Segnungsfeier und Taufe
„Ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Gal 3,28)
Am Anfang unseres christlichen Lebens steht die Taufe. Sie ist keine Belohnung für eine Leistung und kein Zeichen moralischer Vollkommenheit, sondern Zusage und Auftrag zugleich. In der Taufe werden wir eingegliedert in die Kirche und beauftragt, die Botschaft Jesu von Liebe und Versöhnung, von Gerechtigkeit und Barmherzigkeit konkret werden zu lassen.
Die Gemeinschaft mit Gott steht allen Menschen offen. Sie ist nicht abhängig von Herkunft, Geschlecht, Lebensform, geschlechtlicher Identität oder sexueller Orientierung. Wer getauft ist, bekennt sich zum dreifaltigen Gott und zur christlichen Gemeinschaft.
„Der Mensch sieht, was vor Augen ist; der HERR aber sieht das Herz“ (1 Sam 16,7)
In der Begleitung queerer Menschen, ihrer Familien und Freund*innen hat sich der kirchliche Blick unter Papst Franziskus verändert. Zu lange wurde vor allem gefragt, was „nicht passt“ oder was „fehlt“. Papst Franziskus lädt uns Katholik*innen zu einem anderen Weg ein: Zu einer Pastoral, die hinschaut, unterscheidet, begleitet und stärkt.
Der Blick richtet sich auf das, was da ist; auf Liebe, Treue, Verantwortung und Fürsorge. Außerdem wird dem Gewissen der Gläubigen (vgl. GS 16) mehr Vertrauen entgegengebracht (vgl. AL 37). Wo Menschen füreinander einstehen und ihr Leben teilen, wird etwas von Gottes Liebe sichtbar. Diese Wirklichkeit ernst zu nehmen ist keine Abweichung vom „richtigen“ Weg, sondern Ausdruck eines Glaubens, der sich am Handeln Jesu orientiert.
„Lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens“ (Röm 12,2)
Im Bericht der deutschen Sprachgruppe bei der Synode 2015 haben die deutschsprachigen Bischöfe ausdrücklich benannt, dass homosexuelle Menschen in der Kirche Ausgrenzung und Verletzung erfahren haben, und dafür um Entschuldigung gebeten. Diese Bitte um Vergebung ist ein wichtiges Zeichen: Sie macht deutlich, dass Kirche lernend unterwegs ist – und dass niemand über dem anderen steht. (vgl. Bericht, Circulus Germanicus).
„Der HERR segne dich und behüte dich“ (Num 6,24)
Segensfeiern für queere Personen und Paare wollen genau dies tun: Gottes Nähe zusprechen, Begleitung sichtbar machen, dankbar annehmen, was gelingt und um Stärkung für die Zukunft bitten. Ein Segen ist niemals Belohnung für Vollkommenheit. Er ist ein Zeichen der Begleitung Gottes auf dem je eigenen Lebensweg. Papst Franziskus erinnert daran, dass Segnen bedeutet, Menschen Gott anzuvertrauen – nicht, ihre Lebensform abschließend zu bewerten (vgl. Fiducia supplicans). In diesem Sinn sind Segensfeiern ein selbstverständlicher Teil einer Kirche, die „den Geruch der Schafe angenommen hat.“ (Papst Franziskus).
„Lasst die Kinder zu mir kommen; hindert sie nicht!“ (Mk 10,14)
Wenn Eltern für ihr Kind um die Taufe bitten, geschieht etwas zutiefst Christliches: Sie vertrauen ihr Kind Gott an und bitten um die Aufnahme in die Gemeinschaft der Glaubenden. Die Taufe ist ein Sakrament der Gnade – kein Urteil über die Lebenssituation der Eltern.
Kinder zu taufen ist eine bewährte Praxis der katholischen Kirche. Entscheidend ist der Wunsch, das Kind im Glauben zu begleiten und ihm einen Zugang zur christlichen Gemeinschaft zu eröffnen. Die Kirche steht hier an der Seite der Familien und heißt jedes Kind mit seinen Eltern willkommen. Weitere Informationen zum Thema Taufe erhalten Sie hier.
Bei der Erstellung des Taufscheins kann es zu Irritationen kommen, da die Eintragung beider gleichgeschlechtlicher Eltern im Taufschein wegen römischer Formalia (noch) nicht möglich ist. Es kann auf die Eintragung beider Eltern im Taufschein verzichtet werden, dann werden Täufling und Pate / Patin genannt, die für das Sakrament zentral sind.
„Tragt einander in Liebe“ (Eph 4,2)
Kirche ist eine pilgernde Gemeinschaft. Wir sind gemeinsam unterwegs mit unterschiedlichen Lebensgeschichten, Erfahrungen und Überzeugungen. Paulus vergleicht das mit einem menschlichen Körper: Jedes Glied hat seine Aufgabe (vgl. 1 Kor 12,4). Kein Glied ist wichtiger als das andere, d.h. niemand ist mehr Kirche als der oder die andere, niemand steht über den anderen. Auch wir als Kirche sind Lernende, angewiesen auf Umkehr, auf das Hören aufeinander und auf das Evangelium.
Christus ist dabei unser Kompass. Darum begleiten wir Menschen auf ihrem Weg, sprechen ihnen Gottes Segen zu und heißen Kinder in der Taufe willkommen. Getaufte queere Menschen sind Teil der Kirche.
Zugleich wissen wir, dass es nicht überall selbstverständlich ist, offen über religiöse Bedürfnisse im Zusammenhang mit queeren Lebensrealitäten zu sprechen. Erfahrungen von Zurückhaltung, Unsicherheit oder auch Verletzung gehören für manche Menschen weiterhin zur Wirklichkeit. Als diözesaner Arbeitskreis sehen wir es als unsere Aufgabe, hier zu unterstützen, zu begleiten und zu vermitteln – im Vertrauen darauf, dass gemeinsames Unterwegssein im Geist des Evangeliums möglich ist.
„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht mehr Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“
(Galater 3,28)