Diplomatie und Glaube: Brücken bauen in bewegten Zeiten
Die ungarische Botschafterin in Österreich, I.E. Edit Szilágyiné Bátorfi, war im Rahmen ihrer Bundeslandtour auch zu Gast bei Diözesanbischof Hermann Glettler. Gemeinsam mit dem ungarischen Generalkonsul in Tirol, Valér Palkovits, Konsul des Generalkonsulats in Innsbruck Péter Zelei und dem Diplomaten Balázs Jávori aus Wien gab es einen weitreichenden Gedankenaustausch über aktuelle gesellschaftliche, politische und kirchliche Herausforderungen. Bischof Glettler verwies eingangs auf die gewachsenen Verbindungen der Diözese Innsbruck zu Ungarn sowie zu den ungarischen Gemeinschaften jenseits der Grenzen, insbesondere durch die Beziehungen zur ungarische Diözese Szatmárnémeti (Satu Mare, Rumänien), die ungarische Gemeinde in Tirol sowie das Ungarnhaus in Innsbruck.
Belastbare Brücken für den gesellschaftlichen Zusammenhalt
Ausgangspunkt des Gesprächs war die unerwartet klare politische Wende in Ungarn als Ergebnis der demokratischen Wahlen. Im Folgenden ging es darum, tragfähige Beziehungen aufzubauen, um den sozialen Zusammenhalt zu stärken: „Der seelische Zustand unserer Gesellschaft braucht jetzt unsere Aufmerksamkeit. Diplomatie und Kirche sind belastbare Brücken, um das Gemeinsame über das Trennende zu stellen“, so Szilágyiné Bátorfi. Nach Ansicht der Botschafterin sind nun alle gesellschaftlichen Akteure gefragt, um die vorhandenen Gräben zu überwinden. Bischof Glettler verstärkte diese versöhnliche Perspektive mit dem Hinweis, dass es in dieser entscheidenden Phase einer politischen Neuausrichtung darum gehe, „das Gift der ideologischen Polarisierung so gut wie möglich zu entfernen und mit Gesprächen und konkreten Schritten der Verständigung ein Grundmaß an Vertrauen“ wieder aufzubauen.
Identität, die aus Beziehungen wächst
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs war die Frage von Identität im europäischen Kontext. Die Botschafterin hob hervor, wie wichtig es sei, kulturelle Eigenständigkeit im globalen und speziell auch im europäischen Kontext wahren zu können. Bischof Glettler unterstrich in diesem Zusammenhang die Bedeutung der EU und gab zu bedenken, dass „Identität nicht als Abschottung missverstanden werden sollte, sondern sich durch Beziehungen, Austausch und Dialog bildet“. Jede Vorstellung einer kulturellen, religiösen oder weltanschaulichen Festung widerspreche einem nachhaltig positiven Aufbau einer Gemeinschaft auf der Basis lateraler Beziehungen.
Gemeinsame Sorge um Frieden und Vielfalt
Abschließend kam auch die belastende Situation im Nahen Osten zur Sprache. Einig war man sich über die Bedeutung der christlichen Präsenz in der Region. Christinnen und Christen leisteten einen unverzichtbaren Beitrag zur kulturellen und religiösen Vielfalt des Orients. Gerade im aktuell so umkämpften Libanon bräuchten sie jetzt einen viel engagierteren internationalen Schutz. Ihre Abwanderung in den Westen könne nur mit höchster gemeinsamer Anstrengung verhindert oder zumindest verlangsamt werden. Die Rolle von Papst Leo XIV. wurde im angeregten Gedankenaustausch mehrfach gewürdigt, weil seine Klarheit und sein unmissverständlicher Einsatz für Dialog, Versöhnung und Frieden ein enormes Hoffnungszeichen sei – weltweit und nicht zuletzt auch für Kirche, Politik und Gesellschaft in Europa.
Zum Thema der Unterstützung von verfolgten Christen betonten beide Seiten die große Bedeutung dieser Aufgabe und hoben hervor, dass Ungarn im Rahmen des Programms „Hungary Helps“ einen besonderen Schwerpunkt auf die Hilfe für verfolgte Christen legt.