Franziskanisches Sein – bischöfliches Tun
Gestern Abend, den 14. April, gab Erzbischof Franz Lackner im Rahmen der Vortragsreihe „Theologie im Zeichen der Zeit – 800 Jahre Franz von Assisi“ Einblicke, wie sein Wirken und sein Denken als Bischof maßgeblich durch den heiligen Franziskus geprägt wurden. Im großen Hörsaal der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Salzburg gab der ehemalige Philosophieprofessor und Franziskanerprovinzial tiefe Einblicke in das franziskanische Denken. Dieses habe ihn schon als junger Student fasziniert und begleite ihn bis heute. Dabei spannte er einen weiten Bogen von wichtigen Denkern wie Johannes Duns Scotus bis hin zur gelebten Spiritualität im Alltag. Neben den Studierenden zählten auch Landtagspräsidentin Brigitta Pallauf, Landtagsabgeordneter Josef Schöchl, Dekan Dietmar Winkler sowie zahlreiche Professorinnen und Professoren zum Publikum.
Franziskanische Ursachen in Philosophie und Alltag
Der Erzbischof betonte, dass große Denker und Gelehrte wie Bonaventura oder Johannes Duns Scotus selbst zwar Theologen im wissenschaftlichen Sinne, jedoch zugleich auch Franziskaner gewesen seien und ihre Überlegungen aus einem gelebten Ordensalltag heraus entwickelt hätten. Sie hätten Theologie nie vom Leben getrennt. Unter dem Leitwort „primum vivere, deinde philosophari“ – zuerst leben, dann philosophieren – werde zum Ausdruck gebracht, dass Denken, Theologie und Theorie aus dem Gelebten und Erlebten heraus erwachsen sollen. Dabei hob er hervor, dass das heute noch übliche regelmäßige Lesen der Schriften und des Testaments des heiligen Franziskus in den Konventen den Glauben der Brüder prägte. Die darin häufig wiederholte Formel „Der Herr hat gegeben“ habe Franziskus’ Haltung der Dankbarkeit und des Vertrauens geformt – eine Haltung, die auch die gelehrten Brüder in ihrer anspruchsvollen Aufgabe geleitet habe, das Evangelium in die Welt des Wissens und der Wissenschaft hinein zu übersetzen.
Franziskanisches Wirken in der Erzdiözese
Dieser Zugang, so Lackner, präge auch ihn als Erzbischof in seinem täglichen Denken und Handeln als Letztverantwortlicher in der Erzdiözese. Bei der Gestaltung des diözesanen Leitbildes etwa sei es ihm im Hinblick auf den heiligen Franziskus wichtig gewesen, eine Haltung auszudrücken, die die Souveränität und Unverfügbarkeit Gottes anerkenne und sich dem Menschen dennoch zuwende. Das Leitwort „Unser Glaube – Gott überrascht!“ bringe diese Offenheit und das Vertrauen auf den Punkt, dass letztlich Gott selbst handle. „Nicht wir werden etwas zustande bringen, es irgendwie organisieren oder bewerkstelligen, sondern wir wollen mit der Osterbotschaft aus dem Mund des Johannes sagen: ‚Es ist der Herr!‘“, so der Erzbischof.
Über die Vortragsreihe „800 Jahre Franz von Assisi“
Anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franz von Assisi widmet ihm die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Salzburg in Zusammenarbeit mit dem Franziskanerkloster, unterstützt von Pro Oriente Salzburg, eine internationale Vortragsreihe im Sommersemester. Beginn ist jeweils um 18 Uhr an wechselnden Orten (Fakultät, Franziskanerkloster). Die Reihe „Theologie im Zeichen der Zeit. 800 Jahre Franz von Assisi“ unterstreiche die bleibende Bedeutung des Franz von Assisi: „Seine Botschaft von Frieden, Geschwisterlichkeit und Einfachheit prägt auch 800 Jahre nach seinem Tod Schöpfungsverantwortung sowie interreligiösen und ökumenischen Dialog“, hieß es seitens der Katholisch-Theologischen Fakultät.
Über das Franziskusjahr
Das Franziskusjahr 2026 ist eigentlich der Abschluss und Höhepunkt eines mehrjährigen Gedenkens an den heiligen Franz von Assisi. Seit vier Jahren feiern die Gläubigen in Teiljubiläen mit der franziskanischen Familie zunächst die Weihnachtsfeier und Krippe zu Greccio sowie die Bestätigung der Regel des heiligen Franziskus (1223), danach das Geschenk der Stigmata (1224) und die Niederschrift des Sonnengesangs (1225) sowie heuer den 800. Todestag oder „Transitus“ von Franz von Assisi (3. Oktober 1226).