Zum Hochfest Peter & Paul, 29. Juni 2026

Was Paulus über Frauen in Führung zu sagen hat - Eine feministisch-theologische Betrachtung zum Hochfest der Apostel
Es gibt einen Satz im Neuen Testament, der bis heute nichts von seiner Sprengkraft verloren hat. Er steht im Brief des Paulus an die Galater, Kapitel 3, Vers 28:

„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ Paulus, Gal 3,28

Paulus schrieb diese Worte nicht als frommen Wunsch. Es beschreibt das Praxis-Fundament der frühen Gemeinden. Was die Taufe schafft, hebt Hierarchien auf. Nicht irgendwann, jetzt. In Christus.

Zwei Prinzipien, ein Fest 

Das Hochfest der Apostel Petrus und Paulus feiert zwei Pole, die die Kirche bis heute prägen. Petrus steht für das Amt, die Struktur, die institutionelle Kontinuität, das sogenannte petrinische Prinzip. Paulus steht für das Charisma, die missionarische Dynamik, die Freiheit des Geistes, das paulinische Prinzip. Eine Kirche, die das paulinische Erbe ernst nimmt, fragt nicht: ‚Welches Amt darf diese Person bekleiden?‘ Sie fragt: ‚Welche Begabung trägt diese Person? Welche Berufung hat Gott ihr gegeben?‘ Die Antwort auf diese Fragen darf nicht vom Geschlecht abhängen.

„Die Weltsynode hat uns nicht nur Fragen gestellt, sie hat uns einen Auftrag gegeben. Die Vatikanstudie zur Frauenfrage ist kein Abschluss, sie ist ein Anfang. Wir nehmen diesen Auftrag ernst: Eine Kirche, die das Geschlecht zur Bedingung für Berufung macht, macht sich kleiner als Gott sie gedacht hat.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der kfbö

Die verborgene Kirche 

In Österreichs Pfarren existiert seit Jahrzehnten eine Kirche, die selten im Rampenlicht steht: Frauen als Lektorinnen, Katechetinnen, Pfarrgemeinderätinnen, Kommunionspenderinnen, Sterbebegleiterinnen, Jugendleiterinnen. 90 Prozent der kirchlichen Gemeindearbeit wird von Laien geleistet, mehrheitlich von Frauen. Sie tragen die Kirche auf ihren Schultern, ohne dass ihre Berufung je offiziell anerkannt oder gewürdigt wurde.

Das Hochfest Peter & Paul ist für die kfbö deshalb kein bloß historisches Gedenken. Es ist eine Einladung: Lasst uns die verborgene Kirche sichtbar machen. Lasst uns feiern, was täglich gelebt wird.

Phoebe, Priszilla, Apostelin Junia, Maria von Magdala und wir 

Paulus selbst kannte diese Frauen. Er nannte sie beim Namen. In Röm 16 grüßt er Phoebe als Diakonin der Gemeinde von Kenchreä. Er nennt Priszilla, die gemeinsam mit ihrem Mann den Apollos in der Theologie unterwies. Er dankt Julia, Tryphäna und Tryphosa, Mitarbeiterinnen im Evangelium. Diese Frauen haben nicht auf eine Erlaubnis gewartet. Sie haben gehandelt. Aus Berufung. Weil der Geist sie gesandt hat.

„Phoebe war Diakonin. Priszilla war Theologin und Lehrerin. Maria von Magdala war die erste Zeugin der Auferstehung. Die Kirche hat diese Frauen lange aus dem Gedächtnis gedrängt. Die kfbö holt sie zurück und sagt: Ihr Erbe lebt. In unseren Pfarren, in unseren Gemeinden, in uns.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende der kfbö

Was die kfbö am Fest Peter & Paul feiert 

Wir feiern nicht Hierarchie. Wir feiern Berufung. Wir feiern die Würde der Taufe, die uns alle gleich macht. Wir feiern die Frauen in unseren Pfarren, die nicht auf eine kirchenrechtliche Erlaubnis warten, um Kirche zu sein. Und wir feiern die Frauen unserer Partnerorganisationen weltweit, die dieselbe Überzeugung leben, in Tansania, auf den Philippinen, in Indien und Lateinamerika.

Die Weltsynode für Synodalität hat den kirchlichen Boden gelockert Die kfbö wird die Früchte dieses Prozesses einfordern, geduldig, hartnäckig und mit dem paulinischen Vertrauen: Der Geist weht, wo er will. Und er weht auch durch uns.

Erfahre mehr über Frauen, die weltweit Gemeinden tragen und führen. Und unterstütze sie: teilen.at/spenden

Zum Hochfest Peter & Paul, 29. Juni 2026