Historische Ernennung im Vatikan: kfbö gratuliert Schwester Alessandra Smerilli zur neuen Präfektin
Katholische Frauenbewegung Österreichs würdigt dritte Frau an der Spitze eines vatikanischen Dikasteriums und dankt Kardinal Czerny für jahrelange enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit
Die Katholische Frauenbewegung Österreichs (kfbö) gratuliert Schwester Alessandra Smerilli FMA von ganzem Herzen zu ihrer Ernennung zur Präfektin des Dikasteriums für den Dienst zugunsten der ganzheitlichen Entwicklung des Menschen. Papst Leo XIV. hat die bisherige Sekretärin des Dikasteriums mit Wirkung zum 1. September 2026 in dieses bedeutende Amt berufen.
„Das ist ein Tag der Freude für alle katholischen Frauen weltweit“
„Diese Ernennung ist weit mehr als eine Personalentscheidung, sie ist ein sichtbares Zeichen dafür, dass die Kirche unter Papst Leo XIV. ernst macht mit der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen an Verantwortung und Leitung„, erklärt kfbö-Bundesvorsitzende Angelika Ritter-Grepl. „Schwester Alessandra Smerilli bringt ökonomischen Sachverstand, salesianische Spiritualität als Angehörige der Don-Bosco-Schwestern und jahrelange Erfahrung im Dienst an den Armen und Verwundbaren mit. Sie ist eine außergewöhnliche Frau, und wir freuen uns von Herzen mit ihr."
Eine persönliche Begegnung, die in Erinnerung bleibt
Die kfbö verbindet mit Schwester Alessandra Smerilli bereits eine wertvolle und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Bei einer Begegnung mit Sr. Smerilli, damals noch Sekretärin des Dikasteriums, sowie ihrem mehrheitlich weiblich besetzten und auffallend jungen Mitarbeiterinnenstab, scherzhaft als „Quotenmann“ bezeichnete männliche Kollegen eingeschlossen, erlebte die kfbö-Delegation großes Interesse am Austausch und konnte im Anschluss mit verschiedenen Dienststellen Kontakte für eine künftige Vernetzung knüpfen. Eine persönliche Dankesnote von Sr. Smerilli nach dem Treffen zeugte von der Ernsthaftigkeit dieser Vernetzungsabsicht, ebenso wie eine Urkunde, die die kfbö im Rahmen dieser Begegnung vom Dikasterium erhalten hat und die diese Verbindung sichtbar dokumentiert.
Besonders eindrücklich war die klare Botschaft Sr. Smerillis: Ganzheitliche Entwicklung des Menschen verlangt nach einer Werte-Umorientierung, weg von rein ökonomischen Leitbildern, hin zu einer Aufwertung der Sorgearbeit. Ihre Forderung: weniger bezahlte Erwerbsarbeit bei gleichzeitiger Aufwertung der Sorgearbeit, sodass es für Frauen und Männer gleichermaßen normal, attraktiv und erfüllend wird, Sorge zu leisten, in der Familie wie im professionellen Care-Bereich. Sr. Smerilli brachte es auf den Punkt: Es solle nicht mehr gefragt werden „Was bist du von Beruf?„, sondern „Für wen sorgst du?„
„Diese Haltung deckt sich punktgenau mit unserer langjährigen Forderung nach gerechter Aufteilung der Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern„, betont Ritter-Grepl. „Sr. Smerillis Linie geht sogar weiter, als wir es uns erwartet hätten: Sie fordert die Abkehr vom Hausfrauen-Mutter-Modell und verlangt Strukturreformen, die Frauen und Männern gleichen Zugang zu Sorge- und Erwerbsarbeit ermöglichen. Für katholisch geprägte Familienbilder, wie sie in Österreich oft noch gepflegt werden, ist das eine echte Herausforderung, und genau diese Herausforderung begrüßen wir.“ Bemerkenswert war zudem, dass die kfbö-Delegation im Dikasterium Mütter traf, die, anders als in Österreich oft üblich, dank gelebter Unterstützungsstrukturen Erwerbsarbeit und Familie gut miteinander vereinbaren konnten.
„Wir freuen uns auf die künftige Zusammenarbeit mit Schwester Alessandra Smerilli als Präfektin und sind überzeugt, dass diese Partnerschaft, die bereits auf einem persönlichen und herzlichen Fundament steht, noch enger und fruchtbarer werden wird„, so Ritter-Grepl.
Dritte Frau an der Spitze eines Dikasteriums
Mit Schwester Alessandra Smerilli steht nun bereits die dritte Frau an der Spitze eines vatikanischen Dikasteriums, ein Trend, den die kfbö mit großer Aufmerksamkeit und Freude verfolgt. Bereits Anfang 2025 ernannte Papst Leo XIV. die italienische Ordensschwester Simona Brambilla (61) zur Leiterin des Ordensdikasteriums, ebenfalls mit einem Pro-Präfekten an ihrer Seite, eine Struktur, die sich nun auch bei Schwester Smerilli wiederholt. Im Juni 2026 ernannte der Papst zudem mit der US-Amerikanerin Maria Montserrat Alvarado (39) erstmals eine Laiin zur Präfektin: Sie wird ab November die Kommunikationsbehörde des Vatikans leiten.
„Drei Präfektinnen innerhalb weniger als zweier Jahre, das ist kein Zufall, sondern Programm. Hier zeigt sich ein Pontifikat, das Frauen tatsächlich Leitungsverantwortung anvertraut, nicht nur darüber spricht„, betont Ritter-Grepl. „Als kfbö beobachten wir diese Entwicklung mit großer Hoffnung und mit der klaren Erwartung, dass ihr weitere Schritte folgen."
Dank an Kardinal Czerny für eine Amtszeit im Geist der Synodalität
Gleichzeitig spricht die kfbö Kardinal Michael Czerny SJ ihren herzlichen und aufrichtigen Dank aus. Unter seiner Leitung seit 2022 hat sich das Dikasterium konsequent dem Zuhören, dem Dialog und der Zusammenarbeit mit den Ortskirchen verschrieben, ein Stil, den die kfbö in zahlreichen gemeinsamen Anliegen als außerordentlich konstruktiv und wertschätzend erlebt hat. „Kardinal Czerny war für uns in den vergangenen Jahren ein verlässlicher und offener Partner. Die Zusammenarbeit mit ihm war von gegenseitigem Respekt und echtem Vertrauen getragen, dafür sind wir ihm von Herzen dankbar„, betont Ritter-Grepl.
Magnifica Humanitas: Frauenpolitik im Zentrum des Pontifikats
Die Ernennung fügt sich für die kfbö in ein größeres Bild: Mit der ersten Enzyklika Magnifica Humanitas hat Papst Leo XIV. bereits im Mai 2026 ein starkes Zeichen für Menschenwürde, soziale Gerechtigkeit und ganzheitliche Entwicklung gesetzt. Dass nun mit Schwester Alessandra Smerilli erneut eine Frau ein zentrales Dikasterium leitet, ist für die kfbö die konsequente und überzeugende Fortsetzung dieses Kurses. „Dieser Papst versteht, dass echte ganzheitliche Entwicklung ohne die volle Teilhabe von Frauen nicht zu haben ist. Dafür sind wir als kfbö zutiefst dankbar und wir sind bereit, diesen Weg als enge Partnerinnen weiter mitzugehen„, so Ritter-Grepl abschließend.
Die kfbö wird Schwester Alessandra Smerilli zu ihrem Amtsantritt am 1. September 2026 persönlich gratulieren und die bestehende Zusammenarbeit mit dem Dikasterium aktiv fortführen.