Zwischen Hoffnung, Licht und Erinnerung

Allerheiligen und Allerseelen verbinden Gedenken, Glauben, Gemeinschaft und Hoffnung.

Wenn Anfang November Allerheiligen und Allerseelen gefeiert werden, stehen Erinnerung, Dankbarkeit und Hoffnung im Mittelpunkt. Die Kirche gedenkt an Allerheiligen aller Heiligen und Seligen, aber auch jener Menschen, die oft unbeachtet Gutes getan und Spuren im Leben anderer hinterlassen haben. Zu Allerseelen richtet sich der Blick auf die Verstorbenen und auf die Verbundenheit, die über den Tod hinaus Bestand hat.

 

Diese Tage sind tief in den Traditionen Tirols verwurzelt. Friedhofsbesuche, das Entzünden von Kerzen und das Schmücken der Gräber gehören für viele Menschen ebenso dazu wie regionale Bräuche. In Osttirol lebt etwa das „Krapfenschnagglern“ oder „Grégeln“ weiter. Kinder und Jugendliche ziehen von Haus zu Haus, bitten um Krapfen oder kleine Gaben und verbinden Gemeinschaft mit sozialem Engagement. Solche Bräuche zeigen, dass Allerheiligen nicht nur ein Tag des stillen Gedenkens ist, sondern auch von Begegnung und Zusammenhalt geprägt wird.

 

Neue Wege des Erinnerns 

Zeitgemäße Zugänge zum Thema Erinnerung eröffnet auch die Nacht der 1000 Lichter am Abend des 31. Oktober. In Kirchen, Kapellen und an besonderen Orten entstehen durch tausende Kerzen, Musik und spirituelle Impulse Räume für Stille und Besinnung. Unter dem Motto „1000 Lichter – unzählige leuchtende Augen“ wird heuer die verbindende Kraft des Projekts sichtbar gemacht. Erstmals kommt ein Live-Zähltool zum Einsatz, das die Anzahl der Besucherinnen und Besucher österreichweit sichtbar macht. Für die Anreise lohnt sich heuer ein besonderer Blick auf die öffentlichen Verkehrsmittel: Ab 20 Uhr können die Tiroler Öffis kostenlos genutzt werden.

 

Auch Kunst eröffnet neue Perspektiven auf die Themen Heiligkeit, Vergänglichkeit und Erinnerung. Im Bischofshaus Innsbruck wird ab 31. Oktober die Ausstellung „SAINTS“ des Küpnstlerduos Michelle Schmollgruber und Gergő Bánkúti gezeigt. Die Ausstellung greift traditionelle Heiligendarstellungen auf und überträgt sie in eine zeitgenössische Bildsprache.

 

Orte für Trauer und Gemeinschaft 

Rund um Allerheiligen öffnen darüber hinaus in vielen Teilen Tirols Trauerräume und Trauerzeichen ihre Türen. Sie schaffen Raum für persönliche Erinnerungen, Gespräche und Rituale und ergänzen die traditionellen Formen des Gedenkens auf den Friedhöfen. Neu hinzu kommt heuer ein Trauerraum in Hall-Schönegg.

 

Zum kirchlichen Programm gehört auch das Pontifikalamt zu Allerheiligen am 1. November um 10 Uhr im Innsbrucker Dom zu St. Jakob mit Bischof Hermann Glettler. Musikalisch gestaltet wird der Gottesdienst mit der „Loretto-Messe“ von Vinzenz Goller durch Domchor und Dombläser.

 

So zeigen die Tage rund um Allerheiligen und Allerseelen auch 2026 eine große Vielfalt: alte Bräuche und neue Formen der Spiritualität, persönliche Trauer und gemeinschaftliches Gedenken, Kunst, Musik und Orte der Begegnung. Sie laden dazu ein, der eigenen Geschichte nachzuspüren, Verstorbene im Herzen zu bewahren und Hoffnung für die Gegenwart zu finden.

Zwischen Hoffnung, Licht und Erinnerung
Foto: Cincelli/dibk