Anonym, professionell, unverzichtbar: Telefonseelsorge
Unter der Notrufnummer 142 verzeichnete die Telefonseelsorge im Jahr 2025 insgesamt 15.639 Anrufe aus ganz Tirol. Neben dem Telefon gewinnt auch die Onlineberatung zunehmend an Bedeutung. Der österreichweite Messenger-Beratungsdienst via WhatsApp, der erst im Mai 2025 gestartet ist, verzeichnet bereits rund 1.500 Anfragen und wird voraussichtlich bald die Mailberatung mit derzeit etwa 1.700 eingegangenen Nachrichten überholen. Auch die Nachfrage nach Chatberatung steigt seit Jahren kontinuierlich und lag 2025 bei rund 9.500 Anfragen.
Durchgehende Besetzung nur durch Ehrenamtliche möglich
Dieses breite und niederschwellige Angebot ist nur durch den engagierten Einsatz von rund 100 ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen der Telefonseelsorge Innsbruck möglich. 31 von ihnen sind zusätzlich Teil des österreichweiten ehrenamtlichen Onlineberatungsteams mit insgesamt über 200 Personen. „Ohne die ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen würde eine durchgehende 24-Stunden-Besetzung enorme finanzielle Mittel erfordern“, betont Humml, Leiterin der Telefonseelsorge Innsbruck. „Das lässt sich gut mit Feuerwehr oder Rettung vergleichen – auch diese wichtigen Systeme funktionieren nur dank des freiwilligen Engagements aus der Bevölkerung.“
Damit diese sensible Arbeit gelingt, absolvieren die ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen eine fundierte Ausbildung und nehmen regelmäßig an Fortbildungen und Supervisionen teil. Allein 2025 wurden elf Fortbildungen angeboten – von Kindeswohl und psychischer Gesundheit bis hin zu Gesprächsführung in der Onlineberatung. Das stille Ehrenamt bei der Telefonseelsorge ist damit hoch professionell organisiert und kontinuierlich begleitet.
Anonyme Arbeit als tragender Teil der sozialen Versorgung
Im Unterschied zu Blaulichtorganisationen bleibt das Ehrenamt bei der Telefonseelsorge meist im Hintergrund. Es ist ein sogenanntes stilles Ehrenamt. „Unsere Ehrenamtlichen arbeiten anonym“, erklärt Humml. Das schützt sie und hilft zugleich, Hemmschwellen abzubauen – niemand soll davor zurückschrecken, die 142 zu wählen, aus Angst, am anderen Ende jemanden aus dem eigenen Umfeld zu erkennen. „In der Regel weiß nur der engste Vertrautenkreis, wann jemand Dienst macht. Am Telefon und in der Onlineberatung werden keine Namen oder persönlichen Daten weitergegeben.“ Diese Vertraulichkeit ist auch für die Ratsuchenden zentral: Wer sie sind oder wo sie leben, spielt in den Gesprächen meist keine Rolle. Gerade weil dieses Engagement leise und unsichtbar bleibt, ist es ein oft unterschätzter, aber tragender Teil der psychosozialen Versorgung Tirols.
Thematisch geht es in den Gesprächen häufig um psychische Belastungen, soziale Isolation und Beziehungsprobleme. Die Telefonseelsorge bietet dafür einen vertrauensvollen Raum zum Zuhören, für unterstützende Gespräche und – wenn gewünscht – auch Informationen über weitere Hilfs- und Beratungsangebote.