Kommentar zum Sonntag: Ganz Ohr sein

Gott redet direkt - Kommentar zu Mt 13, 1–9

„Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Dieser Satz stammt vom Philosophen Paul Watzlawick. „Wer Ohren hat, der höre!“, am Ende des heutigen Evangeliums schlägt in dieselbe Kerbe. An beiden Sätzen reibe ich mich derzeit etwas. Weil sie einerseits genau etwas urmenschliches auf den Punkt bringen, andererseits durch neue Möglichkeiten von Kommunikation immer mehr durcheinandergeraten. Ich kommuniziere zum Beispiel am häufigsten über WhatsApp. Da kann ich meinem Neffen schnell in der Früh in der Familiengruppe zum Geburtstag gratulieren und die anderen gleichzeitig daran erinnern, dass sie es auch tun sollten. In meinem Status mit einem Bild ein paar Minuten später den nächsten Gottesdienst oder das kommende Fest ankündigen und mit den likes Stunden später abschätzen, ob die Botschaft angekommen ist. Recht praktisch ist das. Und ich erreiche damit mehr Menschen, als würde ich die alten Methoden wählen. Doch der Haken daran: direkt kommuniziert habe ich weder mit meinem Neffen noch mit sonst jemandem.

Kann man also doch nicht kommunizieren, obwohl ich meine es zu tun? Und gehört nicht zum Hören mit den Ohren auch das Sprechen mit dem Mund? So wie eben der Sämann auch aufs Feld gehen muss, um mit seinen Augen zuerst zu sehen, ob der Boden auch zum Säen bereit ist – will er auch einen Ertrag haben.

Was, wenn sich die geänderte Art, wie wir im Alltag miteinander kommunizieren oder eben nicht, dieses sich unterhalten ohne direkten Kontakt, einer der wichtigsten Gründe ist, warum Religion und Glaube in der Krise ist? Weil Gott eben mit mir und dir direkt reden und nicht blos unseren Status liken will?

 

 

Wolfgang Meixner 

Pfarrer im SR Arzl-Mühlau-Saggen

 

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