4. Biodiversität schützen

Jedes Geschöpf hat seine eigene Bedeutung und Würde, unabhängig davon, ob es Menschen „nützt“ oder wirtschaftlich „verwertbar“ ist. Gerade in einer Zeit, in der Natur zunehmend als Ressource, Fläche oder Wirtschaftsfaktor betrachtet wird, betont Papst Franziskus: Die Mitwelt in ihrer faszinierenden Diversität besitzt Eigenwert. Auch in der biblischen Schöpfungserzählung geht es um Verantwortung und Fürsorge. Der Mensch soll im Auftrag Gottes die Welt in ihrer Vielfalt schützen! Jeder Verlust von Biodiversität und das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten gefährden Gleichge- wichte und schädigen den ganzen Planeten.

4. Biodiversität schützen

Zitat

Diese Verantwortung gegenüber einer Erde, die Gott gehört, beinhaltet, dass der Mensch, der vernunftbegabt ist, die Gesetze der Natur und die empfindlichen Gleichgewichte unter den Geschöpfen auf dieser Welt respektiert, „denn er gebot, und sie waren erschaffen. Er stellte sie hin für immer und ewig, er gab ihnen ein Gesetz, das sie nicht übertreten“ (Ps 148,5b-6). Daher kommt es, dass die biblische Gesetzessammlung sich damit aufhält, dem Menschen verschiedene Vorschriften nicht nur in Beziehung zu den anderen Menschen, sondern auch in Beziehung zu den anderen Lebewesen zu geben: „Du sollst nicht untätig zusehen, wie ein Esel oder ein Ochse deines Bruders auf dem Weg zusammenbricht. Du sollst dann nicht so tun, als gingen sie dich nichts an […] Wenn du unterwegs auf einem Baum oder auf der Erde zufällig ein Vogelnest mit Jungen oder mit Eiern darin findest und die Mutter auf den Jungen oder auf den Eiern sitzt, sollst du die Mutter nicht zusammen mit den Jungen herausnehmen“ (Dtn 22,4.6). Auf dieser Linie wird die Ruhe am siebten Tag nicht nur für den Menschen vorgeschrieben, sondern auch, „damit dein Rind und dein Esel ausruhen“ (Ex23,12). Auf diese Weise bemerken wir, dass die Bibel keinen Anlass gibt für einen despotischen Anthropozentrismus, der sich nicht um die anderen Geschöpfe kümmert. Während wir die Dinge in verantwortlicher Weise gebrauchen dürfen, sind wir zugleich aufgerufen zu erkennen, dass die anderen Lebewesen vor Gott einen Eigenwert besitzen und ihn „schon allein durch ihr Dasein preisen und verherrlichen“, denn der Herr freut sich seiner Werke (vgl. Ps 104,31). Gerade wegen seiner einzigartigen Würde und weil er mit Vernunft begabt ist, ist der Mensch aufgerufen, die Schöpfung mit ihren inneren Gesetzen zu respektieren, denn „der Herr hat die Erde mit Weisheit gegründet“ ( Spr 3,19). […] Die unterschiedlichen Geschöpfe spiegeln in ihrem gottgewollten Eigensein, jedes auf seine Art, einen Strahl der unendlichen Weisheit und Güte Gottes wider. Deswegen muss der Mensch die gute Natur eines jeden Geschöpfes achten und sich hüten, die Dinge gegen ihre Ordnung zu gebrauchen.“ LS 68/69

Impulse

Unscheinbares achten: Richte deine Aufmerksamkeit auf ein Insekt, Moos oder Ähnliches in deiner Nähe: Was ist aus der Perspektive dieses Lebens wichtig?

Bewusst wahrnehmen: Versuche in einem Moment der Stille die Lebewesen um dich herum wahrzu- nehmen. Spürst du, dass sie alle wertvoll sind?

 

Gebet

DER DAS SEIENDE SCHUF 

Du bist der Einzige, der das Seiende schuf,

der Einzige, der allein war, als er alles Wesen schuf,

aus dessen Augen die Menschen herauskamen,

auf dessen Mund die Götter entstanden,

der das Kraut für die Herden schuf

und den Lebensbaum für die Menschen;

der hervorbringt, wovon die Fische im Strom leben

und die Vögel, die am Himmel dahinfliegen;

der dem Küken im Ei Luft gibt,

und der das Junge der Schlange ernährt;

der schafft, wovon die Mücken leben,

und ebenso die Würmer und Flöhe;

der schafft, wessen die Mäuse in ihren Löchern bedürfen,

und der die Vögel in jedem Baum ernährt.

Heil Dir, der dies alles schuf, einzig und allein,

Vielarmiger,

der die Nacht durchwacht, während alle Welt schläft,

indem er das Vortrefflichste für sein Getier sucht.

Amun, dauernd in allen Dingen. Atum, Harachti!

 

 

Hymne, Ägypten, ca. 3. Jahrtausend v. Chr.

(zitiert nach „Hörgott“, Herder, S. 235)

 

English Summary

Every creature has its own meaning and dignity, regardless of whether it is “useful” to humans or economically “valuable.” Especially in a time when nature is increasingly viewed as a resource, a piece of land, or an economic factor, Pope Francis emphasizes that the more-than-human world, in all its fascinating diversity, has intrinsic value. The biblical story of creation also speaks of responsibility and care. Human beings are called by God to protect the world in all its diversity. Every loss of biodiversity and every extinction of animal and plant species endangers delicate balances and harms the entire planet.

Guiding questions:
– Direct your attention to an insect, moss, or something similar nearby: What might be important from the perspective of this living being? 

– In a moment of silence, can you become aware of the living beings around you? Can you sense that each of them is valuable?