Wie geht’s der Seele in Social Media?
„Wenn digitale Räume unsere Beziehungen, unser Denken und unser Selbstbild prägen, dann geht es nicht nur um Technik – sondern um die Seele des Menschen. Gerade junge Menschen brauchen Freiheit zur Entfaltung, aber auch Schutz vor Manipulation, Überforderung und digitaler Entfremdung.“ Mit diesen Worten verweist Bischof Hermann Glettler auf die gesellschaftliche Dringlichkeit des diesjährigen Ethikforums der Diözese Innsbruck. Glettler leitet innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz die Arbeitsgruppe „KI & Kirche“ und ist zugleich zuständiger Bischof für Lebensschutzfragen.
Unter dem Titel „Wie geht’s der Seele in Social Media? Freiheit, Schutz und Verantwortung neu denken“ lädt die Diözese Innsbruck am 2. Juni 2026 ins Haus der Begegnung nach Innsbruck ein. Das Ethikforum findet traditionell im Rahmen der Woche für das Leben statt und widmet sich heuer dem Schutz der Seele und der Menschenwürde im digitalen Raum.
Welttag der sozialen Kommunikationsmittel: Kommunikation muss Menschen dienen
Anlass und inhaltlicher Bezugspunkt ist auch der 60. Welttag der sozialen Kommunikationsmittel, den die katholische Kirche am 17. Mai begeht. In seiner aktuellen Medienbotschaft warnt Papst Leo XIV. davor, menschliche Beziehungen, kritisches Denken und persönliche Verantwortung an Algorithmen und Künstliche Intelligenz auszulagern. Kommunikation dürfe nicht zur bloßen Simulation werden, sondern müsse dem Menschen dienen.
Der Papst kritisiert insbesondere digitale Systeme, die schnelle Emotionen belohnen, Polarisierung verstärken und Menschen in „Blasen schneller Zustimmung und schneller Empörung“ führen. Die zentrale Herausforderung sei nicht nur technologischer, sondern anthropologischer Natur: „Die Gesichter und Stimmen zu bewahren bedeutet letztlich, uns selbst zu bewahren“, schreibt Leo XIV.
Namhafte Expert:innen am Podium
Beim Ethikforum diskutieren Expert:innen aus Psychiatrie, Medienpädagogik, Kinderrechten und Jugendvertretung über die Auswirkungen sozialer Medien auf junge Menschen. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach psychischer Gesundheit, Medienkompetenz, Verantwortung von Plattformen sowie dem Spannungsfeld zwischen Freiheit und Schutz im digitalen Raum. Das Ethikforum versteht sich als Beitrag zu einer dringend notwendigen gesellschaftlichen Debatte: Wie können digitale Räume menschenwürdig gestaltet werden? Wie gelingt ein verantwortungsvoller Umgang mit Künstlicher Intelligenz? Und wie kann besonders die seelische Gesundheit junger Menschen geschützt werden?
„Ein hoher Medienkonsum geht meistens mit mehr Symptomen von psychischen Erkrankungen einher“, warnt die Kinder- und Jugendpsychiaterin Kathrin Sevecke. Besonders problematisch sei der ständige Vergleich mit KI-generierten Idealbildern, der das Risiko für depressive Symptome und Essstörungen erhöhe. Sevecke spricht sich daher klar für politische Rahmenbedingungen zum Schutz junger Menschen aus. Kerstin Kuba Nimmrichter von Saferinternet unterstreicht die gemeinsame Verantwortung: „KI wirkt wie ein Brandbeschleuniger für die bereits bestehenden Herausforderungen im Netz.“ Sicherheit entstehe nur dann, „wenn Politik, Eltern und Schule gemeinsam einen sicheren digitalen Raum für Jugendliche schaffen“.
Der Tiroler Kinder- und Jugendanwalt Lukas Trentini warnt vor einfachen Lösungen: Pauschale Social-Media-Verbote würden zentrale Kinderrechte berühren. Stattdessen brauche es Medienkompetenz, altersgerechte Schutzmechanismen, klare Standards für Plattformanbieter und wirksame Aufsicht. Auch die Jugendlichen selbst melden sich zu Wort: Schülervertreter Sixtus Schmiderer fordert unmissverständlich: „Medienkompetenz gehört in jeden Lehrplan.“
Ethikforum 2026
„Wie geht’s der Seele in Social Media?“
Dienstag, 2. Juni 2026, 19.00–21.00 Uhr
Haus der Begegnung, Innsbruck
Am Podium
- Univ.-Prof. Dr. Kathrin Sevecke
- Mag. Lukas Trentini
- Dipl. Päd. Kerstin Kuba-Nimmrichter
- Sixtus Schmiderer
Moderation: Mag. Angelika Stegmayr
Musikalische Gestaltung: TCS feat. Jesse
Anmeldung bis 26. Mai unter: https://hdb.dibk.at/bildungsprogramm/ethikforum-wie-geht-s-der-seele-in-social-media