Religion gewinnt an Bedeutung unter 14- bis 18-Jährigen

Jugendstudie "Lebenswelten 2025" liefert umfassendes Bild der Lebensrealitäten junger Menschen im Alter von 14 bis 18 Jahren - Mehr als 15.000 Schülerinnen und Schüler der 8. bis 12. Schulstufe wurden u.a. zu Religion befragt - Studie wurde zum zweiten Mal von allen 14 Pädagogischen Hochschulen Österreichs gemeinsam durchgeführt

Religions- und Glaubensfragen gewinnen unter Jugendlichen in Österreich wieder mehr an Bedeutung: Dies geht aus der aktuellen österreichischen Jugendstudie "Lebenswelten 2025" hervor, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Im Rahmen der von 14 Pädagogischen Hochschulen in Österreich durchgeführten Befragung von mehr als 15.000 Schülerinnen und Schülern der Schulstufen 8 bis 12 zeigte sich demnach gegenüber der letzten Befragung im Jahr 2020 ein Plus bei den Zustimmungswerten in neun Fragen, die das individuelle religiöse Erleben betreffen. Dies jedoch als "Renaissance des Religiösen" in der jungen Generation zu betrachten, sei voreilig und "ohne weitere Untersuchungen nicht seriös zulässig", so der Rektor der KPH Edith Stein, Nikolaus Janovsky, gegenüber der Nachrichtenagentur Kathpress.

 

Bei den Selbsteinschätzungen der Jugendlichen zeigte sich ein Anstieg der Zustimmungswerte etwa im Blick auf das eigene religiöse Empfinden: Rund 40 Prozent bezeichneten sich demnach in der aktuellen Erhebung als sehr oder eher religiös. Fast die Hälfte der Befragten gab außerdem an, sehr bzw. eher gläubig zu sein. Auch die Aussage "Ich spüre oft, dass Gott oder ein höheres Wesen mir in meinem Leben nahe ist", fand unter Jugendlichen deutlich mehr Zustimmung (45 Prozent) als Ablehnung (32 Prozent). Bei der Befragung aus dem Jahr 2020 waren diese Werte noch geringer. Höhere Zustimmungen als noch vor fünf Jahren gab es auch zu den Aussagen "Ich nehme oft an religiösen Feiern und Ritualen teil", "Ich übe oft religiöse Rituale aus" und "Religion ist für meinen Alltag sehr wichtig".

 

Religiosität und religiöse Praxis laufen auseinander
Bei allen Verschiebungen bzw. Zuwächsen überwiegt laut Studie gerade im Bereich der religiösen Rituale und der Bedeutung der Religion für den Alltag jedoch die Ablehnung: 40 Prozent der Befragten gaben an, nie oder selten an religiösen Feiern und Ritualen teilzunehmen - und der Anteil der Jugendlichen, für die Religion im Alltag für ihre Entscheidungen wichtig oder eher wichtig ist, liegt bei 34 Prozent. "Die Selbstattribuierung der Jugendlichen als 'religiös' oder 'gläubig' erfolgt dementsprechend deutlich häufiger als die Zustimmung zu der Aussage, individuell oder gemeinschaftlich religiöse Praktiken und Rituale auszuüben", hält die Studie fest. 

 

Deutlich höhere Werte bei den Aussagen zur individuellen Religiosität wie zur religiösen Praxis und Alltagsrelevanz des Glaubens zeigten sich bei der religionsspezifischen Auswertung unter muslimischen Jugendlichen. Hier lagen die Zustimmungswerte zu Aussagen wie "Ich bin ein sehr religiöser Mensch" und "Ich bin ein sehr gläubiger Mensch" bei 64 bzw. 76 Prozent - und auch der Gottesglaube ist mit einer Zustimmung von 84 Prozent sehr hoch. Auch die Zustimmung zur häufigen Ausübung religiöser Rituale und zur alltäglichen Relevanz des Glaubens ist hier mit 61 bis 69 Prozent hoch.

 

"Believing without belonging": Keine empirische Bestätigung
Erwartbar gering stellten sich die Zustimmungswerte bei der Auswertung der Jugendlichen ohne religiöses Bekenntnis dar: 80 Prozent lehnte die Aussage "Ich bin ein sehr religiöser Mensch" ab. Auch das Nachdenken über religiöse Themen wurde in dieser Gruppe mit rund 60 Prozent überwiegend abgelehnt bzw. als nicht-zutreffend bezeichnet. Auch religiöse Praktiken und die Alltagsrelevanz bewerteten rund 80 Prozent negativ. Aus diesen Werten könne man aber die religionssoziologische These des "Believing without belonging" inzwischen empirisch widerlegen, führte die Studie aus. Diese These geht davon aus, dass die Bindung an religiöse Institutionen weiter abnehmen, zugleich aber religiöse Sinnkonzeptionen in individueller Form weiterhin alltagsrelevant bleiben. "Unsere Daten können das allerdings nicht eindeutig bestätigen", so die Studie. 

 

Der Bereich Religion und Glaube stellt nur einen Teil der Studie dar, die am Dienstag u.a. von Bildungsminister Christoph Wiederkehr (NEOS) und der KPH Edith Stein in Wien präsentiert wurde und Einstellungen und Werte von Jugendlichen in Österreich insgesamt untersuchte. "Die Ergebnisse zeichnen ein komplexes Bild der jungen Generation in Österreich. Wichtig ist jungen Menschen vor allem der soziale Nahbereich und trotz zahlreicher Krisen blicken sie grundsätzlich optimistisch in ihre persönliche Zukunft", heißt es in der Zusammenfassung.

 

Gestiegenen Chancen in Beruf und Ausbildung stünde ein ebenso gestiegener Druck in Schule, Beruf und Partnerschaft gegenüber. Verschlechtert habe sich das Wohlbefinden junger Menschen - insbesondere junge Frauen und Jugendliche mit diverser Geschlechtsidentität seien betroffen. "Auch ein hoher sozioökonomischer Hintergrund bleibt ein entscheidender Faktor, der die Lebenschancen und das Wohlbefinden positiv prägt. Die Zufriedenheit mit der Demokratie in Österreich ist stark gesunken und das Vertrauen in die Politik eher gering." Die Mehrheit der Jugendlichen bekenne sich zwar weiterhin klar zu demokratischen Grundwerten wie Wahlen und dem Wert des Kompromisses, gleichzeitig äußerten 56 Prozent Zustimmung zu der Aussage, dass "eine starke Hand" Ordnung schaffen sollte, "was auf ambivalente Haltungen hinweist", so die Studie.

 

"KPH Edith Stein"-Rektor Nikolaus Janovsky betonte bei der Präsentation in Wien abschließend die Bedeutung der umfangreichen, fast 400 Seiten starken Studie: "Mit der Jugendstudie Lebenswelten gelingt es den Pädagogischen Hochschulen Österreichs, eine Lücke in der sozial- und Jugendforschung zu schließen und belastbare Daten zur Situation der Jugendlichen in unserem Land zu liefern." (Infos: https://jugendstudie.at)

 

Eine Meldung von www.kathpress.at 

Religion gewinnt an Bedeutung unter 14- bis 18-Jährigen
Nikolaus Janovsky – Bildnachweis: KPH Edith Stein