Streit um Ainara – Filmstart am 29. Oktober

Im Film „Glaube“ geht es um eine Maturantin, die in einen Orden eintreten möchte. Das bringt Konflikte in der Großfamilie zum Vorschein. Filmkritik aus dem Tiroler Sonntag

Wenn ein Film „Glaube“ heißt, wird man misstrauisch. Was kommt jetzt schon wieder ins Kino? Ein schmachtvoller, emotionsgeladener und missionarischer Verkündigungsfilm? Bei dem man gar nicht anders kann, als nachher geläutert und gläubig den Kinosaal zu verlassen? Eine Art cineastische Gottesbegegnung? Oder eine Erzählung von Machtmissbrauch und verschrobener Hingabe, von zu gläubigen Menschen und anderen, die das ausnützen? Alles ist möglich unter diesem Titel. Und der spanische Originaltitel „Sonntags“ hilft auch nicht wirklich weiter. Ministrantenelend in der Sakristei? Familientreffen mit Konflikt- oder Bekehrungspotenzial?Klausur oder nichtDie Sache mit dem Familientreffen kommt dem Film schon näher. Um Gott geht es im Film „Glaube“ nur indirekt. Und dennoch ist es keine Themenverfehlung. Die spanische Regisseurin Alauda Ruiz de Azúa, die bisher unter anderem in einer vierteiligen Serie rund um das Thema sexueller Missbrauch an Frauen Regie geführt hat, nähert sich diesmal unspektakulär dem Leben einer wohlsituierten Großfamilie an, die sich verschiedenen Herausforderungen stellen muss. Ausgangspunkt im Film ist eine eher ungewöhnliche Herausforderung: Die älteste Enkelin von María Dolores ist im Maturajahr an einer katholischen Schule. Die Siebzehnjährige denkt darüber nach, in das Kloster einzutreten, zu dem die Schule gehört. An dieser Stelle gibt es eine der wenigen Unschärfen des Films: Es wird erwähnt, dass es sich um einen Klausurorden handle, also um eine Gemeinschaft, in der die Ordensfrauen die Klausur so gut wie nie verlassen. Wie es dann kommt, dass sie eine Schule führen, erschließt sich nicht.Unaufgeregtes KinoAbgesehen davon sucht man nach Unstimmigkeiten und oberflächlich recherchierten Details, wie sie in Filmen über religiöse Themen allzu häufig vorkommen, vergebens. Keine überspitzten Highschool-Dramen, keine Drogenexzesse – abgesehen vom ruhig verlaufenden Trinkspiel „Wahrheit oder Pflicht“ beim Schulchorausflug auf eine Hütte –, keine Gewaltszenen. Dass 800.000 Menschen in Spanien diesen unaufgeregt beobachtenden Film im Kino gesehen haben, ist erstaunlich. Eine kleine Gegenbewegung zu immer schnelleren, immer lauteren, extravaganten oder problembeladenen Filmen.Um wen geht es hier?Ainara hat ihre Mutter früh verloren. Sie lebt mit ihrem Vater, der ein Restaurant besitzt, dessen Freundin und ihren zwei kleinen Schwestern zusammen. Regelmäßig (wohl sonntags, worauf der Originaltitel hinweist) besucht die Familie die Großmutter, María Dolores. Dort trifft sie auch Tante Maite, die Schwester des Vaters, deren Freund und deren kleinen Sohn. Am Familientisch wird vieles verhandelt, was sich im Leben Ainaras abspielt. Doch fragt man sich manchmal: Um wen geht es in diesem Film eigentlich? Ist Ainara die Hauptperson? Oder geht es mehr um die engagierte Tante Maite, die versucht, Ainara vom Eintritt in das Kloster abzubringen?Sekte oder KlosterTante Maite agiert sicher im besten Glauben. Sie hält ihre Nichte aufgrund ihrer Nähe zum Kloster für eine religiöse Fanatikerin. „Das ist keine Sekte“, verteidigt Ainaras Vater seine Tochter, „verwechsle das nicht!“. Für Tante Maite ist die Freiheit das Wichtigste. Ainara soll in ihren Augen an die Uni gehen, nicht so sehr wegen des Studiums, sondern wegen der Erfahrungen, die sie dort machen könnte. Am besten ins Ausland, „aber nicht nach Irland, die sind zu katholisch.“ London wäre da schon besser. Dass Maite von allen Familienmitgliedern finanziell am besten dasteht, erfährt man im Lauf der Geschichte. Ainaras Suche nach einer Lebensentscheidung löst in der Familie Streit aus: zwischen den erwachsenen Geschwistern ebenso wie zwischen Tante Maite und ihrem Freund. Als die Großmutter stirbt, gibt es Konflikte wegen der Erbschaft. Auch das ist realistischer als man möchte.Erstaunlich wenig KlischeeGrundsätzlich sind die Begegnungen und Dialoge aber von gegenseitigem Respekt geprägt, sowohl innerhalb der Familie als auch im Austausch mit den Ordensfrauen. Auch das Leben im Kloster malt der Film nicht in den üblichen Klischeefarben aus, etwa in mittelalterlichen Mauern, durch die konzertreife Choralmusik tönt. Das Essen wird in einem Raum eingenommen, der wohl in den 1970er-Jahren vertäfelt wurde. Und der Konvent ist international.Die Filmmusik wird vom Schulchor getragen, was zur authentischen Ausstrahlung des Films „Glaube“ beiträgt.„Glaube“ ist ein zarter Film über die Frage, was Freiheit ist, und darüber, wo Sicherheit und Unsicherheit zu finden sind. Obwohl nichts dramatisch Unerwartetes passiert, ist es keine Aneinanderreihung von Erwartbarem.              Von Monika Slouk – aus dem aktuellen Tiroler Sonntag

Ein ruhiger Film mit viel Echo

Der spanische Film „Glaube“ kommt Ende Oktober in die österreichischen Kinos.Auf den ersten Blick gibt es nichts, was die 17-jährige Ainara von anderen Teenagern in ihrem Alter unterscheidet: Auch in der katholischen Schule gibt es heimliche Trinkabende und der attraktive Chorpartner Miguel mag ihr nicht so recht aus dem Kopf gehen. Und doch sind die Gefühle der jungen Frau nicht allein von dieser Welt: Sie fühlt sich zu Gott hingezogen. Wäre das Leben, das sich für sie richtig anfühlt, eines als Ordensschwester im katholischen Konvent? Voller Entschlossenheit begibt sich Ainara auf einen außergewöhnlichen Lebensweg. Doch der Plan bringt die Grundmauern ihrer Familie massiv ins Wanken. Während sich der immer etwas gleichgültige Vater Iñaki wenig in die Angelegenheiten seiner Tochter mischt, ist ihre selbstbestimmte Tante Maite fassungslos und setzt alles daran, Ainara von ihrem Vorhaben abzubringen und sie umzustimmen.Der Film läuft am 29. Oktober 2026 in den heimischen Kinos an.

Streit um Ainara – Filmstart am 29. Oktober
adre Txema (rechts) ist Religionslehrer und geistlicher Begleiter an Ainaras Ordensschule. Foto: David Herranz/Polyfilm