Kommentar zum Sonntag: Bleibe bei uns!
“Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus...”. Essen zu organisieren für so viele Menschen, scheint ihnen unmöglich. Deshalb möchten sie sie wegschicken. Aber Jesus sieht, wie die vielen verängstigt und schockiert sind, weil ihr Lehrer Johannes Opfer einer skandalösen Hinrichtung geworden war. Sie hungern nach einer Deutung dieses Geschehens und nach neuer Hoffnung. Matthäus stellt Jesus zunächst auch ganz menschlich in Trauer, Angst und Sorge dar. Dennoch kann er den Suchenden etwas geben und sieht seine Zeit gekommen. Sie nur wegen Essen wegzuschicken, ist das nötig? Er hat Mitleid mit ihnen und heilt ihre Kranken. Seine Erfahrung in der Wüste war: “Der Mensch lebt nicht vom Brot allein.” (Mt 4,4) Die Kraft, die ihm gegeben war, um dem Bösen zu widerstehen, will er weitergeben und teilen. Widerstehen können, gibt Kraft. Das hatte auch an Johannes fasziniert. Mit Jesus kann es weitergehen. Er gibt nicht auf. War nicht auch dem Volk Israel in der Wüste das Manna geschenkt worden? Jesus tritt in die Fußstapfen des Gottesmannes Elischa und dessen wunderbarer Brotvermehrung. Bei Jesus erleben die trauernden und hungernden Menschen noch Größeres: die göttlichen Kräfte des Messias, des Retters. Seine bleibende Gegenwart nährt.
Lic. theol. Sibylle Geister-Mähner
Seelsorgerin im Landeskrankenhaus Hall