Jahrestagung der Lebensschutzbeauftragten

Jedes menschliche Leben ist heilig: Lebensschutzbeauftragte zu Gast in der Erzdiözese Salzburg

Heute, am 25. März, fand wieder die Jahrestagung der Lebensschutzbeauftragten in Salzburg statt. Die Vertreterinnen aus ganz Österreich diskutierten gemeinsam mit Experten aktuelle Herausforderungen rund um das breite Feld „Lebensschutz“ und den kirchlichen Auftrag in der öffentlichen Debatte.

 

Lebensschutz als wichtige Debatte und kirchlicher Grundauftrag 

Bischof Hermann Glettler (Diözese Innsbruck) betonte in seinem Grußwort die besondere Herausforderung, über Lebensschutzthemen zu kommunizieren. Es brauche eine Sprache, „die zuerst aus dem Herzen kommt“ – einladend, öffnend und niemals verurteilend. Gerade weil diese Themen schwer und emotional aufgeladen seien und die Gefahr von Empörung bestehe, sei eine sensible und dialogorientierte Haltung entscheidend.

 

Bischofsvikar und Domkapitular Gerhard Viehhauser brachte seine Freude und Dankbarkeit über die zahlreichen Teilnehmenden und die fachkundigen Referentinnen und Referenten zum Ausdruck. „Der Lebensschutz gehöre zu den Grundaufträgen der Kirche, da nach biblischer Weisung jedes menschliche Leben heilig ist und unverbrüchliche Würde besitzt“, so Viehhauser.

 

Konfliktgespräche ohne Verlierer: die Goldgräbermethode 

Der Pädagoge und Familientrainer Christoph Alton berichtete aus seiner langjährigen praktischen Erfahrung im Lebensschutz und stellte seine „Goldgräber‑Methode“ vor, die er seit Jahrzehnten in der Begleitung von Menschen in tiefen Krisen – etwa nach Abtreibung, bei Depressionen, Gewalt oder Suizidgefährdung – anwendet. Im Zentrum steht für ihn das „Auffüllen des Liebestanks“ durch echtes Zuhören, Wertschätzung und Beziehung. Seit 38 Jahren arbeite er mit jungen Menschen und betone dabei stets: Du bist wertvoll, du bist mir wichtig. Jedes Kind habe schon im Mutterleib ein Recht auf Zuwendung und Geborgenheit. Alton verwies auf die zerstörerischen Dynamiken, denen besonders Frauen ausgesetzt seien, wenn Männer sie in eine Abtreibung drängen. Zugleich hob er die heilsame Kraft des Gebets hervor, insbesondere des Vaterunsers, das er auch mit schwer depressiven Menschen über Jahre gebetet habe. In Konflikten gelte es immer, zuerst eine Bindungsebene herzustellen, offen aufeinander zuzugehen und nie zu unterbrechen – denn echtes Zuhören sei der Schlüssel, um Menschen Halt und Hoffnung zu schenken.

 

Mehr als nur ein Zellhaufen: Konstruktiver Dialog zum Thema Abtreibung 

Die Buchautorin, Podcasterin und Mutter Sabina M. Scherer („Mehr als ein Zellhaufen“) schilderte ihren engagierten Einsatz für den Lebensschutz, für den sie mit ihrem Gesicht öffentlich einsteht – auch in mehreren Talkshow‑Diskussionen. Sie betonte, dass jedes Leben wertvoll sei und jede Mutter sowie jedes Kind es verdiene, genau das zu hören. Das Thema Abtreibung sei immer emotional aufgeladen, umso wichtiger sei es, sich fachlich gut auszukennen und nicht nur die eigenen Argumente, sondern auch die Beweggründe, Sorgen und Ängste der Gegenseite zu verstehen. Scherer setzt sich dafür ein, Punkte der anderen Seite anzuerkennen, um gegenseitiges Verständnis und gemeinsame Basis zu schaffen. Ihr zentrales Anliegen ist es, ein positives, stärkendes Bild für das Leben zu zeichnen.

 

Selbstbestimmung im Tod: Assistierter Suizid als Grenzsituation 

Die Seelsorgerin Sabrina Anderl, schilderte die großen Herausforderungen rund um assistierten Suizid als pastorale, medizinische und menschliche Grenzsituation. In Österreich gebe es mittlerweile rund 600 Sterbeverfügungen. Anderl berichtete von der großen Nachfrage nach seelsorglicher Unterstützung – sowohl von Patientinnen und Patienten als auch von Pflegepersonal, medizinischen Teams und Angehörigen. Ihr Anliegen sei es stets, den Fokus auf das Leben zu richten und niemanden in solch belastenden Situationen allein zu lassen. Sie sprach sich klar für den weiteren Ausbau der Palliativversorgung aus und schilderte eindrucksvoll Erfahrungen aus der Begleitung schwerkranker Menschen, in denen Nähe, Zuwendung und Halt entscheidend waren.

 

Kommunikation in bioethischen Konflikten 

Der langjährige Journalist und PR‑Berater Michael Prüller, seit 15 Jahren Kommunikationsleiter der Erzdiözese Wien, beleuchtete die besonderen kommunikativen Herausforderungen rund um den das Thema Lebensschutz. Dieser müsse vor allem gelebt werden: Nicht durch ständiges Debattieren, sondern durch konkretes Tun werde sichtbar, wie heilig das Leben ist – ähnlich wie ein Musiker, der nicht diskutiert, sondern einfach zu spielen beginnt. Die Kirche habe hier eine starke Vorbildfunktion, solle aber nicht moralisch-normativ auftreten, sondern durch ihr Handeln eine positive Kraft zu sein: „Der Welt zeigen, dass uns Lebensschutz etwas wert ist.“ Die Kirche werde medial häufig in Rollen gedrängt, die nicht der christlichen Botschaft entspreche; umso wichtiger sei es, ein positives und glaubwürdiges Bild vom Lebensschutz zu vermitteln. Er riet dazu, sich sensibel, aber durchaus aktiv in die Debatte einzubringen, ohne in ideologische Verbitterung zu befeuern.

Jahrestagung der Lebensschutzbeauftragten
Gruppenfoto der Jahrestagung der Lebensschutzbeauftragten - Foto: Erzdiözese Salzburg (eds)/ Hiva Naghshi