9. Stille und Resonanzfähigkeit
Wir hören so viel, aber wann hören wir wirklich hin? Die Schöpfung spricht – bleibt aber leider meist ungehört. Es braucht ein Stillwerden, um die vielen Sprachen der Natur wahrzunehmen. In einer von Lärm und endloser, nervtötender Ablenkung geprägten Umgebung gelingt dies kaum, weil die Fähigkeit zur Resonanz verloren geht. Für Papst Franziskus ist Stille ein Raum der Begegnung. Wer innehält, wird empfänglich für das, was sich nicht aufdrängt, sondern leise zeigt. Auch wissenschaftlich ist bekannt, dass Dauerlärm und Reizüberflutung unser aller Wahrnehmung einschränken. Stille hingegen schenkt Konzen- tration und vertieftes Erleben.
Zitat
Ein rechtes Verständnis der Spiritualität besteht zum Teil darin, unseren Begriff von Frieden zu erweitern, der viel mehr ist, als das Nichtvorhandensein von Krieg. Der innere Friede der Menschen hat viel zu tun mit der Pflege der Ökologie und mit dem Gemeinwohl, denn wenn er authentisch gelebt wird, spiegelt er sich in einem ausgeglichenen Lebensstil wider, verbunden mit einer Fähigkeit zum Staunen, die zur Vertiefung des Lebens führt. Die Natur ist voll von Worten der Liebe. Doch wie können wir sie hören mitten im ständigen Lärm, in der fortdauernden und begierigen Zerstreuung oder im Kult der äußeren Erscheinung? Viele Menschen spüren eine tiefe Unausgeglichenheit, die sie dazu bewegt, alles in Höchstgeschwindigkeit zu erledigen, um sich beschäftigt zu fühlen, in einer ständigen Hast, die sie wiederum dazu führt, alles um sich herum zu überfahren. Das wirkt sich aus auf die Art, die Umwelt zu behandeln. LS 225
Impulse
Das Wasser hören: Welche Botschaft könnte dieser Bach genau dir heute mitgeben wollen?
Den Alltag unterbrechen: Gönne dir und deiner Umgebung zehn Minuten Stille. Lass dich überraschen von den positiven Aus- wirkungen des Hinhörens.
Gebet
WIR HÖREN SOVIEL
aber zu wenig hin
du gott der liebe
erinnere uns deiner entlärmung
vielleicht brauchen wir nur
mehr hinhören in der welt
damit wir wieder
mit worten umarmen können
vielleicht
ist das gegenteil von fülle
nicht leere
aber erfüllung
amen
Siljarosa Schletterer
English Summary:
We hear so much — but when do we truly listen? Creation speaks, yet often remains unheard. To perceive the many languages of nature, we need moments of silence. In a world shaped by noise and constant distraction, our capacity for resonance can fade. Silence opens a space of encounter. It helps us become receptive to what does not impose itself, but quietly reveals itself. It deepens concentration and allows us to experience the world more fully.
Guiding questions:
– What message might this stream want to give you today?
– Could you give yourself and your surroundings ten minutes of silence? What changes when you truly listen?