Versöhnen heißt Ansehen geben und aufgerichtet werden

„So musst du mit mir nicht reden. Es stimmt, dass ich etwas falsch gemacht habe, aber so musst du mich nicht anschreien“. Mein damals etwa sechsjähriger Sohn stampft die Treppe herunter und kontert so meinem Wutausbruch, in dem sich meine damalige Belastung Luft verschafft hat. Mir fiel es in diesem Moment nicht schwer, mich für diese Art und Weise der Zurechtweisung zu entschuldigen, ihn in den Arm zu nehmen und um Verzeihung zu bitten. Was geschah, war ein inniger Moment des Ansehens und des angesehen Werdens, in dem ich meine Situation schildern und er seine Verletzung benennen konnte. Er hat mir mein „Ansehen“ zurückgegeben und ich ihm seines. Beide konnten wir einander wieder in die Augen schauen. Dass auf der Sachebene im Vorfeld etwas verkehrt lief, war klar und daher nebensächlich.

Versöhnen heißt Ansehen geben und aufgerichtet werden. Vor Jahren bekam ich ein Buch des Künstlers Litzenburger mit dem Titel: „Wer bin ich, wenn mich niemand anschaut?“ Das ist die Grundfrage eines jeden Menschen. Darin scheitern Beziehungen: zum Partner/zur Partnerin, zu den Kindern, zu Nachbarn oder auch im Arbeitskontext. Menschen haben das Gefühl, nicht gesehen zu werden in ihrem Tun, ihrer Not, ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten. Das Gefühl der Isolation, des Absonderns – oder theologisch gesprochen – der Sünde ist die Folge.

...Alfred Natterer im Leitwort zu den Lebenswelten Nr. 1/2017

Rituale helfen

Helene Okon, langjährige Mitarbeiterin im Familienreferat schreibt in den Lebenswelten zum Thema "Familie pflegen"...

Auf dem Fußballplatz 

Bis mein Sohn heuer der U9 eines Fußballvereines beitrat, hatte ich mit Fußball wenig zu tun. Jetzt ist es auf einmal viel. Ein Samstag im Herbst, das Wetter noch warm. Die Mannschaft meines Sohnes hat arg verloren. Einige Burschen aus der Mannschaft kämpfen mit den Tränen. Viele sind zornig und enttäuscht, dass sie so abserviert wurden. Nach dem Abpfiff laufen die meisten zum Spielfeldrand. Doch noch ist das  Spiel nicht aus. Der Trainer schickt sie zurück zum Handschlag und zum Elfmeterschießen mit der gegnerischen Mannschaft.

 Ordnung und Haltung

Ich bin froh um dieses Ritual. Dieser Handschlag stellt die richtige Ordnung nach dem emotionalen Auf und Ab des Spieles wieder her. Indem ein Kind dem „gegnerischen“ Kind  die Hand reicht, wird es wieder zum Spielkamerad, wieder zum achtjährigen Bub oder Mädchen. Der Handschlag bekommt eine symbolhafte Bedeutung: Durch ihn endet die „Kampfhaltung“. Überdies stärkt das Ritual die Gemeinschaft der Spielenden über die eigene Mannschaft hinaus. Für das eine oder andere Kind bedeutet das Ritual nach einer Niederlage Überwindung, doch das Immer-Wiederkehrende daran verändert die Haltung ohne Worte und nachhaltig.

pixabay

Der Handschlag macht aus Gegnern wiederum SpielkameradInnen

nie unversöhnt ins Bett

Drei Wörter sind die Schlüsselwörter für eine glückliche Familie: „Bitte“, „Danke“ und „Entschuldigung“, sie ebnen den Weg. Das sagte Papst Franziskus bei einer seiner wöchentlichen Generalaudienzen.

 Einfach auszusprechen, schwer zu praktizieren. Und entscheidend ist, dass nach einem Streit am Ende des Tages immer wieder Frieden geschlossen werde.

Der Übergang vom Tag zur Nacht ist für Kinder ohnehin nicht leicht. Es gäbe noch so viel zu erleben und zu entdecken. Und dennoch stellt gerade diese Zeit eine große Chance zur Verfügung, den Tag gut abzuschließen und Dinge abzulegen, noch einmal dankbar auf Ereignisse zurückzublicken, einander teilhaben lassen ...

  • tief atmen, den Atem spüren. still werden
  • was war heute besonders schön?
  • wofür möchte ich dir/Gott danke sagen?
  • was liegt mir noch am Herzen?

Abendgebet

Geschichte vorlesen

 

 

Achtsamkeit füreinander hilft beim Uebergang vom Tag zur Nacht