7. Sozio-ökologische Krisen bewältigen
Wo Wasser fehlt, Ernten ausbleiben oder Lebens- räume zerstört werden, ist auch Frieden und soziale Stabilität gefährdet. Papst Franziskus be- tont deshalb, dass es nicht eine ökologische und eine soziale Krise gibt, sondern eine einzige, miteinander verbundene. Um sie zu bewältigen, müssen wir eine Ganzheitlichkeit wählen. Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung gehören untrennbar zusammen. Dieses Verständnis beginnt mit einem offenen Herzen, das fähig ist, wirklich die Schönheit wie auch Komplexität der Welt zu sehen. Edith Stein, eine Märtyrerin der NS-Zeit, der eine Kapelle an diesem Ort geweiht ist, lebte diese Haltung. Sie versuchte als Philosophin und Karmelitin der Wirklichkeit ohne Vorbehalte zu begegnen und wurde eine große Liebende.
Zitat
Wenn andererseits das Herz wirklich offen ist für eine universale Gemeinschaft, dann ist nichts und niemand aus dieser Geschwisterlichkeit ausgeschlossen. Folglich ist es auch wahr, dass die Gleichgültigkeit oder die Grausamkeit gegenüber den anderen Geschöpfen dieser Welt sich letztlich immer irgendwie auf die Weise übertragen, wie wir die anderen Menschen behandeln. Das Herz ist nur eines, und die gleiche Erbärmlichkeit, die dazu führt, ein Tier zu misshandeln, zeigt sich unverzüglich auch in der Beziehung zu anderen Menschen. Jegliche Grausamkeit gegenüber irgendeinem Geschöpf „widerspricht der Würde des Menschen“. Wir können uns nicht als große Liebende betrachten, wenn wir irgendeinen Teil der Wirklichkeit aus unseren Interessen ausschließen. „Friede, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung sind drei absolut miteinander verbundene Themen, die nicht getrennt und einzeln behandelt werden können, ohne erneut in Reduktionismus zu fallen.“ Alles ist aufeinander bezogen, und alle Menschen sind als Brüder und Schwestern gemeinsam auf einer wunderbaren Pilgerschaft, miteinander verflochten durch die Liebe, die Gott für jedes seiner Geschöpfe hegt und die uns auch in zärtlicher Liebe mit „Bruder Sonne“, „Schwester Mond“, Bruder Fluss und Mutter Erde vereint. LS 92
Impulse
Das Leben spüren: Erzähle oder schreibe über eine Begegnung mit einem liebenden Menschen, die dir einen neuen Horizont erschlossen hat.
Bubbles verlassen: Versuche in absehbarer Zeit ein Gespräch mit einer Person, die weltanschaulich oder politisch eine andere Überzeugung hat als du.
Gebet
WER BIST DU, LICHT,
das mich erfüllt
und meines Herzens Dunkelheit erleuchtet?
Du leitest mich gleich einer Mutter Hand,
ließest Du mich los,
so wüsste keinen Schritt ich mehr zu gehen.
Du bist der Raum,
der rund mein Sein umschließt und in sich birgt,
aus Dir entlassen sänk' es
in den Abgrund des Nichts,
aus dem Du es zum Sein erhobst.
Du, näher mir als ich mir selbst
und innerlicher als mein Innerstes –
und doch ungreifbar und unfassbar
und jeden Namen sprengend:
Heiliger Geist - Ewige Liebe.
Amen
Edith Stein (1891-1942), Philosophin, (zitiert nach „Hörgott“, Herder, S. 87)
English Summary:
When water becomes scarce, harvests fail, or habitats are destroyed, peace and social stability are also threatened. Pope Francis reminds us that ecological and social crises are deeply connected. Peace, justice, and care for creation belong together. This begins with an open heart that can see both the beauty and complexity of the world. Edith Stein, philosopher, Carmelite, and martyr of the Nazi era, lived this attitude by encountering reality with openness and love.
Guiding questions:
– Can you recall or write about an encounter with a loving person that opened up a new horizon for you?
– Could you seek a conversation with someone who holds different religious, philosophical, or political views from your own?