Ökumenischer Pfingstempfang in Tirol

Beim Ökumenischen Pfingstempfang in Innsbruck wurden 25 Jahre „Allianz für den freien Sonntag“ gefeiert.

Für den Festvortrag konnte der Wiener Superintendent der Evangelischen Kirche A.B., Mag. Dr. Matthias Geist, gewonnen werden. Das vorpfingstliche Treffen, das vom Ökumenischen Arbeitskreis Tirol veranstaltet wird, dient der interkonfessionellen Begegnung und der Reflexion eines aktuellen Themas.

 

Bereits zum vierten Mal gab es in Innsbruck den vorpfingstlichen Empfang, der die geschwisterliche Begegnung von Gläubigen aus allen christlichen Konfessionen zum Ziel hat und sich jährlich auch einem zentralen Thema von ökumenischer und gesellschaftlicher Relevanz widmet. Wie Bischof Hermann Glettler in seinem Grußwort betonte, ist die Sorge um den Sonntag vermutlich nicht gerade ein Hauptthema in den aktuellen Debatten. „Aber es ist ein Thema, an dem sich die Zukunft unserer hochnervösen Gesellschaft mitentscheidet“. Ohne den Sonntag „als verlässliche Auszeit innerhalb eines immer mehr auf Optimierung getrimmten Lebens, werden wir den Sinn unseres Menschseins verfehlen“, so der Innsbrucker Bischof, der den freien Sonntag als „Weltkulturerbe der jüdisch-christlichen Tradition“ bezeichnete, das unbedingt geschützt und in seiner Bedeutung heute wieder erschlossen werden müsse.

 

Die Würde des Lebens verteidigen 

Superintendent Matthias Geist berichtete von den Anfängen der „Sonntagsallianz“, der sich mittlerweile 40 Gruppierungen und Institutionen über Konfessions- und Parteigrenzen angeschlossen haben. Diese Allianz, so Matthias Geist, sei „eine schützende Anwältin für eine wirkliche Lebensqualität“, die über jede arbeitsrechtliche Übereinkunft hinaus den Sonntag als „gemeinsames Aussetzen des permanenten Beansprucht-Seins“ erhalten möchte. Auf die Frage, warum es die Allianz, die mittlerweile 25jähriges Jubiläum feiert, überhaupt gibt, antwortete er: „Wir leisten gemeinsam Widerstand, wo die Würde des Menschen und seines familiären Umfelds durch den totalen ökonomischen Zugriff in Gefahr ist.“ Durch den Sonntag wird allen bewusst, dass unser Leben mehr ist „als die Summe von Arbeits- und Konsumzeit“.

 

Sonntagsallianz, auch wenn nicht alle frei haben 

Der Referent dankte ganz speziell den über 400.000 Menschen, die an den Sonn- und Feiertagen arbeiten bzw. für die Öffentlichkeit einen Dienst leisten. Unter diese große Zahl fallen Personen, die in der Gastronomie, im Gesundheitswesen, im Öffentlichen Verkehr, in der Industrie und in der Kultur sowie in den unterschiedlichen Bereitschaftsdiensten tätig sind. Aber darüber hinaus bleibt es ein Anliegen, den Sonntag vor unnötigen Zugriffen und Liberalisierungstendenzen zu schützen. Superintendent Geist fasste es im Sinne der Sonntagsallianz zusammen: „Jede Gesellschaft verliert den Zusammenhalt, wenn sie sich nicht zu einer gemeinsamen Auszeit verpflichtet.“

 

Den spirituellen Herzschlag des Sonntags sichern 

Als besonders wichtig wurde im engagierten Gespräch die spirituelle Dimension des Sonntags benannt. Es ist gemeinsamer ökumenischer Auftrag, das Potenzial eines im Sieben-Tage-Rhythmus gemeinsam freigehaltenen Tages auch kirchlich distanzierten Menschen unserer Zeit zu erschließen. Letztlich wird dies nur gelingen können – so die gemeinsame Erkenntnis – wenn die Kultur des Sonntags, die wir als Kirche prägen, von Lebensfreude, Alltagsrelevanz und innerem Frieden geprägt sei, der Menschen unserer Zeit wieder faszinieren könne. Auch in einer Zukunft, die durch KI und möglicherweise auch durch neu entstehende „Arbeitslosen-Welten“ geprägt sein wird, müsse die Seelsorge wieder beherzt und kreativ den Menschen eine gute Begleitung anbieten.

 

Dank an alle, die Ökumene mit Herz erfüllen  

Der Sonntag muss  als heilsamer Herzschlag des Wochenrhythmus gesichert werden, als „ein Tag, der von Gott geschenkt ist und nicht dem Leistungsauftrag und Optimierungsdruck unterstellt sei“, so Matthias Geist in seinem Resümee.

Abschließend dankte der Vorsitzende des Ökumenischen Arbeitskreises in Tirol, Superintendent Olivier Dantine, allen, die mit Geist und Herz das gute ökumenische Klima in Tirol prägen.

Ökumenischer Pfingstempfang in Tirol
Der Empfang fand im Haus der Begegnung statt. Foto: HdB