Bischof Hermann bei Islam-Dialog der Deutschen BiKo

Innsbrucker Bischof und Imam Mohammed gestalteten inhaltlichen Schwerpunkt beim Jahresempfang für Partner im christlich-islamischen Dialog - Deutscher Bischof Bertram Meier  warnte vor "überzogenen Ängsten" gegenüber Islam

Christen und Muslime haben beim Jahresempfang für die Partnerinnen und Partner im christlich-islamischen Dialog der Deutschen Bischofskonferenz für ein friedliches und solidarisches Miteinander geworben. Bischof Bertram Meier, in der Bischofskonferenz Vorsitzender der Unterkommission für den Interreligiösen Dialog, rief am Freitagabend in Frankfurt zum Schulterschluss gegen radikale Kräfte und für eine offene Gesellschaft auf. Den inhaltlichen Schwerpunkt des Abends setzten der Innsbrucker Bischof Hermann Glettler und der muslimische Imam und Religionspädagoge Abualwafa Mohammed. Sie stellten ihr 2025 erschienenes Buch "Nicht den Hass, die Liebe wählen" vor, in dem sie beschreiben, wie interreligiöser Dialog auf Augenhöhe und ein gelebtes Miteinander der Religionen gelingen können.

 

Glettler hob eine Haltung von Offenheit in der Zusammenarbeit der beiden hervor: "Fruchtbare Dialoge gelingen nur, wenn wir uns selbst verletzlich machen und uns aus der Sicherheitszone der eigenen Positionen herauslocken lassen - hin zu einer beglückenden Erfahrung des Menschseins." Imam Mohammed warnte vor Freund-Feind-Denken und ideologischen Vereinfachungen, die Rassisten und radikale Islamisten verbinden. "Einen Ausweg gibt es nur, wenn wir versuchen, in jedem einen Menschen zu sehen."

 

Aufeinander zugehen
"Wir brauchen echte Solidarität, wenn Menschen aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit Anfeindungen und Übergriffe erfahren", betonte Meier. Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und jede Form von Menschenfeindlichkeit dürften in der Gesellschaft keinen Platz haben. Im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) wies der Augsburger Bischof den Vorwurf zurück, dass der Dialog der Kirche mit dem Islam einer "Islamisierung Deutschlands" Vorschub leiste. "Das Gespräch mit anderen Religionen wie dem Islam ist keine Verbeugung vor dem Zeitgeist und keine Relativierung des christlichen Glaubens, sondern gehört zu ihm." Die Kirchenreform durch das Zweite Vatikanische Konzil (1962-1965) habe ihr das Zugehen auf die anderen Religionen "ins Stammbuch geschrieben", betonte Meier. 

 

Er warnte auch vor überzogenen Ängsten gegenüber dem Islam. Vielmehr stehe auch dieser vor den Herausforderungen einer wachsenden Säkularisierung. "Vor diesem Hintergrund geht es weniger darum, dass wir Angst vor dem Islam haben müssen, sondern dass wir die Muslime stärken, die unsere Grundwerte teilen, zum Grundgesetz stehen, die Menschenwürde und die Menschenrechte verteidigen und zur Religionsfreiheit stehen", erklärte der Bischof.

 

Er selbst halte es mit dem Ausspruch des 2014 gestorbenen Islamkenners und Journalisten Peter Scholl-Latour, er habe weniger Angst vor der Stärke des Islams als vor der Schwäche des Christentums. Gleichwohl brauche es sinnvolle Kanäle und Ordnungen "für die große Herausforderung der Migration und Fluchtbewegungen aus islamischen Ländern", betonte Meier. Diese müssten aber auf dem Grundsatz der Würde jedes Menschen gründen.

 

"Frieden beginnt im Herzen der Menschen"
Rund 120 Gäste waren der Einladung zu dem Empfang im Frankfurter Haus am Dom gefolgt. Bei einem Eröffnungsgebet im Dom betonte Meier, dass Christen und Muslime trotz Unterschieden in der Glaubenslehre geistliche Berührungspunkte teilten. Beide Religionen vertrauten sich einem barmherzigen Schöpfergott an. Er appellierte an die gemeinsame Verantwortung für den Frieden in der Welt. "Denn Frieden ist mehr als das Schweigen der Waffen - er beginnt im Herzen der Menschen." 

 

Die Vorsitzende der Christlich-Islamischen Gesellschaft, Dunya Elemenler, warb in ihrem Grußwort für aktives Handeln. Es gehe darum, "nicht nur Unterschiede zu benennen, sondern vor allem Vertrauen wachsen zu lassen", so die Muslimin. Denn am Ende entscheide sich die Zukunft des interreligiösen Dialogs im Miteinander der Menschen. "Wenn es uns gelingt, Dialog als echte Beziehungsarbeit zu verstehen und zu leben, dann kann daraus mehr entstehen als Verständigung: nämlich gegenseitige Wertschätzung, Vertrauen - und vielleicht sogar Freundschaft."

 

Es begann mit "Nostra aetate"
Es war der siebte Jahresempfang der Bischofskonferenz für die Partnerinnen und Partner im christlich-muslimischen Dialog. Dessen Ursprünge gehen in der katholischen Kirche zurück auf das Dokument "Nostra aetate" des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965). Die Kirche vollzog darin eine Öffnung zu anderen Religionen. Nach Jahrhunderten von Gegensätzen und Feindschaft zwischen Christen und Muslimen bekundete das Konzilsdokument 1965 Hochachtung vor dem Islam. Insbesondere die Päpste Johannes Paul II. und Franziskus förderten später den Dialog mit den Muslimen. 

 

Auch die katholische Kirche in Deutschland führt das Gespräch mit Musliminnen und Muslimen, Islamverbänden und Vertretern auf weiteren Ebenen. So haben etliche Bistümer eigene Islam-Beauftragte. Mit der Christlich-Islamischen Begegnungs- und Dokumentationsstelle Cibedo in Frankfurt am Main unterhält die Bischofskonferenz zudem eine wissenschaftliche Fachstelle für den christlich-islamischen Dialog.

 

Eine Meldung von www.kathpress.at 

Bischof Hermann bei Islam-Dialog der Deutschen BiKo
Symbolfoto: Abualwafa Mohammed und Bischof Hermann - Bildnachweis: Cincelli/dibk