Chrisammesse stärkt Einheit der Diözese
Bei der heutigen Chrisammesse im Dom zu St. Jakob hat Bischof Hermann mit über 120 Priestern, Diakonen und zahlreichen pastoralen Mitarbeiter:innen und Mitgliedern der Ordensgemeinschaften aus der Diözese Innsbruck die Heiligen Öle für das kommende Jahr geweiht. Die Feier, traditionell einer der wichtigsten Gottesdienste der Karwoche, stand ganz im Zeichen des gemeinsamen kirchlichen Dienstes und der Vorbereitung auf Ostern. Zugleich erneuerten die Priester und Diakone ihr Weiheversprechen – ein sichtbares Zeichen für die Verbundenheit innerhalb der Diözese.
In seiner Predigt ging Bischof Hermann auf die gegenwärtigen kirchlichen Herausforderungen ein, zugleich aber auch auf die Erfahrungen, die er an Orten missionarischer Pastoral gemacht hat. Er erinnerte daran, dass Priester und Seelsorger:innen „mit Leib und Seele ein für den lebendigen Christus, den von Gott Gesalbten“ stehen und die befreiende Botschaft mit Authentizität und Kreativität bezeugen sollen. Angesichts gesellschaftlicher Umbrüche betonte er die Bedeutung einer verlässlichen Präsenz: „Wir wurden gesalbt für ein verlässliches Dasein unter den Menschen, für das Gebet, das alle einschließt.“
Die zu weihenden Öle wurden von Mitgliedern des Ritterordens vom Heiligen Grab in den Gottesdienst getragen. Die geweihten Öle – Krankenöl, Katechumenenöl und der Chrisam – kommen das ganze Jahr über in Taufen, Firmungen, Weihen und Krankensakramenten zum Einsatz. Sie stehen dafür, dass Gott Menschen stärkt und begleitet. Der Bischof erinnerte daran, dass dieser Auftrag allen Getauften gilt und die Kirche dort lebendig wird, wo Charismen erkannt und gefördert werden. „Ist es nicht unsere erste Aufgabe als Priester und Seelsorger:innen, den Gläubigen zu helfen, ihre spezifische Berufung zu leben?“, so der Bischof in seiner Predigt.
Die Chrisammesse machte erneut sichtbar, wie vielfältig und lebendig kirchliches Wirken in der Diözese ist – getragen von Haupt- und Ehrenamtlichen, die gemeinsam dem Ostergeheimnis entgegenschreiten.
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Gesalbt, um Gottes Liebeskraft wirken zu lassen
Einleitung: Wir sind mittendrin – in vielen Veränderungsprozessen, gesellschaftlich und kirchlich. Hohe Geschwindigkeit und viel Nervosität. Einiges wird spürbar weniger – Finanzen, Personal, Alltags-Relevanz, Gottesdienst-Teilnahme, … Wir könnten noch mehr aufzählen, was es an Ernüchterung zu verkraften gibt. In Innsbruck sind nur mehr 37% der Bevölkerung katholisch. Dennoch liegt auch anderes in der Luft – ein echtes Fragen, weil der vertraute Wohlstand einbricht oder sich leer anfühlt. Weil Sicherheiten abhandenkommen und die Epidemie der Vereinsamung um sich greift. Wo ist dann da unser Platz, unsere Rolle als Priester und Seelsorger:innen? Und wie geht Kirche? Mit einer diözesanen Gruppe war ich auf einer zweitägigen Exkursion zu Lernorten missionarischer Pastoral in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Von drei Orten, die uns inspiriert haben, möchte ich erzählen. Und nach dem Geist fragen, der wirkt. Die Öle, die wir heute weihen, bezeichnen ihn – Gottes Liebeskraft in uns.
1. Ein Gärtner wird zum Missionar – oder: Christus leibhaftig darstellen!
Etwas außerhalb von Stuttgart haben wir den größten „Ostergarten“ Deutschlands besucht. Empfangen hat uns der Initiator, Andi. Vor 10 Jahren hat er seinen Gärtnereibetrieb stark reduziert, um in seinen letzten Berufsjahren etwas ganz explizit für Gott zu machen. Zufällig fiel ihm die Idee zu, die Ostergeschichte in seiner Gärtnerei zu inszenieren – mit exquisiten biblischen Szenen, echten Schauspielern u.v.m.. Und vor allem mit Menschen, die im Glauben an Jesus Feuer gefangen haben, unabhängig von ihrer Konfession. Ca. 800 Ehrenamtliche sind es mittlerweile, die jedes Jahr ein Monat im vollen Einsatz sind. Auch heuer wieder von früh bis spät ausgebucht - insgesamt 22.000 Besucher:innen. Nach dem gemeinsamen Weg durch die österlichen Szenen erzählte der Jesus-Darsteller von seiner Long-Covid-Erkrankung, die ihn in neuer, tiefer Weise zum Glauben brachte. Sein Zeugnis war echt und berührend. Der Glaube an Jesus hat ihn verändert.
Jesus darstellen? Ja, den menschlich „angreifbaren“ Hirten, der den Menschen die befreiende Botschaft bringt – inmitten unzähliger negativer Narrative und Stimmungslagen. Dazu wurden wir geweiht und gesalbt. Wir sind nicht Schauspieler, sondern stehen mit Leib und Seele ein für den lebendigen Christus, den von Gott Gesalbten. Die Kraft und überraschende Wirkung seiner Botschaft übersteigt uns. Wir können sie nur möglichst authentisch und mit neuer Kreativität bezeugen – mit unserer „Lebensperformance“, mit unseren Worten und Taten: Jesus ist auferstanden! Wer an ihn glaubt, erfährt eine Wandlung – jetzt schon, weg von einer verkrampften Selbst-Rechtfertigung hin zu einem inneren Frieden, zu einer inneren Freiheit, wie es bei Jesaja geheißen hat. Durch eine starke, mutige Verkündigung und Feier der Sakramente geschieht dies – auch heute noch. Dafür wurden wir mit dem Hl. Öl gesalbt und gesendet.
2. Ein Stadtteil übernimmt die Kirche – oder: Aufmerksam präsent sein!
Die Pfarre St. Marien im südlichen Stuttgart, hat einen konziliaren Aufbruch hinter sich, lebendige Liturgie, eine Gemeinde, die zusammensteht, u.a. Dennoch spitzte sich die soziale Lage im Viertel zu, demographische Veränderungen, nur mehr alte Leute im Gottesdienst und die Schließung der Kirche naheliegend. Genau da fragte eine Initiativgruppe, ob sie den Platz vor und teilweise in der Kirche benützen dürfe – für ihre Stadtteil-Entwicklungsarbeit. Mit dem Ja dazu begann eine neue, sinnstiftende Kooperation – unter dem Titel „St. Maria als …“: Seither regelmäßige Essensausgabe, Kreative finden Bühnen vor, Jugendliche Freiräume zum Skaten u.v.m. – eine neue, bunte, geisterfüllte Lebendigkeit, die dem Stadtteil guttut. Und eine Frau, sie heißt Dorothe, ist im Auftrag von Kirche und Caritas dort anwesend – mit Vollzeit zum Zuhören, wahrnehmen und “Ansprechbar-sein“. Was sie antreibt, ist eine große Liebe zu den Menschen.
Nur das zählt. Nicht zuerst die Veranstaltungen. Dorothe empfängt Menschen, betet oft leise für die vielen, die ihr vertrauen und persönliche Lebensschicksale erzählen. Und wir Priester? Vieles hat sich verändert – in und rund um die Kirche. Selbstverständliches ist weggebrochen. Aber wir sind da – und wurden gesalbt für ein verlässliches Dasein unter den Menschen, für das Gebet, das alle einschließt. Wir wurden gesalbt, um nicht aufzugeben, auch wenn sich kaum ein pastoraler Erfolg einstellt. Wir wurden gesalbt mit dem Öl der Freude, um durchzuhalten, wenn es zum Weinen ist, zum Mitweinen. Gerade angesichts der vielen Momente von Gewalt und psychischer Erkrankungen in unserer Gesellschaft. Ist es nicht die Salbung des Heiligen Geistes, die uns vor Resignation bewahrt und vor der Versuchung, ebenso aggressiv zu werden? Mit der Hilfe seines Geist können wir „gegenwärtig sein“ – liebevoll, wo auch immer Gott uns braucht.
3. Eine Gemeinde wird selbständig – oder: Befähigen, mehr als ein Job!
Ein weiterer Besuch galt der „KesselKirche“, ein evangelisches „Start-up“ mit Fokus auf junge Erwachsene und Familien. Pfarrer Michl Krimmer stellte die dynamische Gemeinde vor, die radikal auf dem Engagement der Ehrenamtlichen und Freiwilligen aufbaut. Seine Arbeit versteht er in der Metapher des Fußballs nicht als Stürmer oder Kapitän, sondern als „Spielertrainer“, d.h. hauptsächlich als Coach, der nur gelegentlich, wenn notwendig, selbst ins Spielfeld läuft. Der Schwerpunkt liegt auf dem sonntäglichen Gottesdienst für Jung und Alt, gefolgt von einem gemeinsamen Mittagessen. Insgesamt geschieht nur das, wofür sich auch Freiwillige melden – sonst nichts! Und die ca. 250 freiwillig Engagierten beginnen jeden Herbst mit einer neuen, freiwilligen Zusage für ein Jahr Engagement: „Ich bin am Start“ – in einem bestimmten Bereich – u.a. verantwortlich für Kinder, Liturgie, soziale Aktionen, Empfang, Essen, Social Media, …
Coach und Multiplikator sein für die Charismen und Begabungen, die die Gott zum Aufbau der Gemeinde schenkt! Klingt so einfach, ist es de facto aber auch in der KesselKirche nicht. Was wir dennoch mitnehmen, ist die Gewissheit, dass Kirche nicht von unserem eigenen Tun, von unserer Leistung abhängt. Sind doch so viele mit dem Öl der Taufe und Firmung gesalbt. Ist es nicht unsere erste Aufgabe als Priester und Seelsorger:innen, den Gläubigen zu helfen, ihre spezifische Berufung zu leben? Sie zu befähigen, ihren spezifischen Dienst in und außerhalb der Kirche wahrnehmen? Dafür sind wir doch geweiht, gesalbt oder beauftragt worden! Pastor Krimmer hat erzählt, dass er jeden Morgen eine Stunde betet, um den ganzen Tag über den Dienst der Befähigung für andere leisten zu können, oft im Verborgenen, sich selbst zurücknehmend. Im Vertrauen auf Gott, der die Kirche mit neuer Lebendigkeit aufbaut.
Zusammenfassung: Ob Ostergarten, St. Maria als, KesselKirche oder andere Beispiele – nichts lässt sich kopieren oder einfach in unseren katholischen Kontext übertragen. Sehr wohl aber können wir uns inspirieren lassen und unser Versprechen erneuern, alles zu tun, um Gottes Wirken zu ermöglichen. Ich danke euch allen für die Mühe, die ihr investiert – und für die neue Bereitschaft, für die Verfügbarkeit und den langen Atem, den es in der Seelsorge und in den unterschiedlichen kirchlichen Diensten braucht. Stärken wir uns auch gegenseitig, dass wir Gott Raum geben – für sein Wirken!