St. Georgskirche in Kals nach Renovierung geöffnet
Nach zweijähriger Renovierung ist die St. Georgskirche in Kals am Großglockner wieder geöffnet. Am 22. November 2025 weihte Bischof Hermann Glettler den neuen Altar im Rahmen eines Gottesdienstes mit der Pfarrgemeinde.
Die Kirche am Nordostrand der Dorfer Felder wurde am 23. November 1366 als Filialkirche geweiht. Mehrfach folgten Umbauten, zuletzt umfassende Restaurierungen 1963/64 und 1993. Die jüngste Innenrenovierung 2024/25 brachte neue archäologische Erkenntnisse, die in einem Gesamtwerk 2026 veröffentlicht werden sollen.
In den vergangenen zwei Jahren wurde die Kirche vollständig ausgeräumt, Böden entfernt und bis zu 80 cm tief untersucht. Elektroinstallationen wurden erneuert, die Raumschale restauriert und romanisches Mauerwerk freigelegt. Der Georgsaltar erhielt einen Sockel aus Tuffstein, ein neuer Volksaltar wurde aufgestellt. Dach und Turmböden wurden gereinigt, die Außenmauer saniert und die alte Photovoltaikanlage entfernt.
Bei der Altarweihe erinnerte Bischof Hermann an den Hl. Georg als großen Beschützer und ermutigte die Gläubigen, Hoffnung und Zuversicht zu schöpfen. Die Feier wurde von einer Bläsergruppe der Trachtenmusikkapelle Kals begleitet. Trotz klirrender Kälte harrten die Besucher aus und nutzten anschließend die Gelegenheit zu Begegnungen bei warmen Getränken und Krapfen.
Pfarrer Ferdinand freute sich über die Teilnahme aller beteiligten Stellen und Firmen. Auch Vertreter des Bundesdenkmalamtes und der Landesgedächtnisstiftung zeigten sich zufrieden mit dem gelungenen Werk.
Ein Ort, um den Glauben neu zu lernen
Einleitung: Im Jahr 2006 wurde der Hl. Georg, ursprünglicher Schutzpatron Tirols, offiziell als zweiter Landespatron von Tirol eingeführt. Die Spitzenposition in der Landespatronanz blieb beim Hl. Josef. Wichtiger als dieses Ranking ist wohl die Frage: Was sagt uns dieser heilige Kämpfer gegen das Böse? Was ist angesichts der multiplen Krisen unserer Zeit – im Sinne Gottes – tatsächlich zu tun? Was sollten und können wir denn tun? Fühlen wir nicht oft eine Ohnmacht, dass die galoppierenden Veränderungsprozesse uns zu frustrierten Zusehern machen? Und welche Kraft hat unser Glaube, damit unser menschliches „Tun und Lassen“ heilsam ist – für uns selbst und unsere Gesellschaft? Die Georgskirche in Kals ist ein markanter Punkt in der herrlichen Landschaft – ein Ort zum Innehalten und ein Ort, um den Glauben neu zu lernen. Und heute bekommt er mit dem neuen Altar eine neue Mitte – einen Ort, um sich für die vielen „Bergtouren des Lebens“ zu sammeln, auszurüsten oder sich von ihnen zu erholen.
Sich innerlich stärken lassen – vor all unseren geschäftigen Touren
Bei einem Gespräch mit Schülern in der MS Tannheim – anlässlich eines Schulbesuchs im Rahmen der Visitation – fragte mich ein 14-jähriger Schüler, er hieß Gabor, ob ich denn eine gute Lebensphilosophie hätte. Ich war überrascht und glücklich über diese herausfordernde Frage. Ich versuchte zu antworten, dass es vor all unserem Tun darum geht, uns von Gott lieben, trösten und innerlich stärken zu lassen – immer vor Beginn aller anstrengenden Touren, die wir freiwillig wählen oder in die wir unfreiwillig geraten. Gott zuerst tun, uns zurüsten lassen!
Im Abschnitt aus dem Evangelium, das wir heute gehört haben, fasziniert die Debatte über die „Werke Gottes“. Offensichtlich wurde bemerkt, dass der Rabbi aus Galiläa nicht nur schön predigte, sondern seinen Worten auch deutliche Zeichen folgten: Menschen wurden befreit, zum Leben ermächtigt, Ausgegrenzte integriert. Viele haben durch Jesus Vergebung und Heilung erfahren. Und sind ihm gefolgt. Das erste Werk, so sagt Jesus, ist der Glaube an sein Wirken – nicht unser Tun, so tüchtig, durchtrainiert und kompetent wir uns auch fühlen. Im Klartext: Es ist keine Schande, ganz im Gegenteil, an Jesus glauben. Dieser Ort hier ist eine Einladung dazu. Jesus bietet uns seine Freundschaft an – und seine verlässliche Begleitung für alle Touren.
2. Bei Gefahr, Schlechtwetter und Bedrängnis – nicht auf Gewalt setzen
Die Versuchung, aufzugeben, alles hinzuschmeißen oder sich von der Gemeinschaft auszuklinken, ist groß. Es gibt leider zu viele, die innerlich resignieren, weil die vielfachen Schreckensbilder, Wettereinbrüche und Bedrängnisse schlichtweg bedrohlich und entmutigend sind. Oft noch stärker als die Versuchung zur Resignation ist jene zu einem aggressiven, unüberlegten Sprechen und Agitieren. Beides gefährlich – nicht nur bei einer Bergtour. Was sagt uns der Hl. Georg?
Historisch wissen wir recht wenig über den Hl. Georg, der gemäß der bekanntesten Legende eine Stadt von der Bedrohung eines Drachen befreit hat. In der Diokletianischen Christenverfolgung hat er um 304 n. Chr. mit seinem Leben Zeugnis für den christlichen Glauben abgelegt. Er war ein Opfer von Gewalt aufgrund seiner Überzeugung. Die Kaltfront der kaiserlich verordneten Verfolgung hat ihn voll erwischt. Und sein Kampf? Er hat dem Bösen in sich keinen Raum gegeben. Er hat sein Vertrauen auf Gott gesetzt und sich damit von der Herrschaft der Angst befreit. Das war sein befreiendes, heilsames Werk – auch wenn er oft im Laufe der Geschichte als Vorkämpfer gegen die unterschiedlichen feindlichen Heere verehrt wurde. Hier, an diesem Altar wird zukünftig der Tod und die Auferstehung Jesu gefeiert. Gewaltfrei hat Jesus das Böse in jeglicher Gestalt besiegt. Bei seinem Tod hatte er keinen Fluch auf den Lippen, sondern Worte der Vergebung. Das war sein Gipfelsieg auf dem Berg Golgotha, von dem wir alle profitieren.
3. Bewährung und Stärkung für die alltäglichen Bergtouren – Gottes Nahrung aufnehmen
Woher die Kraft nehmen, die es heute braucht? Auch ganz speziell für das Miteinander, das nicht nur die Basis für eine erfolgreiche Bergtour ist. Solistische Bergläufe sind zwar cool, aber zeugen nicht von der Verbundenheit, die letztlich unser Leben so wertvoll macht. Im Abschnitt aus dem Evangelium ist von der „anderen Nahrung“ die Rede, die es mindestens so dringend wie den irdischen Proviant und die besten Energieriegel braucht. Die Nahrung für unser Inneres ist Jesus selbst. Er schenkt sich uns in der Hl. Kommunion – und befähigt uns damit, selbst die „Werke Gottes“ zu tun.
Es gibt in der Hl. Schrift eine ganze Liste der „Werke Gottes“ – ich denke an die Bergpredigt Jesu und an seine Gerichtsrede mit der starken Ansage „Was ihr dem Geringsten getan habt, habt ihr mir getan.“ Ich zähle auf: Keinen Menschen demütigen, die Würde aller achten, das Leben besonders in seinen verwundbarsten Phasen schützen, sich zur Wahrheit verpflichten und der Lüge keinen Raum geben, in allem den Weg der Versöhnung wählen, nicht auf Kosten der nächsten Generation das Maß verlieren, leidenschaftlich für Frieden und Gerechtigkeit investieren, … Die Liste ist immer noch unvollständig. Die Drachen Resignation und Aggressivität dürfen jedenfalls nicht unsere Energie verschlingen und das Klima unserer Gesellschaft nachhaltig vergiften. Gottes Geist inspiriert uns, nicht müde zu werden, und auf den vielen Touren gemeinsam das Gute zu wählen und zu tun.
Abschluss: Die Georgikirche in Kals ist weit mehr als ein romantisches Motiv. Es ist ein Ort zum Innehalten, zum Gebet und zum Auftanken – was auch immer jeder Einzelne für seine persönlichen Bergtouren braucht. Es ist ein Ort Gottes, wo er uns lehrt und coacht, wenn wir auf ihn hören. Wer zudem hier die Hl. Messe mitfeiert, wird den lebendigen Christus erleben, der auch heute noch „am Werk“ ist – mit uns geht, in den schwierigen Passagen vorausgeht und immer nachgeht, wenn wir in Gefahr sind. Die Georgskirche von Kals soll auch in Zukunft ein Hoffnungsort sein, der Menschen trotz allem innerlich aufrichtet und stärkt.