Gesendet, um Kirche und Menschen zu begleiten

Acht Frauen wurden für unterschiedliche kirchliche Dienste in der Diözese Innsbruck gesendet.

Mit einer feierlichen Sendungsfeier im Innsbrucker Dom wurden am Sonntag, 18. Oktober, acht Frauen für unterschiedliche pastorale und kirchliche Dienste in der Diözese Innsbruck gesendet. Sie übernehmen Aufgaben in Pfarren und Seelsorgeräumen, im Religionsunterricht und in der Altenheimseelsorge sowie in der Katholischen Jugend und in den Fachbereichen Frauen, Ehe und Familie.

 

Die Sendung unterstreicht die besondere Bedeutung dieser Aufgaben für die Kirche. Sie sind nicht nur berufliche Tätigkeiten, sondern mit einem kirchlichen Auftrag verbunden. Bischof Hermann Glettler formulierte es in seiner Predigt so: „Die Sendung bedeutet, dass der Bischof und die Diözese hinter euch stehen. Ihr habt zukünftig im pastoralen Dienst nicht nur einen Job zu verrichten, sondern einen kirchlichen Auftrag zu erfüllen.“

 

Unterschiedliche Dienste, gemeinsame Sendung 

In den unterschiedlichen Einsatzbereichen wird Kirche dort konkret, wo Menschen begleitet, Gemeinschaften aufgebaut und Lebens- und Glaubensfragen aufgegriffen werden. Bischof Hermann Glettler ermutigte die neuen Mitarbeiterinnen dabei zu einer persönlichen geistlichen Verwurzelung: „Die persönliche, herzhafte Beziehung mit Jesus ist euer Schatz, eure Inspiration.“ Zugleich rief er dazu auf, Menschen anzusprechen, Gemeinschaft aufzubauen und den „Gründergeist des Paulus“ in die unterschiedlichen Tätigkeitsfelder mitzunehmen.

 

Die Sendung steht dabei in einer Zeit großer gesellschaftlicher und kirchlicher Veränderungen. In seiner Predigt sprach Bischof Hermann Glettler von Spannungsfeldern zwischen Tradition und notwendiger Veränderung, persönlichem Glück und Verantwortung für die Gemeinschaft sowie zwischen Sorge angesichts weltweiter Krisen und notwendiger Zuversicht.

 

Mit Freude und Zuversicht 

Gerade darin sieht Bischof Hermann Glettler eine wichtige Aufgabe der neuen Mitarbeiterinnen: „Ihr werdet gesendet, um andere zu befähigen, in diesen Spannungsfeldern vertrauensvoll zu leben.“ Zugleich betonte er das gemeinsame und synodale Unterwegssein der Kirche. Niemand müsse den kirchlichen Auftrag allein erfüllen: „Wir brauchen einander, um unserer Sendung und Mission treu zu bleiben.“ Für ihren Dienst gab er den acht Frauen Freude und Zuversicht mit auf den Weg.

Gesendet, um Kirche und Menschen zu begleiten
Fotos: Sigl/dibk

Gesendet in einer „spannungsvollen“ Zeit

Predigt von Bischof Hermann Glettler bei der Sendungsfeier der neuen Mitarbeiter:innen im pastoralen Dienst oder im Religionsunterricht, 18. Oktober 2026

Einleitung: Liebe Mitarbeiterinnen in den vielfältigen pastoralen Diensten – und alle, die euch bis zu diesem feierlichen Anlass begleitet haben. Die Sendung bedeutet, dass der Bischof und die Diözese hinter euch stehen. Ihr habt zukünftig im pastoralen Dienst nicht nur einen Job zu verrichten, sondern einen kirchlichen Auftrag zu erfüllen. Gott möchte mit und durch euch wirken – aufbauend auf euren Begabungen und Lebenserfahrungen. Und es wird heute sichtbar, dass ihr nicht allein seid. Wir sind als Kirche versammelt und wollen synodal, d.h. vertrauensvoll in einem wachsenden Miteinander unterwegs sein. Die biblischen Texte des heutigen Sonntags ermutigen uns dazu. Beginnen wir mit der neutestamentlichen Lesung, in der von der Erwählung durch Gott die Rede ist. 

 

Durch Gottes Wort erwählt – und zum Aufbau der Kirche berufen  

„Wir wissen, dass ihr erwählt seid“, schreibt Paulus im Brief an die Gemeinde in Thessaloniki, weil das Evangelium die Gläubigen dort erreicht hat „mit Kraft, mit dem Heiligen Geist und mit voller Gewissheit“. Ist das nicht eine herrliche Ansage?! Paulus freut sich, dass die Gemeinde, die er im Jahr 49/50 in der wichtigen Handelsstadt Mazedoniens gründete, Bestand hat. Die Gläubigen von dort unterstützen ihn nun bei seiner weiteren Mission. Jetzt schreibt er ihnen von Athen aus einen Brief. Man spürt die Freude des Paulus, seinen Gründergeist, seine herzliche Verbundenheit mit der wachsenden Kirche auf dem europäischen Kontinent. Lassen wir uns davon inspirieren! Gottes Wort ist lebendig – auch heute, Fundament jeder kirchlichen Sendung! 

 

Liebe Schwestern, ihr habt bei unserer Begegnung davon erzählt, dass euch die Frohbotschaft Jesu wichtig geworden ist, wenn auch in ganz unterschiedlichen Berufs- und Berufungswegen. Ich hatte den Eindruck, dass Gott eure Herzen erreicht hat. Ihr seid deshalb auch nicht nur theologisch und religions-pädagogisch gebildet, sondern lebt aus einer geistlichen Erfahrung. Die persönliche, herzhafte Beziehung mit Jesus ist euer Schatz, eure Inspiration. Das macht den Unterschied! Bitte bleibt in dieser inneren Verbundenheit und nehmt den Gründergeist des Paulus mit – ganz egal, wo ihr eingesetzt werdet: Menschen ansprechen und sammeln, mit dem Wort Gottes konfrontieren, Gemeinschaft aufbauen – bei Jugendlichen und im Altersheim! 

 

Gefahr der Verhärtung und Resignation – eine warnende Bitte an uns alle  

Aber es gibt auch Gefährdungen. Wir sind konfrontiert mit enormen Veränderungen und bedrohlichen Beschleunigungen auf allen Ebenen. Das verunsichert, löst Aggressionen aus. Und es klaffen weltweit erschreckende Abgründe der Unmenschlichkeit auf. Ein 10-jähriger Schüler hat es unlängst so formuliert: „Der Mensch selbst wird für den Menschen zur Bedrohung.“ Im heutigen Evangelium klingt einiges davon an: Jesus, der absolut integre, gerechte und liebevolle Rabbi aus Galiläa wird in eine Falle gelockt. Dahinter Angst um Machtverlust und der Neid um die Gunst beim Volk. Die Pharisäer wollten einen Grund finden, um ihm Gesetzesbruch oder Vergehen gegen die römische Besatzungsmacht vorwerfen zu können. Abgründig gehässig! 

 

Schon die schleimige Lobhudelei, dass er immer die Wahrheit sage, lässt ihre böse Absicht ahnen. Die Frage lautete, ob es denn erlaubt sei, dem Kaiser Steuern zu zahlen oder nicht. Jesus durchschaute sie und ließ sich nicht in ein „Entweder-oder“ treiben, sondern zeigte einen dritten Weg auf. Auch wir sind nicht gefeit, dass sich in unser Verhalten – trotz einer feierlichen Sendung – Wichtigtuerei einschleicht. Dass wir vergessen, auf Christus zu verweisen und den Menschen in ihren Lebensherausforderungen zu dienen, sie zu begleiten. Ebenso kann sich Resignation einstellen, weil wir die innere Verbundenheit aufgegeben haben und weder den Herzschlag Gottes, noch den Herzschlag der uns anvertrauten Menschen spüren. Bleiben wir aufmerksam!  

 

Der wichtige Auftrag – die Spannung unserer Zeit geistvoll auszuhalten  

Kehren wir nochmals zum Evangelium des heutigen Tages zurück. Mit dem Hinweis auf das Bildnis des Kaisers hat Jesus die Falle aufgedeckt – und seine Gegner mit einer etwas kryptischen Anweisung überrascht: „So gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört!“ Diese Anweisung lässt sich als Anweisung zur strikten Trennung von weltlichen und geistlichen Verpflichtungen verstehen – mühsame alltägliche Geschäfte hier und der göttliche Auftrag dort. Oder etwas tiefgründiger, weil der silberne Denar das Bild des Gottkaisers Tiberius zeigt. Ihn zu verwenden, war Teil des Kaiserkultes, für Juden verboten. Wir Menschen wurden doch von Gott nach seinem Bild geschaffen. Wir gehören also Gott – und das zählt. Müssen uns ihm – inmitten aller Verpflichtungen – immer wieder neu anvertrauen. 

 

Die Aussage Jesu bezeichnet jedenfalls eine bleibende Spannung – die darauf hinweist, dass wir inmitten einer Welt mit ihren vielen Spannungsfeldern als Kirche unsere Mission zu leben haben. Nur einige zähle ich auf: Die Spannung zwischen der Suche nach privatem Glück und zugleich einer Verpflichtung für das Wir. Die Spannung zwischen der wertvollen kirchlichen Tradition und einer notwendigen Bereitschaft für Veränderungen. Die Spannung zwischen einem offiziellen Funktionieren-müssen und dem, wie es einem oft innerlich geht. Die Spannung zwischen einer tiefen Besorgnis angesichts der weltweiten Krisen und einer notwendigeren Zuversicht. Ihr werdet gesendet, um andere  zu befähigen, in diesen Spannungsfeldern vertrauensvoll zu leben. 

 

 Abschluss: Geschätzte Mitarbeiterinnen im pastoralen Dienst! Es ist mir wichtig, dass wir unseren Weg gemeinsam gehen – und dass es ganz selbstverständlich ist, sich auch gut begleiten zu lassen. Wir brauchen einander, um unserer Sendung und Mission treu zu bleiben. Und sie viele Jahre lang mit Freude und Zuversicht zu leben. Seid dafür gesegnet! 

Gesendet in einer „spannungsvollen“ Zeit

Gesendet in einer „spannungsvollen“ Zeit