böse ein Mangel am Guten ist (privatio boni). Dunkelheit ist nichts Eigenständiges, sondern das Fehlen von Licht. Krankheit ist eine Störung der gesunden Ordnung. So ist auch das Böse kein eigenes „Sein“, sondern eine Verletzung dessen, was gut geschaffen wurde.
Wenn Menschen Krieg führen oder Grausamkeiten begehen, liegt die Ursache nicht in Gott, sondern im missbrauchten freien Willen des Menschen. Gott hat uns Freiheit geschenkt, weil echte Liebe ohne Freiheit nicht möglich ist. Würde Gott unseren freien Willen aufheben, würde er zugleich die Möglichkeit echter Liebe aufheben. Der ungeordnete menschliche Wille ist es, der Hass, Gewalt und Krieg hervorbringt.
Zugleich müssen wir bedenken, dass durch den Sündenfall die gesamte Schöpfung in eine Unordnung geraten ist. Tod, Krankheit, Leid und auch Naturkatastrophen gehören zu dieser verwundeten Welt, in der wir leben.
Der gläubige Mensch betrachtet dieses Geheimnis jedoch durch die Augen Christi. Das Kreuz, ursprünglich ein Zeichen von Erniedrigung, Leiden und Tod, ist durch Jesus zum Zeichen des Sieges geworden — zum Sieg über Sünde und Tod.
Viele Menschen hadern mit dem Leid der Welt und finden darauf keine einfache Antwort. Auch der Glaube nimmt nicht jede Frage weg. Aber Jesus lädt uns ein, ihm zu vertrauen, Freundschaft mit ihm zu schließen und den Weg des Lebens mit ihm zu gehen.
Die Sommerzeit kann eine besondere Gelegenheit sein, in Ruhe über die Schöpfung nachzudenken und unser Herz für die großen Gaben Gottes zu öffnen. Denn wir wissen: Wirklich erkennen kann nur, wer empfängt — und empfangen kann nur, wer bereit ist, sich zu öffnen.
Ich wünsche Ihnen gesegnete Sommertage und Gottes reichen Segen.
Pfr. Ioan
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