Vier Jahre Krieg: „Du musst weiterleben“

Ökumenisches Friedensgebet im Dom zu Innsbruck als starkes Zeichen für Hoffnung und europäische Solidarität

Mit einem bewegenden ökumenischen Friedensgebet im Dom zu St. Jakob gedachten Vertreterinnen und Vertreter von Kirche, Land Tirol, Konsulat der Ukraine sowie zahlreiche Gläubige und Mitglieder der ukrainischen Community des vierten Jahrestages des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. 

Im Mittelpunkt des Gebets am Sonntag, 22. Februar 2026, standen jene, die am stärksten betroffen sind: Kinder aus der Ukraine, die derzeit zu einem Erholungsaufenthalt in Tirol sind. Während der Ansprache des Honorarkonsuls standen sie neben ihm am Rednerpult – ein stilles, kraftvolles Bild, das viele der Anwesenden tief berührte. 

 

„Du musst weiterleben“ 

Bischof Hermann Glettler stellte seine Ansprache unter einen eindringlichen Zuspruch, den er aus der Begegnung mit dem griechisch-katholischen Bischof Petro Loza Sokal übernahm: „Du musst weiterleben!“ Hunderte Male werde dieser Satz in der Ukraine ausgesprochen – als Ermutigung für Menschen, die durch Krieg, Verlust, Ermüdung und Verzweiflung gezeichnet sind.

 

Bischof Glettler betonte, dass dieser Zuspruch auch an diesem Abend im Dom ein gemeinsamer Gebetsruf sein solle. Verzweiflung dürfe nicht siegen. Gott selbst spreche dieses Wort den Menschen zu. Zugleich erinnerte er daran, dass sich Europa nicht an den Krieg gewöhnen dürfe. Solidarität und konkrete Hilfe – humanitär wie politisch – seien notwendige Zeichen der Verbundenheit. Unser Gebet sei ebenso wertvoll wie materielle Unterstützung, weil es den Menschen in der Ukraine zeige: Ihr seid nicht vergessen. Der Bischof rief dazu auf, den Heiligen Geist als Beistand zu erflehen – als Kraftquelle gegen Frustration, Gleichgültigkeit und Ermüdung. Frieden beginne nicht mit Resignation, sondern mit innerer Standhaftigkeit.

 

Kinder im Zentrum – Wärme als Antwort auf Kälte  

Der Honorarkonsul der Ukraine in Tirol, Walter Peer, bezog die anwesenden Kinder direkt in seine Rede ein und stellte ihnen einfache Fragen auf Ukrainisch: Ob ihnen hier warm sei. Ob es ihnen gut gehe. Vierzehn Tage ohne Sirenen. Vierzehn Tage ohne Sorgen. Vierzehn Tage mit Sicherheit und Geborgenheit. Er betonte: „Wer Kindern Wärme schenkt, schützt die Zukunft Europas.“ Diese Wärme sei keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck gelebter Menschlichkeit. 

 

Solidarität zeigt sich im Handeln  

Landtagspräsidentin Sonja Ledl-Rossmann unterstrich die Verantwortung des Landes Tirol: „Tirol steht zu seiner humanitären Verantwortung. Solidarität zeigt sich im Handeln – und genau das tun wir. Wenn Kinder hier Schutz und Stabilität erfahren, ist das ein starkes Zeichen unserer europäischen Verbundenheit.“ Das Land Tirol habe die Initiative organisatorisch maßgeblich getragen und in enger Abstimmung mit dem Konsulat ermöglicht. 

 

Ökumenisches Zeichen der Einheit 

Das Friedensgebet wurde ökumenisch gestaltet. Neben Bischof Hermann Glettler wirkten die evangelische Pfarrerin Ulrike Swoboda, der ukrainische Pfarrer Roman Ptasjuk sowie Vasyl Semechyn der unierten Kirche aus der Ukraine mit. Ukrainischer Gesang rahmte die Feier und verlieh ihr eine besondere Würde und Intensität. Die Bilder des Abends – Kinder im Altarraum, vereinte Geistliche unterschiedlicher Konfessionen, Vertreter von Kirche, Politik und Wissenschaft Seite an Seite – dokumentieren ein klares Signal: Menschlichkeit verbindet. 

 

Kultur, Sprache und europäische Werte 

Dr. Nataliia Sorokina vom Institut für Slawistik der Universität Innsbruck betonte die Bedeutung der ukrainischen Sprache und Kultur als Teil des europäischen Geistesraums. Univ.-Prof. Dr. Jürgen Fuchsbauer, Dekan der Philologisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät, hob den unbeugsamen Willen und die europäische Orientierung der Ukraine hervor und sprach den Menschen seinen tiefen Respekt aus. 

 

Ein gemeinsames Signal 

Das Friedensgebet machte deutlich, so Peer: „Kirche, Land Tirol, das Konsulat und damit die Ukrainische Gemeinde in Tirol stehen gemeinsam für Frieden, Würde und Verantwortung.“ Kriege haben einen Anfang – und ein Ende: „Doch Menschlichkeit ist eine Entscheidung im Hier und Jetzt.“ Oder, wie es an diesem Abend mehrfach ausgesprochen wurde: Du musst weiterleben. 

Vier Jahre Krieg: „Du musst weiterleben“
Fotos: Stanic/dibk