Neue Enzyklika markiert "zivilisationsgeschichtliche Zäsur"

Innsbrucker Dogmatik-Professor Hoff in "communio"-Beitrag über "Magnifica humanitas": "Die Phase theologischer und politischer Verharmlosung digitaler Technologien ist vorbei"

Als eine "kirchen- und zivilisationsgeschichtliche Zäsur" hat der Innsbrucker Dogmatik-Professor Johannes Hoff die erste Enzyklika von Papst Leo XIV., "Magnifica humanitas", gewürdigt. Die Menschheit stehe an einem Scheideweg: "Die Phase theologischer und politischer Verharmlosung digitaler Technologien ist vorbei. Ohne falsche Zurückhaltung benennt Leo die Trümmerlandschaften, die die Digitalisierung bereits jetzt in unserer Lebenswelt hinterlassen hat", schreibt Hoff in einem Beitrag für das Online-Portal "communio.de". Der Papst mache in seinem Lehrschreiben deutlich, dass es bei der digitalen Transformation nicht nur um KI gehe, sondern um wesentlich mehr - und entsprechend sei kirchlich künftig ein gewisses Maß an "apokalyptischer Wachsamkeit" angebracht, so Hoff.

 

Die digitale Transformation lasse schließlich die Frage nach der Würde und Größe des Menschen in einem neuen - "bleiernen" - Licht erscheinen. Vor dem Hintergrund der anthropologischen Grundfrage, die die Enzyklika berühre, wäre es daher laut Hoff auch passender gewesen, die deutsche Fassung nicht mit "Großartige Menschheit", sondern mit "Glorreiche Menschheit" zu übersetzen, gehe es dem Papst doch um nichts anderes als "um den Lobpreis der Grüße Gottes und die Rückbesinnung auf die Entdeckung der jüdischen Magd, dass sich diese Größe in der Niedrigkeit und Verletzlichkeit des Menschen offenbart."

 

Technik ist nicht neutral
Bei seiner Beschreibung der in dieser Transformation schlummernden Gefahren sei Leo XIV. sehr konsequent und am Punkt, führte der Dogmatiker in einer ausführlichen Analyse aus - etwa darin, in technischen Artefakten mehr zu sehen als bloße Werkzeuge: "Sie sind Medien, die unsere Wahrnehmung, unser Denken und unsere Willensbildung formen; und sie sind eingebettet in natürliche sowie technisch-kulturelle Ensembles, die einem Systemzwang unterliegen, der eine schwer zu kontrollierende Eigendynamik entwickeln kann." Anders gesagt: Die Innovationen der digitalen Technologien seien gefährlich, "nicht weil Technik per se gefährlich ist, sondern weil ihr Design durch ein prometheisches Menschenbild animiert wird." 

 

Am Ende sehe der Papst sehr deutlich, dass die Verantwortung für den Umgang mit den neuen digitalen Technologien nicht eine Sache einzelner, sondern Aufgabe aller ist: "Der Appell an unsere kollektive Verantwortung markiert den Punkt, an dem Leos Metaerzählung politisch wird und sich jenseits der antiquierten Fronten 'linker' und 'rechter' Parteipolitik positioniert." Leo verfolge dabei eine "postliberale" Position - allerdings eine Position jenseits der illiberalen Versuchung, wie sie US-Vizepräsident James David Vance oder auch der Integralismus-Vordenker Adrian Vermeule verfolgen, führte Hoff aus. Anders als Vermeule und Vance verteidige der Papst nämlich ausdrücklich "Dignitatis humanae" und die Religionsfreiheit.

 

Hoff abschließend: "So bleibt abschließend festzuhalten, dass Leos integraler Humanismus gleichermaßen Abstand zu den linken und rechten Ideologien digitaler Echokammern und Blasenökonomien hält. Die Lehre der Kirche ist inkompatibel mit der Agenda fundamentalistischer Neo-Integralisten. Sie ist aber auch inkompatibel mit den vermeintlich wertneutralen, begründungslogischen Selbstmissverständissen liberalistischer Demokratietheorien im Stile von Habermas und dem liberalistischen Fetischkult um demokratische Entscheidungsverfahren."

 

Eine Meldung von www.kathpress.at 

Neue Enzyklika markiert "zivilisationsgeschichtliche Zäsur"
Bild: Jessica Krämer/Deutsche Bischofskonferenz