Friedenslicht an symbolträchtigem Ort

Am Samstag, 18. Dezember 2021, überbrachten Innsbrucker PfadfinderInnen das Friedenslicht zum 30. Mal ihren Gegenübern aus Südtirol.

Sechs Mitglieder der Pfadfindergruppe Innsbruck 10 – ebensoviele wie beim ersten Mal – reisten am Samstagnachmittag, 18. Dezember, mit dem Zug zum Brenner. Die Hälfte von ihnen war von Anfang an mit dabei, 30 Mal brachten sie nun schon das Friedenslicht ihren Südtiroler KollegInnen. „Zuerst haben wir es nur einer Gruppe – Sand in Taufens – gebracht, das hat sich dann immer mehr ausgeweitet“, erinnert sich Andi Panwinkler. Auch für seine Gattin Ingrid und Karin Zengerer ist die Übergabe seit drei Jahrzehnten ein Fixtermin vor Weihnachten. Damals sind sie mit dem Auto gefahren – mit welchem genau, darüber diskutieren sie amüsiert während der Zugfahrt. Mittlerweile kamen sogar schon Gruppen aus dem Trentino und Venetien zur Friedenslichtübergabe an die Brennergrenze. 

Das Friedenslicht steht für die Hoffnung auf Frieden, die alle Menschen, unabhängig von Religion und Nationalität, verbindet und erinnert an die Pflicht, sich für ebensolchen einzusetzen. Vor 35 Jahren wurde es von oberösterreichischen Pfadfindern eingeführt, um die Aktion Licht ins Dunkel zu unterstützen. Nach und nach hat es sich als Tradition auf weite Teile Europas ausgedehnt. Coronabedingt wurde es in Betlehem in diesem Jahr von einer Einheimischen, der neunjährigen Rianna Danhoin aus Bethlehem in der Geburtsgrotte entzündet und dann mit einer Speziallampe per Flugzeug nach Österreich gebracht. VertreterInnen der neun österreichischen Pfadfinder-Landesverbände haben im Salzburger Dom das Friedenslicht in Empfang genommen und brachten es in Folge an die österreichischen Grenzen. Dort holen es Partnerorganisationen oder Privatpersonen ab und verteilen es im eigenen Land weiter oder bringen es abermals an dessen Grenzen. Die PfadfinderInnen wollen damit dem Auftrag ihres Gründers Lord Robert Baden-Powell folgen und sich für eine bessere Welt einsetzen. Mit der Weitergabe des Lichts von Mensch zu Mensch, soll auch der Friede zwischen den Menschen weitergegeben werden und wachsen.

Am Bahnhof Brenner wurde das Licht übergeben. Fotos: Cincelli/dibk.at

Bischöfe beider Seiten der Grenze mit dabei

Bedeutung des Brenners als Ort der Verbindung und Trennung in tragischer Weise aktuell

Das Jubiläum war auch Anlass, dass sich die beiden Bischöfe der Brennergrenze, Hermann Glettler (Innsbruck) und Ivo Muser (Bozen-Brixen) an der feierlichen Übergabe beteiligten. In ihrer gemeinsamen Predigt teilten sie das Wort Friedenslicht auf: Bischof Hermann sprach über den Aspekt Licht: „Das Jesus-Licht müssen wir weitergeben.“ Dieses Licht müsse jeder in sich selbst entzünden. Bischof Ivo Muser griff das Thema Frieden auf und bezog sich auf den symbolträchtigen Ort der Übergabe: „Der Brenner ist ein Ort der Begegnung und der Abschottung zugleich.“ In Hinblick auf die tragische Entwicklung in der Vornacht – zwei nordafrikanische Flüchtlinge wurden im Gebiet des Brenners von einem Zug überfahren als sie versuchten, die Grenze zu überwinden – führte er aus: „Ich möchte fast sagen, der Brenner ist überall. Das kleine Licht aus Betlehem ist für uns ein Auftrag, Barrieren abzubauen und Zäune nicht zu errichten!“ Er erinnerte sich, dass Papst Franziskus ihm vor einigen Jahren im Hinblick auf mögliche Grenzschließungen eindrücklich gesagt hat: „Der Brenner muss offen bleiben!“ 

Am Ende des Gottesdienstes in der Pfarrkirche Maria am Wege, übergaben die Bischöfe das Friedenslicht an die Vertreterinnen der Südtiroler Pfadfinderschaft, AGESCI (Associazione Guide e Scouts Cattolici Italiani), Jugendfeuerwehren und privaten TeilnehmerInnen. Der Pfarrer vom Brenner Corneliu Berea sowie Kinder und Jugendliche der Pfadfinderverbände und der Feuerwehrjugend gestalten die Übergabefeier mit. 

Öffentliche Verteilung zur Heiligen Nacht
Verteilt wird das Friedenslicht traditionell von an Standorten von PfadfinderInnen, Feuerwehren, Rettungsorganisationen, Pfarren, ORF-Landesstudios und oft auch an Bahnhöfen zu Heiligabend, sowie häufig schon am 23. Dezember. Bereits am Mittwoch, 22. Dezember 2021, ist es von 15 bis 18 Uhr vor der Innsbrucker Spitalskirche – Kirche im Herzen der Stadt – zu bekommen. Gesammelt werden dabei – wie seit über einer Generation – Spenden für Licht ins Dunkel.