60 Jahre Haus der Begegnung – Demokratie feiern
Seit sechs Jahrzehnten ist das Haus der Begegnung (HdB) ein prägender Ort der Tiroler Bildungs- und Zivilgesellschaft. Am 23. April feierte die Einrichtung der Diözese Innsbruck ihr 60‑jähriges Bestehen mit einem ganztägigen Jubiläumsfest, das inhaltlich wie atmosphärisch widerspiegelte, wofür das HdB seit seiner Gründung durch Bischof Paulus Rusch steht: für gesellschaftspolitische Bildung, Dialog und demokratische Kultur.
Den Auftakt bildete ein offenes Ankommen mit Musik, kulinarischen Kleinigkeiten und vielen Begegnungen. In den anschließenden Grußworten hoben Vertreterinnen aus Politik und Erwachsenenbildung die Bedeutung des Hauses als überparteilichen, aber klar positionierten Bildungsort hervor. „Die Werte sind seit 60 Jahren gleichgeblieben – Begegnung, Respekt, Zuhören, sich aufeinander einlassen“, betonte Landesrätin Eva Pawlata. In den Wortmeldungen wurde das HdB als Raum gezeigt, in dem Lernen immer auch Beziehung und gemeinschaftliches Erleben ist.
Demokratie braucht "faire battles" und "Mutausbruch"
Im Zentrum der Feier stand nicht der Rückblick, sondern die Frage, wie Demokratie heute mit Freude gelebt und gestaltet werden kann. In einem Beatbox-Battle, einem „performativen Beitrag von zwei Beatboxern (Samuel Plieger und Slizzer) wurde unter dem Titel „Demokratie braucht faire battles!“ Zuhören als demokratische Kernkompetenz ins Zentrum gerückt – musikalisch und dialogisch zugleich. „Demokratie braucht Meinungsverschiedenheiten, die ausgehalten, aber auch produktiv in Debatte überführt werden müssen“, betont Programmleiterin Magdalena Modler El Abdaoui. Der feierliche Kuchenanschnitt verband Symbolik mit Leichtigkeit und machte sichtbar: Demokratie darf und soll auch gefeiert werden.
Einen spirituellen Akzent setzte die Wortgottesfeier „Demokratie braucht Mut!“, die als Anstiftung zum „Mutausbruch“ gestaltet war. Gemeinsam mit Bischof Hermann Glettler wurden Fragen von Verantwortung, Haltung und Ermutigung aufgegriffen. Er erinnerte daran, wie wichtig es sei, „dem Fragenden die Mitte offen zu halten“ und eine Kultur des genauen Hinhörens, des Nachfragens und der Begegnung zu pflegen. Demokratische Kultur, so wurde deutlich, braucht persönliche Beteiligung, eigenständiges und widerständiges Denken – und Menschen, die bereit sind, sich einzubringen. „Ich wünsche uns allen Mutausbrüche, die ihr Herz öffnen und wirken lassen“, sagte der Bischof und schloss mit dem Ausblick: „Gehen wir in die Zukunft mit radikaler Zuversicht.“
Am Abend richtete sich der Blick auf gesellschaftliche Rahmenbedingungen von Demokratie. In ihrer Keynote sprach die Ökonomin Barbara Blaha über Verteilungsfragen und soziale Gerechtigkeit und stieß damit eine lebhafte Diskussion an. Der Ausklang bei Musik, Buffet und Gesprächen bot Raum für Vernetzung und persönlichen Austausch.
Das Jubiläum machte sichtbar, was das Haus der Begegnung über Jahrzehnte hinweg ausgezeichnet hat: Es versteht sich nicht als neutraler Veranstaltungsort, sondern als aktiver Akteur in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen. Bildungsangebote, Tagungen und Initiativen greifen aktuelle Herausforderungen auf, fördern kritisches Denken und stärken demokratische Beteiligung ohne fertige Antworten zu präsentieren – gerade in Zeiten wachsender Polarisierung und sinkender Dialogbereitschaft. „Wenn wir uns erklären, die Perspektiven anderer erfragen und gemeinsam ganz neue, dritte Wege entwickeln können, entsteht Lernen als lebendiger Prozess“, so Modler El Abdaoui.
Als professioneller Veranstaltungsanbieter verbindet das HdB inhaltliche Arbeit mit qualitätsvoller Infrastruktur, nachhaltiger Kulinarik und einem erfahrenen Team. „Als zertifizierter Green Event Partner verpflichtet sich das Haus zudem zu ökologischer Verantwortung bei der Durchführung von Veranstaltungen“, freut sich Geschäftsführerin Manuela Schweigkofler.
Das 60‑jährige Bestehen wurde so weniger als Jubiläum im klassischen Sinn begangen, sondern als Bestätigung eines anhaltenden Auftrags: Räume zu schaffen, in denen Menschen einander begegnen, Unterschiede aushalten und gemeinsame Perspektiven entwickeln können – für eine offene, solidarische und demokratische Gesellschaft.
- Eine Beatbox-Battle zeigte eindrücklich das System des Zuhörens und aufeinander Eingehens in der demokratischen Praxis.