Stellungnahme zu Abtreibungen an "tirol kliniken"
Enttäuscht über die Entscheidung der Tiroler Landesregierung, künftig Schwangerschaftsabbrüche an einem Standort der landeseigenen "tirol kliniken" anzubieten, hat sich Bischof Hermann Glettler gezeigt. "Eine Schwangerschaft ist keine Krankheit, und ein Abbruch keine Therapie. Aus diesem Grund finde ich es problematisch, öffentliche Gesundheitseinrichtungen für Abtreibungen zur Verfügung zu stellen", heißt es in einer Kathpress vorliegenden Stellungnahme Glettlers, aus der am Dienstag auch die "Tiroler Tageszeitung" zitierte. Er sei nicht zuletzt auch deswegen enttäuscht von der Politik, weil er sich "im Vorfeld der Entscheidung mehr Dialog und Transparenz gewünscht hätte", so der Innsbrucker Bischof.
Anlass der Wortmeldung von Bischof Glettler, der innerhalb der Österreichischen Bischofskonferenz für Fragen des Lebensschutzes zuständig ist, ist die Nachricht, dass die Tiroler schwarz-rote Landesregierung am Montag darüber informierte, künftig Abtreibungen als Privatleistung an einem Standort der landeseigenen Kliniken anzubieten. Die Vermittlung erfolge über eine Beratungseinrichtung, für "Härtefälle" gebe es die Möglichkeit finanzieller Unterstützung. Den Ärztinnen und Ärzten obliege weiterhin die "freie Entscheidung", ob sie die Abtreibung durchführen werden, verwies die Landesregierung indes auf die Gewissensklausel.
Eine verpflichtende Beratung über den medizinischen Eingriff soll es weiterhin nur zwischen dem behandelnden Arzt und der Patientin und nicht in der Beratungseinrichtung geben, hieß es. Als Beratungsstellen fungieren für Unter-21-Jährige das "Chill Out" und für Frauen ab 21 Jahren das "Zentrum für Sexuelle Gesundheit". Auch bleibe ein Schwangerschaftsabbruch in medikamentöser Form weiterhin bei dem eigenen Gynäkologen möglich, zudem führt ein Arzt im niedergelassenen Bereich sowohl medikamentöse und operative Eingriffe durch.
Glettler: "Echte Hilfe" ermöglichen
Bischof Glettler unterstrich, dass Frauen in einem Schwangerschaftskonflikt die volle Unterstützung verdienten: "Dennoch darf das Recht auf Selbstbestimmung nicht gegen das grundlegende Recht auf Leben ausgespielt werden. Im Zentrum allen Handelns steht der Mensch mit einer unverfügbaren Würde und einem Recht auf Leben." Entsprechend sollte eine "echte Hilfe" für betroffene Frauen auch über die aktuelle Entscheidung hinausreichen.
Um diese Hilfe leisten zu können, brauche es transparente Daten über die Gründe von Schwangerschaftsabbrüchen sowie eine verpflichtende Information im Vorfeld einer geplanten Abtreibung über rechtliche, finanzielle und psychosoziale Hilfen, erinnerte der Bischof an eine langjährige Forderung der Kirche. Dazu zähle außerdem auch "eine angemessene Zeit des Innehaltens zwischen Beratung und Entscheidung, sowie eine breite Sensibilisierung für Adoption und Pflege als konkrete Alternativen".
Jugend für das Leben: "Abwärtsspirale"
Deutlich schärfer äußerte sich am Dienstag "Jugend für das Leben" zu der Causa: Man verurteile das Vorgehen "aufs Schärfste" - es sei ein weiterer Schritt in die falsche Richtung, heißt es in einer Aussendung der Lebensschutzorganisation: "Es ist eine Abwärtsspirale. Diese seit Jahren andauernde Kompromisspolitik führt am Ende zu einer gänzlichen Liberalisierung von Abtreibung", wird darin der Vorsitzende Frederik Koller zitiert. Zudem liege ein "Verrat an den Wählern" vor, da letztlich jeder Tiroler Steuerzahler somit "an Abtreibungen mitwirken muss und die Regierung eine Straftat mitfinanziert".
Entsprechend appellierte "Jugend für das Leben" an Landeshauptmann Anton Mattle, die Pläne zu revidieren: "Abtreibung ist keine Staatsaufgabe. Eigentlich müsste die Politik auf einen Zustand hinarbeiten, wo das Ja zum Kind für jede Frau selbstverständlich ist. Das wäre ein Grund zum Feiern!"
Belastungsprobe für Koalition
Die nunmehrige Ankündigung der Landesregierung soll einen Schlussstrich unter eine mehrjährige Debatte und eine mehrere Jahre währende Suche nach einem Standort für die Durchführung von Abtreibungen in Tirol ziehen. Bislang bietet nur ein Arzt im niedergelassenen Bereich Schwangerschaftsabbrüche an.
Für die schwarz-rote Koalition stellt die Causa eine Belastungsprobe dar: 2022 hatte die damals neu angetretene SPÖ-Frauen- und Soziallandesrätin Eva Pawlata einen kostenlosen Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen an öffentlichen Spitälern gefordert. Das hatte die ÖVP abgelehnt. Schließlich rang man sich zu einem Bekenntnis zu einem "bedarfsgerechten, niederschwelligen und medizinisch qualitätsvollen Zugang" durch.
Zufrieden mit der nunmehrigen Variante zeigten sich nun entsprechend die Tiroler SPÖ, Grüne und NEOS. Und auch VP-Gesundheitslandesrätin Cornelia Hagele verteidigte den Schritt: "Das Land Tirol setzt einen sensiblen, aber gesundheitspolitisch notwendigen Schritt zur langfristigen Sicherstellung eines gesetzlich zulässigen Versorgungsangebots für Schwangerschaftsabbrüche", teile sie in der "Tiroler Tageszeitung" mit.
Eine Meldung von www.kathpress.at