Wenn Entlastung schwer leistbar wird
Der Muttertag steht in vielen Familien für einen liebevoll gedeckten Frühstückstisch, bunte Blumen und selbstgebastelte Aufmerksamkeiten. Doch dieser Tag ist nicht für alle harmonisch. Viele Familien stehen tagtäglich vor großen Herausforderungen – unabhängig von Muttertag oder anderen Feierlichkeiten.
„Der Familienalltag ist oft herausfordernd. Wenn zusätzlich finanzielle Engpässe auftreten, verschärft sich die Situation deutlich. In den vergangenen Jahren sind die Lebenshaltungskosten so stark gestiegen, dass selbst grundlegende Bedürfnisse für manche Menschen – besonders für Familien – nur noch schwer leistbar sind. Finanzielle Sorgen sind zudem häufig Auslöser weiterer Probleme, etwa psychischer Erkrankungen“, erklärt Caritas-Direktorin Elisabeth Rathgeb.
Gerade in solchen belastenden Situationen ist schnelle und unbürokratische Unterstützung besonders wichtig.
Entlastung durch Familienhilfe
Familien in akuten Notsituationen, die einen Betreuungsengpass haben und kurzfristig Unterstützung benötigen, können sich direkt an den Entlastungsdienst der Caritas Familienhilfe wenden. Mitarbeiter*innen der Caritas kommen bei kurzfristigen Betreuungsausfällen – wie zum Beispiel bei einer akuten Krankheit oder Verletzung der Betreuungspersonen oder in der Zeit rund um die Geburt von Geschwisterkindern – in die Familien, um bei der Kinderbetreuung zu unterstützen.
Für den Einsatz der Familienhilfe ist ein Selbstbehaltsanteil vorgesehen, um die Gesamtkosten decken zu können. Genau dieser wird jedoch zunehmend zur Hürde. Trotz sozialer Staffelung – die Beträge befinden sich zwischen knapp über 3 Euro pro Stunde bis knapp über 12 Euro pro Stunde – können immer mehr Familien den Selbstbehalt nicht mehr aufbringen.
Alina Hornsteiner, Leiterin der Familienhilfe, beobachtet diese Entwicklung seit Längerem: „Aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten wurden unsere Selbstbehalte in den vergangenen Jahren beispielsweise nicht indexangepasst. Die Beiträge sind zwar sozial gestaffelt – etwa nach Allein- oder Doppelverdienerhaushalten und Kinderanzahl –, dennoch zeigt sich bereits im Erstgespräch oft, dass der Stundensatz für viele Familien kaum mehr leistbar ist.“
Mehr Kinderbetreuung, um mehr arbeiten zu können
„Generell stellen wir fest, dass viele Familien auf Kinderbetreuung angewiesen sind. Viele Eltern würden ihre Kinder gerne häufiger in Kinderbetreuungseinrichtungen geben, um mehr arbeiten und finanziell besser über die Runden kommen zu können“, berichtet Hornsteiner. Doch gerade die zusätzlichen Betreuungskosten stellen dann ein großes Problem dar – sofern überhaupt ein passender Betreuungsplatz verfügbar ist. Finanzielle Sorgen führen in vielen Familien zu einer großen psychischen Belastung.
In Fällen von Überlastung oder Erkrankung ermöglicht die Familienhilfe - über einen begrenzten Zeitraum von wenigen Wochen - zumindest kurzfristige Entlastung. „Die Eltern können einmal durchschnaufen und neue Kraft schöpfen“, so Hornsteiner. „Unser Anspruch ist es, jede Familie in unserem Betreuungsgebiet bei Bedarf zu unterstützen. Dafür müssen wir manchmal zusätzliche Wege gehen – etwa über Förderungen oder andere individuelle Lösungen.“
Die Familienhilfe der Caritas ist in den Bezirken Innsbruck, Innsbruck-Land, Schwaz und Lienz verfügbar und wird durch Caritas-Spenden sowie Beiträge von Stadt und Gemeinden unterstützt. Im Wipptal wird derzeit an einem Ausbau des Angebots gemeinsam mit dem Planungsverband gearbeitet.
Weitere Angebote
Zusätzlich zur Familienhilfe bietet die Caritas auch kostenlose Familienberatung an. Dort erarbeiten Expert:innen gemeinsam mit den Familien konkrete Lösungswege und schaffen kurz- wie langfristige Entlastung.
In der Caritas-Sozialberatung werden Familien in finanziellen Schwierigkeiten beraten und mögliche Förderungen aufgezeigt. Auch dieses Angebot ist kostenlos und wird durch Spenden ermöglicht.
Die sozialpädagogische Familienhilfe wird über die Kinder- und Jugendhilfe vermittelt und unterstützt Familien dabei, wieder zu einem stabilen Alltag zu finden. Die Kosten dafür trägt das Land Tirol.