Maria Magdalena - 1.400 Jahre Fehldeutung und eine Reise als Antwort

kfbö würdigt Maria Magdalena als Apostelin der Apostel und lädt Frauen auf ihre Spuren nach Südtirol

Sie stand unter dem Kreuz, als die männlichen Jünger flohen. Sie war die Erste am leeren Grab. Jesus erschien ihr zuerst und sandte sie. „Geh zu meinen Brüdern und sag ihnen …“ (Joh 20,17). Diese Sendung macht Maria Magdalena zur Apostelin der Apostel, „apostola apostolorum“, wie Kirchenvater Hippolyt sie schon im 3. Jahrhundert nannte.

Was die Institution dann mit ihr gemacht hat, ist eine der folgenreichsten Fehldeutungen der Kirchengeschichte: Papst Gregor I. setzte 591 in einer Predigt drei verschiedene Frauenfiguren des Neuen Testaments gleich. Aus der Apostolin wurde die büßende Sünderin, ein Bild, das 1.400 Jahre lang das populäre und kirchliche Bild dieser Frau prägte. Die Kirche hat die Gleichsetzung 1969 offiziell aufgegeben. 2016 hob Papst Franziskus ihren Gedenktag auf den Rang eines Apostelfests. Eine überfällige Geste, die viel zu wenig Aufmerksamkeit bekommen hat.

„Maria Magdalena ist kein historisches Kuriosum, sie ist ein Spiegel, den wir der Kirche heute vorhalten. Eine Frau, die als Erste die Auferstehung bezeugte und als Erste gesandt wurde und die die Institution danach zur Sünderin erklärt hat. Das ist nicht nur Vergangenheit. Das ist ein Muster, das wir in der kfbö jeden Tag benennen.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende kfbö

Besonders in Südtirol hat der Magdalena-Kult tiefe Wurzeln. In der Volksfrömmigkeit lebte das weiter, was die offizielle Theologie ihr verweigerte: Größe. Kirchen und Kapellen in Ridnaun, Vilnöß und Viums tragen ihren Namen, nicht als Zufall, sondern als Zeugnisse einer hartnäckigen Erinnerung. In Vilnöß blickt die Magdalenakirche auf die Geislerspitzen, ein Bild, das bleibt: die Frau, die hinausgegangen ist. Am Portal der Kirche in Viums ist sie in prächtiger Kleidung dargestellt, mit dem Salbgefäß, Symbol nicht der Sünde, sondern der Salbung: Sie hat den gesalbt, der der Messias war.

Sechs Tage auf ihren Spuren: kfb-Frauenreise 4.–9. August 2026

Die kfb-Frauenreise führt zu diesen Orten. Ridnaun, Vilnöß, Viums, Kloster Neustift, Kloster Säben, Brixen, Meran, sechs Tage Wandern, Innehalten, Beten und Sprechen an Plätzen, die seit Jahrhunderten von einer Frau erzählen, die nicht verschwinden wollte. Die Reise wird von einem theologischen Vortrag eröffnet und vom bewährten kfb-Team (Anna Rosenberger, Isabella Ehart, Michaela Leppen) begleitet.

„Die Frauenreise nach Südtirol ist für uns mehr als Spiritualtourismus. Es ist ein Akt der Wiederaneignung: Wir gehen dorthin, wo Frauen seit Jahrhunderten verehrt wurden, und wir fragen laut, warum diese Verehrung bis heute keine Konsequenzen für die Stellung von Frauen in der Kirche hat.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende kfbö

Von der Apostelin zur Aktivistin: die Verbindungslinie zu heute

Maria Magdalena wurde gesandt. Aida aus dem kolumbianischen Putumayo geht, jeden Tag, als Friedensaktivistin in einer Region, die von Gewalt und Vertreibung geprägt ist. Sie steht für das, was Maria Magdalena vor 2.000 Jahren verkörperte: Frauen, die Zeugnis geben, wenn es schwierig ist. Frauen, die nicht schweigen. Frauen, die gehen.

Die Aktion Familienfasttag der kfbö unterstützt über die Partnerorganisation SERCOLDES Frauen wie Aida im kolumbianischen Putumayo: bei der Friedensarbeit, beim Wiederaufbau von Gemeinschaft, bei der Dokumentation von Menschenrechtsverletzungen. Das ist kein Zufall neben dem Magdalenenfest, das ist dieselbe Geschichte, 2.000 Jahre später.

„Maria Magdalena wurde gesandt. Aida aus dem Putumayo geht. Die Frauen, die wir über die Aktion Familienfasttag unterstützen, gehen auch, täglich, unter schwierigsten Bedingungen. Das ist die Verbindungslinie, die wir zum 22. Juli ziehen wollen: von der Apostelin der Apostel zu den Frauen, die heute Apostelinnendienst tun.“ Angelika Ritter-Grepl, Vorsitzende kfbö

Über die kfbö: Die Katholische Frauenbewegung Österreichs ist eine der größten zivilgesellschaftlichen Frauenorganisationen Österreichs. Sie setzt sich für Gleichstellung, soziale Gerechtigkeit und die Stärkung von Frauen in Kirche und Gesellschaft ein. www.kfb.at

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