Ein Tiroler Sozialapostel mit Weitblick

Zum 70. Todestag erinnert die Diözese Innsbruck an Kooperator Josef Lambichler, einen mutigen Seelsorger der Nächstenliebe.

Am 14. März jährt sich der Todestag von Kooperator Josef Lambichler zum 70. Mal. Der aus Wien-Meidling stammende Priester prägte das kirchliche und soziale Leben in Hall in Tirol über Jahrzehnte hinweg und gilt bis heute als einer der großen Sozialapostel des Landes. Nach seiner Priesterweihe 1908 führte ihn sein Weg über erste Seelsorgestellen schließlich 1920 in die Haller Jesuitenkirche, wo er mehr als 35 Jahre wirkte. Viele ältere Menschen verbinden mit ihm bis heute eine warme, zugewandte und zugleich entschlossene Persönlichkeit.

 

Besonders in den entbehrungsreichen Jahren zwischen den Weltkriegen widmete sich Lambichler der Jugend und jenen, die keine Stimme hatten. Mit Unterstützung der Familie Pletzer entstand die „Pletzerwiese“ als Spiel- und Erholungsort für Buben; auch das Sommerlager auf der Gufl am Tulferberg geht auf seine Initiative zurück. Sein Engagement für Kinder und Jugendliche prägte eine ganze Generation.

 

Lehnte NS-Ideologie ab 

Während der NS-Diktatur wurde sein Wirken massiv eingeschränkt. Pletzerwiese und Gufl wurden beschlagnahmt, die Marianische Kongregation verboten, seine Tätigkeit als Religionslehrer unterbunden. Lambichler lehnte die Ideologie klar ab und setzte seine pastorale Arbeit im Untergrund fort. Heimliche Konvente, geheime Erstkommunion- und Firmvorbereitungen sowie die verborgene Seelsorge für die Patienten der damaligen Heilanstalt zeugen von seinem Mut und seiner Treue zu den Menschen. Die Gestapo nahm ihn fest und verhörte ihn – unbeirrt blieb er seinen Prinzipien verpflichtet.

 

Unmittelbar nach Kriegsende begann Lambichler erneut, ein umfassendes Jugendwerk aufzubauen. Mit Unterstützung der amerikanischen Besatzung organisierte er Lebensmittelhilfen, reaktivierte die Lager auf der Gufl und im Voldertal und weitete die Betreuung erstmals auch auf Mädchen aus. Die Marianische Kongregation führte er zu neuer Blüte, ebenso die traditionelle Haller „Partisaner Garde“.

 

Am 14. März 1956 starb Josef Lambichler nach schwerer Krankheit. Seit 1978 ruht er in der Waldaufkapelle der Pfarrkirche St. Nikolaus in Hall. Sein Vermächtnis ist bis heute lebendig – als Ermutigung, die Liebe Gottes im Dienst am Nächsten konkret werden zu lassen.

Ein Tiroler Sozialapostel mit Weitblick
Foto: Urheberrecht abgelaufen, daher gemeinfrei