Kinderbibel neu erzählt: Tag des Judentums
Mit einer besonderen Abendveranstaltung im Haus der Begegnung rückt die Diözese Innsbruck am 17. Jänner den „Tag des Judentums“ in den Fokus. Im Zentrum steht heuer ein innovatives Buchprojekt, das Kinderbibelgeschichten frei von antijüdischen Stereotypen erzählt und damit neue Impulse für den jüdisch‑christlichen Dialog setzt. Die Präsentation beginnt um 19 Uhr und wird von Nina Kölsch-Bunzen gestaltet, die an der Schnittstelle von Religionswissenschaft, Sozialpädagogik und Antisemitismuskritik forscht.
Das Anliegen des Tages des Judentums ist klar: Die christlichen Kirchen wollen sich ihrer Verwurzelung im Judentum bewusster werden und gleichzeitig des historischen Unrechts gedenken, das jüdischen Menschen über Jahrhunderte widerfahren ist. „Nach Jahrhunderten des christlichen Antijudaismus und der Shoah ist ein neues Verhältnis zum Judentum bitter notwendig und bis heute von größter Bedeutung“, betont der Innsbrucker Theologe Roman Siebenrock. Er erinnert daran, dass das Christentum entscheidende Weisheiten aus dem Glauben Israels gelernt habe – darunter die Haltung, jedem Menschen mit Würde und Respekt zu begegnen.
Eine „faire“ Kinderbibel mit großer Texttreue
Genau hier setzt das vorgestellte Buchprojekt „Gute Nachricht fair erzählt“ an. Eine umfassende Analyse aktueller Kinderbibeln hat gezeigt, dass antijudaistische Darstellungen vielerorts noch immer wirksam sind. Die neu erarbeitete Sammlung von Geschichten will Kindern hingegen einen unverstellten Zugang ermöglichen: frei von Anklängen an alte Stereotype, offen für Vielfalt und sensibel für jede Form von Diskriminierung. Im Projekt wurde mit großer Texttreue gearbeitet – oftmals wurde, wie Kölsch-Bunzen berichtet, „um jedes Wort gerungen“, um biblische Überlieferungen fair und zugleich kindgerecht zu vermitteln.
Als Mitglied der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg und ausgewiesene Expertin für Demokratiebildung und Antisemitismuskritik verbindet Kölsch-Bunzen wissenschaftliche Perspektiven mit jüdischen Traditionen. Ihr Vortrag eröffnet Einblicke in den Entstehungsprozess des Buches, die Herausforderungen eines diskriminierungssensiblen Erzählens und die Chancen für kirchliche Bildungsarbeit.
Der Tag des Judentums bildet zugleich die Brücke zur internationalen „Gebetswoche für die Einheit der Christen“, die am 18. Jänner beginnt. Auch diese Woche steht im Zeichen des gemeinsamen Weges: Christen verschiedener Traditionen sind eingeladen, miteinander zu beten und die geistliche Verbundenheit zu vertiefen. Für Siebenrock liegt darin ein starkes Zeichen: „Wir sollten immer mehr lernen, wie eine Familie zusammenzuleben. In Begegnungen mit Hochachtung und Respekt erfahren wir Segen – und werden selbst zum Segen.“
Veranstaltungsdaten:
17. Jänner 2026, 19–22 Uhr, Haus der Begegnung Innsbruck
Eintritt frei, Anmeldung unter hdb.kurse@dibk.at