100. Weltmissionssonntag: Hoffnung für Äthiopien
Am Sonntag, 18. Oktober, begeht die katholische Kirche zum 100. Mal den Weltmissionssonntag. Im Mittelpunkt der größten Solidaritätsaktion der katholischen Kirche steht heuer Äthiopien. Besonders die Menschen in der nördlichen Region Tigray leiden unter den Folgen von Krieg, Flucht, Armut und Gewalt.
Jahrelange Kämpfe haben in Tigray tiefe Spuren hinterlassen. Millionen Menschen wurden zur Flucht gezwungen, viele verloren ihre Lebensgrundlage. Frauen sind von den Folgen sexualisierter Gewalt betroffen. Missio unterstützt deshalb kirchliche Partner, die nicht nur akute Not lindern, sondern Menschen neue Perspektiven eröffnen.
Ein Beispiel dafür ist eine Bäckerei in Adwa. Dort finden Frauen Arbeit, die während des Konflikts Gewalt erfahren haben und teilweise von ihren Familien verstoßen wurden. Gleichzeitig wird Brot an Vertriebene ausgegeben. Andere Projekte schaffen Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten, darunter eine Weberei für Frauen in Notsituationen. Sie sollen Einkommen sichern und zugleich verhindern, dass Menschen mangels Perspektiven ihre Heimat verlassen und auf gefährlichen Fluchtrouten Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel werden.
Dahinter steht ein Grundgedanke der Arbeit von Missio: Die Kirche vor Ort kennt die Menschen und ihre Bedürfnisse und entwickelt gemeinsam mit ihnen Lösungen. Wie entscheidend diese unmittelbare Nähe sein kann, zeigt auch eine Reportage des Missio-Magazins „Alle Welt“ aus dem Norden Kenias. Dort begleitet die Kirche Menschen unter schwierigsten Bedingungen: Sie schafft Zugang zu sauberem Wasser, unterstützt Bildung und Ernährungssicherheit und erreicht selbst entlegene Gebiete. Die eindrucksvolle Reportage „Wo die Kirchendächer wachsen“ zeigt, wie Seelsorge und konkrete Hilfe ineinandergreifen.
Für Missio-Nationaldirektor Johannes Laichner ist der Weltmissionssonntag daher eine Einladung, „über den eigenen Kirchturm hinauszuschauen“. Dabei hat der seit September amtierende Nationaldirektor selbst starke Tiroler Wurzeln: Laichner wurde 1982 in Tirol geboren, wuchs in Telfs auf, studierte in Innsbruck und wurde 2008 im Innsbrucker Dom zum Priester geweiht. Seit 2019 war er zudem Missio-Diözesandirektor der Diözese Innsbruck, bevor er am 1. September die österreichweite Leitung der Päpstlichen Missionswerke übernahm.
Laichner betont dabei die Partnerschaft mit den Ortskirchen: Nicht Hilfe von außen soll vorgeben, was gebraucht wird. Die Ideen und ihre Umsetzung entstehen vielmehr bei den Projektpartnern vor Ort. Diese weltkirchliche Verbundenheit wird am Weltmissionssonntag durch Gebet und Spenden sichtbar.
Das Jubiläum steht unter dem Leitwort „Eins in Christus, vereint in der Mission“. Der Weltmissionssonntag geht auf Papst Pius XI. zurück, der 1926 einen weltweiten Missionstag ins Leben rief. Hundert Jahre später verbindet er Katholikinnen und Katholiken weltweit miteinander.
Auch in Österreich wird der Weltmissionssonntag am 18. Oktober in den Pfarren gefeiert. Ein weiterer Bestandteil ist die Missio-Jugendaktion mit fair gehandelten Schokoladepralinen und „Happy Blue Chips“. Die Erlöse unterstützen Hilfsprojekte und machen deutlich, was der Weltmissionssonntag seit 100 Jahren ausdrückt: Weltkirche entsteht dort, wo Menschen füreinander Verantwortung übernehmen.