Gedenken für Verstorbene des Jahres 2020

Gedenkmesse und Gedenkakt mit Bischof Hermann Glettler, Landhauptmann Günther Platter und VertreterInnen der Religionsgemeinschaften und Institutionen.

Der Silvesterabend am heutigen Donnerstag, 31. Dezember 2020, stand ganz im Zeichen des Gedenkens an jene TirolerInnen, die im abgelaufenen Jahr mit oder an Corona verstorben sind. Ebenso wurde aller in dieser Zeit Verstorbenen gedacht, deren Verabschiedung im Corona-Jahr 2020 nur im kleinen Kreis möglich war. LH Günther Platter lud um 15 Uhr – gemeinsam mit Bischof Hermann Glettler – unter dem Leitgedanken „Mit dem Licht der Zuversicht in das neue Jahr 2021“ zu einer Gedenkmesse in die Georgskapelle des Alten Landhauses. Anschließend fand ein Gedenkakt am Landhausplatz statt, bei dem gemeinsam 477 Gedenkkerzen entzündet wurden – eine für jede Person, die in Tirol mit oder an Corona verstorben ist. Beim gemeinsamen Innehalten wurde ein Zeichen der Anteilnahme und der dankbaren Erinnerung an die Verstorbenen gesetzt.

 

Lernertrag für einen Neubeginn 

In seiner Predigt beim Gottesdienst in der Landhaus-Kapelle sprach Bischof Hermann Glettler angesichts der Corona-Pandemie von einem „dreifachen Lernertrag für einen Neubeginn“. „Wir müssen auch nach der Krise mit unlösbaren Spannungen leben“, so der Bischof. Er nannte unter anderem die Freiheitsbeschränkungen, die nicht immer verstanden und akzeptiert wurden oder die Vielfalt an Meinungen und politischen Überzeugungen. Es brauche „eine Grundverständigung auf ein Mindestmaß an gemeinsamen Werten, die im Hören aufeinander, im geduldigen Gespräch und in einem demokratischen Diskurs ständig neu errungen werden“ müssen.

Das Krisenjahr habe gezeigt, „dass wir zum Leben viel weniger brauchen als wir dachten“, sagte Glettler. „Unser Wohlbefinden hängt weit weniger an den exquisiten Klamotten, Urlaubsreisen und an anderen Verwöhn-Optionen als uns ständig durch eine raffinierte Konsumanimation eingeredet wird. Durch ein bewusstes „Weniger“ können wir uns selbst, unsere Haushalte sowie die uns geschenkte Natur und Mitwelt wesentlich entlasten.“

Und schließlich verwies Glettler darauf, dass es ein gemeinsames Wir „nur mit Eigenverantwortung und Engagement“ gebe. Glettler: „Das vergangene Jahr hat uns gelehrt, dass es nicht nur in der Akutphase auf jeden und jede Einzelne in der Gesellschaft ankommt.“ Jede Situation, so der Bischof, sei ein „Anruf Gottes“. „Man kann sich ihm durch Schwerhörigkeit oder Herzenshärte entziehen – oder auf ihn achten und eine Antwort versuchen.“ 

 

Mit dem Licht der Zuversicht in das neue Jahr 2021  

„Wir entzünden heute gemeinsam 477 Kerzen im Gedenken an die Tiroler Opfer der Corona-Pandemie. 477 Tirolerinnen und Tiroler sind durch ein Virus gestorben, das völlig überraschend in unsere Welt gekommen ist und unendlich viel Leid verursacht hat. Weil ein Abschied corona-bedingt nur im kleinen Kreis möglich war, mussten viele Tiroler Familien ihre Angehörigen ohne die tröstende Anteilnahme von Verwandten, Freunden und der ganzen Dorfgemeinschaft zu Grabe tragen. Mit diesem öffentlichen Gedenken sagen wir allen Trauernden, die einen geliebten Menschen verloren haben: Ihr seid nicht allein. Wir alle sind in stiller Anteilnahme bei Euch. Die Gedenkkerzen sind ein sichtbares Zeichen dafür – sie erhellen die Silvesternacht und sollen uns als Licht der Zuversicht in das neue Jahr 2021 hinein begleiten“, betonte LH Platter anlässlich des Gedenkaktes am Landhausplatz. 

„Für das zu Ende gehende Corona-Jahr 2020 ist das Konto des Unabgeschlossenen und Unbewältigten noch zu groß. Aus diesem Grund wollen wir uns gemeinsam erinnern, das Offen-Gebliebene benennen und auch der Trauer einen Platz einräumen. Gleichzeitig wollen wir ein Zeichen des Dankes setzen – für Menschen, die in ihrem Engagement für andere über ihre Grenzen hinausgewachsen sind. 2020 wird uns allen im Gedächtnis bleiben. Mit einem Licht der Zuversicht und im Vertrauen auf Gott blicken wir auf alles Kommende – getragen von der Überzeugung, dass es in unserem Land ein verlässliches Miteinander gibt.“, sagt Bischof Hermann Glettler. 

Superintendent der Evangelischen Superintendentur A. B. Salzburg und Tirol Olivier Dantine erklärte: „Wir diskutieren über Maßnahmen und hoffen auf eine Verbesserung der Situation, begleitet von einem gebannten Starren auf Zahlen und Kurven. Bei all dem aber dürfen wir nie vergessen, dass hinter Zahlen persönliche Schicksale stehen. Der Jahreswechsel ist eine gute Gelegenheit, unsere Verbundenheit mit all jenen zu zeigen, die durch die Pandemie einen geliebten Menschen verloren haben. Gleichzeitig soll der Ausblick in das neue Jahr in der Hoffnung geschehen, dass diese Pandemie mit all ihren direkten und indirekten Folgen in einem solidarischen Miteinander bewältigt werden kann.“

Soziallandesrätin Gabriele Fischer fügt noch hinzu: „Wir setzen heute ein Zeichen der Erinnerung an alle Verstorbenen des Ausnahme-Jahres 2020 und wollen damit ihren Angehörigen auch Mut zusprechen. Das vergangene Jahr war insgesamt sehr herausfordernd, hat uns gleichzeitig aber auch gezeigt: gemeinsam können wir Vieles schaffen, denn miteinander sind wir füreinander da. Diesen positiven Blick sehe ich im Land auch für das neue Jahr und wünsche dafür allen Menschen in Tirol alles Gute.“